Hollywood-Produzent Harvey Weinstein | Bildquelle: dpa

Wegen sexueller Übergriffe Sechs Frauen verklagen US-Produzent Weinstein

Stand: 06.12.2017 20:55 Uhr

Die #metoo Bewegung weitet sich aus: Immer mehr Politiker und Prominente sind betroffen. Jetzt verklagen sechs Frauen den US-Filmproduzenten Weinstein wegen sexueller Übergriffe. Auch der Druck auf US-Senator Franken wächst.

Sechs Frauen haben nach den Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein Klage gegen ihn und seine früheren Firmen eingereicht. Sie geben an, dass das Vorgehen Weinsteins, um mutmaßliche sexuelle Übergriffe zu vertuschen, einem organisierten Verbrechen gleichkomme.

"Weinstein hat uns und viele andere Frauen immer wieder misshandelt und seinen Reichtum und seine Macht benutzt, um uns zu bedrohen, einzuschüchtern, nachzuspionieren, belästigen und zum Schweigen zu bringen", teilten die Frauen in New York mit.

In der Klage, die bei einem New Yorker Gericht eingereicht wurde, sprechen die Frauen unter anderem von Körperverletzung und Nötigung. Sie wurden nach eigenen Angaben unter dem Vorwand, dass sie über ein Projekt reden sollten, zu Veranstaltungen, Weinsteins Haus, offiziellen Treffen, Vorsprechen oder in Hotelzimmer gelockt.

Clinton-Team vor Weinstein gewarnt

Wie die "New York Times" zudem berichtet, warnte US-Schauspielerin Lena Dunham laut eigenen Angaben das Team von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton vor dem sexuellen Fehlverhalten von Weinstein. Dunham sagte, sie habe im März 2016 versucht, dem Wahlkampfteam Clintons von den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Weinstein und deren irgendwann bevorstehende Enthüllung zu berichten.

Die ersten Vorwürfe gegen Weinstein waren im Oktober nach einem Bericht der "New York Times" ans Licht gekommen. Weinstein, der von seiner Firma entlassen wurde, hatte teilweise Fehlverhalten zugegeben. Durch einen Sprecher ließ der Produzent aber erklären, keinen nicht-einvernehmlichen Sex gehabt zu haben.

Druck auf US-Senator Franken wächst

In der Folge waren Belästigungsvorwürfe auch gegen zahlreiche Schauspieler, Politiker, Journalisten und andere Männer bekannt geworden, nicht nur in den USA. Zu den beschuldigten Politikern gehört auch US-Senator Al Franken.

Er verlor jetzt die Unterstützung demokratischer Kolleginnen. Die Senatorinnen Kirsten Gillibrand, Patty Murray, Claire McCaskill, Mazie Hirono, Kamala Harris und Maggie Hassan riefen ihn dazu auf, zurückzutreten.

Franken hatte gerade einen neuen Vorwurf des sexuellen Fehlverhaltens energisch zurückgewiesen, über den die US-Zeitung "Politico" berichtet hatte. Darin behauptete eine ehemalige demokratische Kongressmitarbeiterin, dass Franken versucht habe, sie nach einer Aufzeichnung seiner Radioshow 2006 gegen ihren Willen zu küssen. Franken bezeichnete den Vorwurf in einer Stellungnahme als "kategorisch nicht wahr".

Statement von Franken erwartet

Nach #MeToo-Ehrung: Sechs Frauen klagen gegen Weinstein
Kai Clement, ARD New York
06.12.2017 20:50 Uhr

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Sein Büro teilte mit, dass er am Donnerstag eine Bekanntgabe machen werde. Ob er seinen Rücktritt bekanntgeben wird, ist zunächst unklar. "Ich glaube, es wäre besser für unser Land, wenn er eine klare Botschaft sendete, dass jede Art von Misshandlung von Frauen in unserer Gesellschaft nicht akzeptabel ist, indem er zur Seite tritt und jemand anderes dienen lässt", teilte Gillibrand mit.

Ron Wyden @RonWyden
I expect that Senator Franken will announce his resignation tomorrow. It is the right thing to do given this series of serious allegations.

Kurze Zeit später sagte auch Senator Ron Wyden, er gehe davon aus, dass Franken schon am Donnerstag zurücktrete. "Ich erwarte, dass Senator Franken morgen seinen Rücktritt bekannt gibt", schrieb Wyden auf Twitter. Angesichts einer "Reihe an ernsthaften Vorwürfen" sei das genau das, was Franken tun müsse. Franken ist bereits mit einer Untersuchung des Ethikausschusses des Senats konfrontiert.

Im Internet hatten weltweit insbesondere Frauen mit dem Hashtag #MeToo von sexuellen Übergriffen berichtet. Das US-Magazin "Time" erklärte die Frauen und Männer hinter der Bewegung zur "Person des Jahres 2017".

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