Kardinal Gerhard Ludwig Müller | Bildquelle: AP

Kardinal Müller muss gehen Papst tauscht seine Nummer zwei aus

Stand: 01.07.2017 14:39 Uhr

Fünf Jahre stand der deutsche Kardinal Müller der mächtigen Glaubenskongregation des Vatikan vor. Als deren Chef gilt man als Nummer zwei des Kirchenstaats. Nun muss er gehen. Eine offizielle Begründung wurde nicht genannt.

Von Sarah Zerback, ARD-Studio Rom

Rund zwölf Stunden gab es die Nachricht nur hinter vorgehaltener Hand, jetzt hat sie der Heilige Stuhl bestätigt: Papst Franziskus hat sich von Kardinal Gerhard Ludwig Müller getrennt - seiner Nummer zwei im Vatikan. Nach fünf Jahren an der Spitze der Glaubenskongregation, der ältesten und wichtigsten Behörde der römischen Kurie, endet die Amtszeit des 69-Jährigen regulär morgen. Dafür dankte ihm der Papst in einer offiziellen Mitteilung. Müller selbst war gestern vom Heiligen Vater persönlich informiert worden.

Papst Franziskus im Gespräch mit Kardinal Müller (April 2013) | Bildquelle: dpa
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Zum engsten Kreis des Papstes (li.) gehörte Müller nie - Foto aus dem April 2013.

Öffentlich begründet wurde die Entscheidung nicht. Die Beziehung zwischen den beiden mächtigsten Männern im Vatikan galt aber seit jeher als unterkühlt. Zum engeren Kreis gehörte Müller, der von Papst Benedikt XVI. ernannte worden war, nie. Von Positionen Franziskus´ hatte er sich wiederholt distanziert.

Müller gilt als konservativer Hardliner, der grundlegende Reformen der katholischen Kirche ablehnt, wie etwa die Öffnung der Sakramente für geschiedene Wiederverheiratete. Zugespitzt hatten sich die Differenzen, als der Papst vor einigen Monaten drei enge Mitarbeiter Müllers fristlos entließ.

Was ist die Glaubenskongregation?

Um die Kirche vor Irrlehren zu schützen, gründete Papst Paul III. 1542 die Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis. Die Kongregation für die Glaubenslehre, so seit 1965 der offizielle Name der wichtigsten Vatikan-Behörde, ist die Nachfolgerin der Heiligen Inquisition, die für die "Reinheit des Glaubens" auch mit Gewalt gegen Andersgläubige und Kirchenkritiker vorging.

Die älteste der neun Kongregationen der römischen Kurie soll die Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche fördern und schützen. Ihr fällt damit auch die Aufgabe zu, gegen religiöse Abweichungen innerhalb der Kirche vorzugehen sowie Sanktionen zu verhängen.

Quelle: dpa

Was wird aus Müller?

Müller ist bereits der zweite hochrangige Kirchenmann, auf den der Vatikan erst einmal verzichten muss. Am Donnerstag hatte sich der Finanzchef des Papstes, George Pell, beurlauben lassen. In seiner Heimat Australien wird ihm vorgeworfen, Kinder sexuell missbraucht zu haben.

Die Glaubenskongregation soll Verbrechen wie diese intern aufklären. Müller wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Bischof von Regensburg den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen nicht hinreichend mit aufgeklärt zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe.

Wie es für Müller nach seiner Ablösung weitergeht, ist unklar. Der gebürtige Mainzer und weltweit anerkannte Theologe war lange als Bischof seiner Heimatstadt gehandelt worden - als Nachfolger seines akademischen Lehrers Karl Lehmann. Erst im April hatte Papst Franziskus allerdings den Kölner Peter Kohlgraf für das Amt ernannt.

Vom Sekretär zum Präfekten

Den Nachfolger Müllers gab der Papst heute bekannt. Seine Wahl fällt auf  den spanischen Kurienerzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer. Dieser war in den vergangenen Jahren Müllers wichtigster Mitarbeiter. Dass damit ein Sekretär zum Präfekten aufsteigt, ist alles andere als selbstverständlich.

Der 73-jährige Ferrer gilt als konservativ und gehört wie Franziskus dem Jesuitenorden an.

Vatikan bestätigt: Auf Kardinal Müller folgt Ferrer als Chef der Glaubenskongregation
S. Zerback, ARD Rom
01.07.2017 13:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 01. Juli 2017 um 12:18 Uhr.

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