Auszählung in Kenia | Bildquelle: AFP

Wahllokale geschlossen Geduldsprobe in Kenia

Stand: 08.08.2017 19:02 Uhr

Bleibt Präsident Kenyatta im Amt oder siegt sein Herausforderer Odinga dieses Mal? Die Wahl in Kenia hat Millionen Menschen bewegt. Trotz Angst vor Ausschreitungen bildeten sich vor zahlreichen Wahllokalen lange Warteschlangen. Der Tag verlief ruhig.

Millionen Kenianer haben trotz befürchteter Unruhen bei den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen ihre Stimme abgegeben. Bis auf einige Ausnahmen wurden die Wahllokale am Abend offiziell geschlossen. Nur dort, wo noch immer Menschen in Warteschlangen anstanden, lief die Wahl zunächst weiter.

Geburt vor Wahllokal

Im Bezirk West Pokot brachte eine Frau vor einem Wahllokal ihr Kind zur Welt - und ging nach einer Kontrolluntersuchung im örtlichen Krankenhaus trotzdem noch zur Stimmabgabe. Ihr Baby - ein Mädchen - nannte die Frau laut dem Lokalsender Capital FM Chepkura. In der Suaheli-Sprache bedeutet das "Vor der Wahl".

Zu Verzögerungen kam es, weil wegen starken Regens einige Wahllokale später geöffnet hatten. Vereinzelt wurden auch technische Schwierigkeiten gemeldet.

19 Millionen Menschen waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Vor einigen Wahllokalen hatten sich bereits in der Nacht zahlreiche Frauen und Männer versammelt. An einem Wahlbüro setzte die Polizei Tränengas gegen aufgebrachte Wähler ein, die sich über die langen Wartezeiten beschwerten. Doch bis auf diesen Tumult und Konflikte in zwei anderen Wahllokalen wurden keine größeren Zwischenfälle bekannt.

Angst vor Unruhen nach Wahlen in Kenia
nachtmagazin 00:15 Uhr, 09.08.2017, Sabine Bohland, ARD Nairobi

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Herausforderer sprach schon im Vorfeld von Wahlfälschung

Beobachter rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Präsident Uhuru Kenyatta von der Partei Jubilee und Ex-Regierungschef Raila Odinga von der oppositionellen Allianz Nasa. Beide sind seit langem verfeindet. Odinga beschuldigte den Präsidenten schon vor der Abstimmung, das Wahlergebnis fälschen zu wollen. Der Gegenkandidat, der zum vierten Mal antritt, hatte schon bei vorherigen Wahlen den Sieg für sich reklamiert. Viele Wähler dürften ihre Entscheidung nach Volkszugehörigkeit getroffen haben. Kenyatta gilt als Kandidat der Kikuyu, der größten Volksgruppe Kenias. Odinga stützt sich vor allem auf die Luo, die noch nie das Staatsoberhaupt des Landes gestellt haben.

Raila Odinga und Uhuru Kenyatta | Bildquelle: REUTERS
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Stimmabgabe: Odinga (r) will das Amt von Kenyatta.

Präsident mahnte zur Ruhe

Kenyatta rief die Wähler in einer Fernsehansprache auf, ruhig zu bleiben: Sie sollten nach ihrer Stimmabgabe nach Hause gehen und auf das Ergebnis warten. Nach der Präsidentenwahl 2007 war es zu blutigen Unruhen gekommen, bei denen mehr als 1000 Menschen starben und Hunderttausende vertrieben wurden. 2013 blieb es dagegen relativ ruhig, obwohl Odinga von Wahlunregelmäßigkeiten gesprochen hatte. Damals hatte er mit einem Minimalrückstand gegen Kenyatta verloren.

Neben dem Präsidenten und dem Parlament wurden auch Gouverneure, Senatoren und Frauenvertreterinnen neu gewählt. Mehr als 150.000 Sicherheitskräfte sicherten die Abstimmungen ab. Tausende Beobachter sollten den Ablauf der Wahl kontrollieren. Die Wahlkommission muss binnen einer Woche ein Endergebnis veröffentlichen.

Bei der Präsidentenwahl muss ein Kandidat mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten und in mindestens 24 der 47 Bezirke wenigstens ein Viertel der Wähler hinter sich bringen. Ansonsten kommt es zur Stichwahl.

Präsidentenwahl in Kenia
tagesschau 20:00 Uhr, 08.08.2017, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. August 2017 um 19:00 Uhr.

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