Familiensynode im Vatikan Geschiedene im Mittelpunkt

Stand: 04.10.2015 00:47 Uhr

Im Vatikan beraten von heute an die Bischöfe über das Thema Familie. Es ist ein Thema, das dem Papst am Herzen liegt und für heftige Kontroversen sorgt, vor allem bei der Frage, wie mit Geschiedenen umgegangen werden soll.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Für den Papst geht es um viel. Er hat die Familie als Zukunftsthema der Kirche und der Gesellschaft ausgemacht und veranstaltet innerhalb von einem Jahr bereits die zweite Bischofssynode zur Familie.

Am Abend vor der Eröffnung der Synode sagte Franziskus bei einer Gebetsandacht auf dem Petersplatz: "Jede Familie ist ein Licht, wie schwach auch immer, im Dunkel der Welt."

Papst Franziskus | Bildquelle: dpa
galerie

Für Papst Franziskus ist die Familie das Zukunftsthema der Kirche.

Die katholische Liturgie sieht ausgerechnet für diesen Sonntag den Text vor, an dem sich die Geister scheiden. "Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen", sagt Jesus im heutigen Evangelium und meint damit die Ehe. Dennoch gibt es Bischöfe, die meinen, dass sich die Kirche für Geschiedene öffnen muss, auch dann, wenn sie zum zweiten Mal heiraten.

Bisher sind wiederverheiratete Geschiedene vom Empfang der Kommunion kategorisch ausgeschlossen. "Hier müssen wir etwas tun", sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx: "Die Worte Jesu sind schon sehr stark. Insofern bleibt die Schwierigkeit: Was bedeutet es, wenn das Ja-Wort nicht durchgehalten werden kann? Ich meine, das kann eigentlich nur im Blick auf den einzelnen Fall angeschaut werden. Dann wird man auch vielleicht Lösungen finden für die Kommuniongemeinschaft."

Ein "Verrat" am Evangelium

Eine Mehrheit in der Synode dürfte das ähnlich sehen wie der Münchner Erzbischof. Doch eine lautstarke Minderheit wehrt sich vehement gegen jede Änderung der bisherigen Praxis.

Kardinal Robert Sarah, Wortführer der afrikanischen Bischöfe sagt, die Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion "verrate" das Evangelium und sei eine "Rebellion gegen Gott".  "Einige Bischöfe haben, anstatt das Thema Familie zu behandeln, die Schwierigkeiten der Familie in den Blick genommen und pastorale Lösungen vorgeschlagen, die uns von der Lehre abspalten", sagt Sarah.

"Mafia" im Vatikan

Bischöfe im Vatikan | Bildquelle: dpa
galerie

Unter den Bischöfen gibt es Debatten über den Umgang mit Geschiedenen, bis hin zu persönlichen Angriffen.

Das Thema Familie polarisiert. Der Ton unter den Bischöfen wird rauer. Ein belgischer Kardinal verdächtigt unter anderen Kardinal Walter Kasper, einer "Mafia" anzugehören, die die Kirche umkrempeln will. Kasper hat im Auftrag des Papstes einen Vorschlag ausgearbeitet, wie sich die Kirche für geschiedene Katholiken öffnen kann.

"Diese persönlichen Polemiken gefallen mir nicht. Das ist ein Ärgernis, wenn einige Kardinäle und Bischöfe sozusagen persönlich polemisieren. Ich habe mich entschieden, das überhaupt nicht zu tun und habe das dem Papst auch versprochen", erklärt Kasper.

"Paranoider Hass" gegen Homosexuelle

Der Geistliche Kryzstof Charamsa steht lächelnd und umringt von Kameras in Rom. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Charamsa wagte sein Comingout und wurde entlassen.

Einen Tag vor der Synode hat ein 43-jähriger Priester, der an der römischen Glaubenskongregation arbeitet, noch ein weiteres Thema auf die Tagesordnung der Synode gesetzt. Kryzstof Charamsa wollte mit seinem öffentlichen Comingout als Homosexueller die Synode auf die Probleme homosexueller Paare in der Kirche aufmerksam machen.

Charamsa beklagte ein Klima der Homophobie: "Ich möchte meiner Kirche sagen, dass wir nicht länger sexuelle Minderheiten hassen können. So hassen wir die Menschheit, zumindest einen Teil davon. Ich habe diesen paranoiden Hass meiner Mitbrüder an eigenem Leib erfahren."

Rom reagierte umgehend. Charamsa könne nicht mehr im Vatikan und an den päpstlichen Universitäten tätig sein, erklärte Papstsprecher Federico Lombardi nach dem Comingout des polnischen Geistlichen.

Familiensynode im Vatikan beginnt
Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
04.10.2015 01:05 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: