Harvey Weinstein festgenommen | Bildquelle: AFP

Missbrauchsvorwürfe Hollywood-Produzent Weinstein angeklagt

Stand: 25.05.2018 17:55 Uhr

Er habe seine Macht benutzt, um Frauen sexuell zu missbrauchen, so der Staatsanwalt: Gegen den Hollywood-Produzenten Weinstein ist in New York Anklage erhoben worden. Er bleibt aber gegen Kaution auf freiem Fuß.

Gegen den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ist in New York Anklage erhoben worden. Weinstein würden Vergewaltigung und ein krimineller sexueller Akt vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. US-Medien berichteten, dabei handele es sich um erzwungenen Oralsex. Der Staatsanwaltschaft zufolge geht es um Vorfälle aus den Jahren 2013 und 2004.

Der Produzent selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Seine Anwälte erklärten aber, Weinstein plädiere auf "nicht schuldig". Zugleich betonten sie, Menschen würden nicht wegen Beschuldigungen, sondern aufgrund stichhaltiger Beweise verurteilt. Die gebe es in diesem Fall nicht. Weinstein habe stets beteuert, der Sex sei immer einvernehmlich gewesen. Keine Jury werden den Frauen, die anderes behaupten, glauben - vorausgesetzt man finde eine Jury, die nicht durch die Me-Too-Bewegung voreingenommen sei, so die Anwälte.

Auf Kaution frei

Im Gefängnis bleiben muss Weinstein trotz der Anklage nicht. Seine Kautionsbedingungen waren schon vorab festgelegt worden. Weinstein muss eine Million Dollar in bar oder zehn Millionen Dollar in Schuldscheinen hinterlegen und sich verpflichten, ein Überwachungsgerät wie etwa eine Fußfessel zu tragen. Seine Reise- und Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt.

Weinstein hatte sich gestellt

Zuvor hatte die Polizei Weinstein formell festgenommen. Der Produzent hatte sich freiwillig den Behörden gestellt und war am Morgen in Begleitung seiner Anwälte auf dem Polizeirevier in Manhattan erschienen - beobachtet von zahlreichen Kamerateams, Fotografen und Schaulustigen. Seit Monaten laufen Ermittlungen gegen Weinstein nach Vorwürfen mehrerer Frauen wegen sexuellen Missbrauchs.

Betroffene Schauspielerinnen erleichtert

Mehrere Schauspielerinnen, die Weinstein in den vergangenen Monaten sexuelle Übergriffe vorgeworfen haben, kommentierten die Verhaftung mit Erleichterung und Freude. "Heute sind wir der Gerechtigkeit einen Schritt näher gekommen", schrieb die Schauspielerin Rose McGowan auf Instagram. Sie und andere Weinstein-Opfer hätten schon daran gezweifelt, dass er vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werde. McGowan war im vorigen Herbst eine der ersten Frauen, die Weinstein Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe vorwarfen.

Ermittlungen ausgeweitet

Nach Informationen der Zeitung "New York Daily News" könnte Weinstein wegen Übergriffen gegen die frühere Schauspielerin Lucia Evans belangt werden. Sie hatte im Interview mit dem Magazin "The New Yorker" erklärt, der Produzent habe sie 2004 bei einem Arbeitstreffen in seinem Büro zum Oralsex gezwungen.

Gestern war bekannt geworden, dass die Ermittlungen gegen Weinstein in den USA auf Bundesebene ausgeweitet wurden. Die Ermittler wollen unter anderem herausfinden, ob der 66-Jährige etwa Frauen dazu brachte, über Staatsgrenzen hinweg zu reisen, um sie belästigen zu können. Laut "New York Times" wird auch untersucht, ob Weinstein gegen das Anti-Stalking-Gesetz verstoßen habe, etwa um Opfer einzuschüchtern.

Weinstein weist Vorwürfe zurück

Der einst einflussreiche Filmproduzent hat Fehlverhalten eingeräumt, bisher aber Vorwürfe von nicht-einvernehmlichem Sex zurückgewiesen. Die von ihm gegründete Filmfirma hatte Weinstein nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Oktober 2017 entlassen. Seine Frau hat sich inzwischen von ihm getrennt.

Anklage von Harvey Weinstein verlesen
Gorg Schwarte, ARD New York
25.05.2018 17:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Mai 2018 um 16:00 Uhr.

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