Massenproteste Venezuela | Bildquelle: dpa

Massenproteste Venezuela geht das Geld aus

Stand: 18.12.2016 00:07 Uhr

Den Venezolanern geht das Geld aus. Seit gestern ist der 100-Bolívares-Schein ungültig. Die größte Banknote, die mittlerweile nur noch vier US-Cent wert ist, sollte durch größere Noten ersetzt werden. Doch offenbar verzögert sich die Lieferung der neuen Scheine, die im Ausland bestellt wurden.  Im ganzen Land gehen die Menschen auf die Straße, teilweise kam es zu gewaltsamen Protesten.

Von Anne Demmer, ARD-Studio Mexiko

Es herrscht Chaos auf den Straßen von Venezuela. In der Nacht brannten Autoreifen, Straßen wurden blockiert. Wütende Bürger protestierten vor den Banken, teilweise kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wie die Zeitung "El Universal" in ihrer Online-Ausgabe berichtete.  In der Bergarbeiterstadt Callao im Süden Venezuelas wurden nach Angaben eines oppositionellen Parlamentariers bei Geschäftsplünderungen drei Menschen getötet und viele weitere verletzt. Ein Mann macht auf der Straße seiner Wut Luft: "Ich bin Familienvater und habe hier ein Geschäft, ich bin noch nicht einmal in der Lage ein Brot zu kaufen."

Es reicht nicht mal für das Nötigste

Eine Frau beginnt zu weinen: "Was passiert mit diesem Land, was ist das für ein Präsident. Es ist Dezember und ich kann keine Geschenke kaufen.  Dieses Geld ist wertlos." Sie schwenkt ein Bündel 100-Bolívares-Scheine. Der Schein ist seit Freitag wertlos. Millionen Venezolaner stehen nun ohne genügend Bargeld da. Sie können noch nicht einmal das Nötigste kaufen. Etwa 40 Prozent der Menschen verfügen über kein Bankkonto. Viele können daher keine elektronischen Überweisungen vornehmen und sind auf Bargeld angewiesen. 

Präsident wittert Verschwörung

Das Weihnachtsgeld, das sie gestern erhalten sollten blieb aus, weil die neuen Banknoten noch nicht da sind. Präsident Nicolas Maduro hatte angeordnet den 100-Bolivar-Schein aus dem Verkehr zu ziehen: "Wir müssen uns gegen die internationale Mafia wehren. Und wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, um unser Land gegen diesen Angriff zu verteidigen", sagte er.

Angeblich schmuggelten ausländische Mafia-Banden die Geldscheine aus dem Land, vor allen Dingen nach Kolumbien, um der Währung zu schaden. Präsident Maduro sieht darin eine von den USA unterstützte Verschwörung zur Destabilisierung des Landes. Wegen des Ölpreisverfalls und Misswirtschaft steckt Venezuela in einer schweren Krise mit drastischer Inflation. Der Internationale Währungsfond rechnet 2017 mit mehr als 1000 Prozent.

Venezuela geht das Geld aus - Proteste im ganzen Land
Anne Demmer, ARD Mexiko-Stadt
18.12.2016 00:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2016 um 18:28 Uhr.

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