Mauricio Macri | Bildquelle: AFP

Präsidentenwahl in Argentinien Konservativer Macri liegt vorn

Stand: 23.11.2015 02:29 Uhr

Nach zwölf Jahren sozialistischer Politik steht Argentinien vor einem Richtungswechsel: Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt zeichnet sich ein Sieg von Oppositionsführer Macri ab. Dieser will die Wirtschaft reformieren - und auf Abstand gehen zu Südamerikas Linksregierungen.

Oppositionsführer Mauricio Macri hat nach den bisherigen Ergebnissen die Präsidentenwahl in Argentinien gewonnen: Er liegt nach Auszählung von mehr als 60 Prozent der Stimmen mit 54 Prozent in Führung. Kandidat Daniel Scioli von der Regierungspartei erhielt nur einen Anteil von 46 Prozent. Er räumte seine Niederlage bereits ein und gratulierte Macri zum Sieg.

Die bisherige Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner, die das politische Erbe ihres Mannes Nestor Kirchner fortführte, durfte nach zwei Amtszeiten selbst nicht mehr antreten. Sie hatte sich für Scioli eingesetzt, der als Gouverneur der Provinz Buenos Aires großen Einfluss besitzt. Scioli hatte die erste Wahlrunde am 25. Oktober noch knapp gewonnen und im Wahlkampf versprochen, die Sozialprogramme Kirchners weiterführen zu wollen.

Kirchner betonte bei ihrer Stimmabgabe ihre eigenen Erfolge und die ihres verstorbenen Ehemannes in den vergangenen Jahren. "In Argentinien hat es nie eine Regierungszeit mit diesem Niveau an sozialer und wirtschaftlicher Stabilität gegeben", sagte sie in einem Wahllokal in Rio Gallego in der Provinz Santa Cruz.

Daniel Scioli | Bildquelle: REUTERS
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Ein Lächeln des Unterlegenen: Daniel Scioli gratulierte seinem Gegner bereits zum Sieg.

Nun auf Abstand zu Venezuela?

Schlüsselthemen im Wahlkampf waren die zunehmende Kriminalität, die steigenden Preise und die jüngsten wirtschaftlichen Turbulenzen des Landes mit rund 42 Millionen Einwohnern. Macri punktete offenbar mit dem Versprechen, die argentinische Wirtschaft umfassend zu reformieren und gleichzeitig an wichtigen Sozialleistungen festzuhalten. Selbstsicher sprach er bei der Stimmabgabe von einem "historischen Tag", der "unser Leben ändern wird". Der wirtschaftsliberale Bürgermeister der Hauptstadt Buenos Aires wurde von einem breiten Bündnis unterstützt, das von den Rechten bis zum Mitte-Links-Lager reicht.

Macri will nach eigenen Worten auch Abstand zur linksgerichteten Regierung Venezuelas suchen und deren Ausschluss aus dem regionalen Wirtschaftsblock Mercosur vorantreiben. Eine solche Politik könnte Auswirkungen auf den gesamten Kontinent haben, der von linksgerichteten Regierungen dominiert ist, die enge Beziehungen zu Venezuela pflegen.

Der Wahlsieger tritt jedoch ein schwieriges Erbe an. Argentinien, die drittwichtigste Volkswirtschaft Lateinamerikas, leidet unter einer hohen Inflationsrate, die 2014 bei fast 24 Prozent lag. Nach einer langen Wachstumsphase von jährlich acht Prozent ging es 2014 um 0,5 Prozent bergab.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. November 2015 um 17:00 Uhr.

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