US-Präsident Trump unterstreicht eine Aussage nach einer Kabinettssitzung in Washington mit ausgestrecktem Zeigefinger. | Bildquelle: AP

Verwirrung um Trump-Aussagen Böses gutes Russland

Stand: 19.07.2018 08:24 Uhr

US-Präsident Trump verstrickt sich in weitere Widersprüche bezüglich Russland. Er machte Putin indirekt für mutmaßliche Hackerangriffe verantwortlich. Oder gibt es gar keine russische Cyberbedrohung mehr?

US-Präsident Donald Trump sorgt bezüglich seiner Haltung zu Russland und dessen Präsidenten Wladimir Putin weiter für Verwirrung. In einem Interview mit dem Fernsehsender CBS versuchte er erneut, der heftigen Kritik der vergangenen Tage entgegenzuwirken.

Trump will Putin gewarnt haben

Thema im Interview waren nochmals die mutmaßlichen Hackerangriffe, mit denen Russland versucht haben soll, die US-Wahl 2016 zu manipulieren. Trump betonte, er habe Putin beim gemeinsamen Treffen in Helsinki Anfang der Woche gewarnt, Russland dürfe sich nicht noch einmal in eine US-Wahl einmischen. Das wäre "inakzeptabel" und die USA würden das keinesfalls tolerieren.

Im Interview ging der amerikanische Präsident sogar noch einen Schritt weiter: Auf die Frage, ob er Putin für die mutmaßlichen Hackerangriffe verantwortlich machen würde, antwortete Trump: "Das würde ich, weil er für das Land verantwortlich ist. Genauso wie ich mich selbst für Dinge verantwortlich sehe, die in diesem Land passieren."

Bei der Pressekonferenz direkt nach dem Treffen mit Putin hatte das noch ganz anders geklungen: Trump hatte versichert, er sehe nicht, warum sich Russland in den US-Wahlkampf hätte einmischen sollen. Für seine Aussagen erntet Trump nach wie vor scharfe Kritik - auch aus den eigenen Reihen der Republikaner. Denn mit seinem Statement hatte sich Trump klar gegen die Geheimdienste des eigenen Landes gestellt, die von einer Manipulation durch russische Hacker überzeugt sind.

Ist da eine Bedrohung oder nicht?

Daraufhin versuchte Trump zwar zurückzurudern, stellte sich hinter die Geheimdienste und führte seine Aussage in Helsinki auf einen Versprecher zurück. Doch bereits am Mittwoch schwenkte Trump in seiner Haltung erneut um: Nach einer Kabinettssitzung fragte ein Journalist, ob aus Russland weitere Cyberattacken drohen würden. "Nein", antwortete Trump. Und das, obwohl der Geheimdienstkoordinator Dan Coats in der vergangenen Woche betont hatte, Russland sei der aggressivste ausländische Faktor, wenn es um die Bedrohung durch Cyberangriffe gehe.

Auch diesmal folgte kurz darauf das Dementi aus dem Weißen Haus. Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders versicherte, auch der Präsident sei überzeugt, dass Russland die USA erneut durch Cyberangriffe ins Visier nehmen würde. Mit seinem "Nein" nach der Kabinettssitzung habe Trump lediglich klar machen wollen, dass er keine weiteren Fragen der Presse beantworten wolle.

Demokraten wollen Übersetzerin befragen

Demokratische US-Abgeordnete forderten unterdessen eine Aussage der Übersetzerin Trumps vor dem Kongress zum Vier-Augen-Gespräch des US-Präsidenten mit Putin in Helsinki. Die Übersetzerin und ihre Aufzeichnungen könnten wichtige Informationen über den Inhalt des Gesprächs der beiden Staatschefs liefern, argumentierten sie. Trump und Putin hatten sich bei ihrem Gipfel in Helsinki zwei Stunden lang hinter verschlossenen Türen unterhalten, anwesend waren dabei nur noch die Übersetzer der beiden Staatschefs.

US-Außenministerium lehnt Befragungsangebot ab

Noch offen ließ das Weiße Haus bislang seine Haltung zu dem Angebot Putins, die USA könnten in Russland mehrere Verdächtige befragen, die an der sogenannten Russland-Affäre um die mutmaßliche Wahlkampfmanipulation beteiligt gewesen sein sollen. Der Vorschlag werde geprüft.

Heather Nauert, die Sprecherin des US-Außenministeriums (Archivbild). | Bildquelle: AFP
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Heather Nauert, die Sprecherin des US-Außenministeriums lehnte das Angebot des Kreml ab.

Das US-Außenministerium blockte die Offerte aus dem Kreml, die Trump selbst am Montag noch als "großartig" gelobt hatte, vehement ab. Denn im Gegenzug zu der Befragung der russischen Verdächtigen hatte Putin gefordert, dass Moskau elf Amerikaner vernehmen dürfe, denen Russland Betrug und Korruption vorwirft. Zu den Beschuldigten zählt unter anderen der ehemalige US-Botschafter in Russland, Michael McFaul.

Doch Heather Nauert, Sprecherin der US-Behörde erklärte, das US-Außenamt halte diese Anschuldigungen für absurd. Sie forderte Russland jedoch auf, weiter mit den USA zusammenzuarbeiten, "um jene in Russland zur Rechenschaft zu ziehen, die tatsächlich ein betrügerisches Muster verfolgten".

Trump windet sich weiter und der Senat sucht nach Lösungen
Katrin Brand, ARD Berlin zzt. Washington
19.07.2018 07:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juli 2018 um 04:55 Uhr.

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