Karte Südamerika mit Venezuela und der Hauptstadt Caracas

Venezuela 37 Tote bei Gefängnisaufstand

Stand: 17.08.2017 07:05 Uhr

Bei einem Aufstand in einem Gefängnis in Venezuela sind mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte der Gouverneur des Bundesstaates Amazonas mit. Spezialeinheiten hatten zuvor das Gefängnis gestürmt.

In Venezuela sind bei einer Meuterei in einem Gefängnis mindestens 37 Menschen gestorben. Das teilte der Gouverneur des Bundesstaates Amazonas, Liborio Guarulla, auf Twitter mit. Die Generalstaatsanwaltschaft Venezuelas teilte mit, es habe auch 14 Verletzte unter den Sicherheitskräften gegeben.

Schießerei mit Häftlingen

Spezialeinheiten hätten das kleine Gefängnis in Puerto Ayacucho rund 700 Kilometer südlich der Hauptstadt Caracas gestürmt. Laut Zeugenberichten soll es zu wilden Schießereien zwischen Sicherheitskräften und Gefangenen gekommen sein. Dort saßen 105 Häftlinge, die Region ist sehr abgelegen im tropischen Regenwaldgebiet.

Viele Haftanstalten des südamerikanischen Landes sind überfüllt und werden von Banden dominiert. Zuletzt kam es gehäuft zu Aufständen auch wegen der schlechten Versorgungslage - viele Häftlinge sind offenbar unterernährt.

In Venezuela herrscht seit Monaten eine schwere politische Krise. Dabei sind seit April mehr als 120 Menschen ums Leben gekommen. Viele Bürger sind unzufrieden, weil selbst Nahrungsmittel und Medikamente in dem ölreichen Land knapp sind, die Inflation dagegen extrem hoch.

Venezolanische Soldaten sperren den Zugang zum Gefängnis von Puerto Ayacucho ab. | Bildquelle: AFP
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Venezolanische Soldaten sperren den Zugang zum Gefängnis von Puerto Ayacucho ab.

Streitpunkt verfassunggebende Versammlung

Zudem ist die Opposition über die Einsetzung eines mächtigen Verfassungsrates empört. Sie ist den anderen Staatsgewalten übergeordnet und kann - statt des von der Opposition dominierten Parlaments - nun die Gesetze beschließen. Die Wahl der 545 fast ausschließlich linientreuen Mitglieder wurde von Betrugsvorwürfen überschattet und von der Opposition boykottiert.

Deutsche Regierung kritisiert Maduro

Auch international stößt das Vorgehen von Präsident Nicolas Maduro auf Kritik. Es müsse Schluss sein "mit willkürlichen Verhaftungen und exzessiver Gewalt gegen Regierungsgegner", hatte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, jüngst erklärt. Er sprach von einer faktischen Entmachtung des Parlaments und forderte Schutzgarantien für die abgesetzte Generalstaatsanwältin Luisa Ortega, die Staatspräsident Nicolás Maduro den Umbau zu einer Diktatur vorgeworfen hatte.

Venezuelas Außenminister Jorge Arreaza protestierte dagegen mit scharfen Worten. Am Mittwoch wurde dem herbeizitierten Deutschen Botschafter Stefan Andreas Herzberg eine Protestnote wegen Einmischung in innere Angelegenheiten überreicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. August 2017 um 4:58 Uhr.

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