Jeb Bush | Bildquelle: dpa

Vorwahlen in den USA Die Angst vor dem "Carolina Crunch"

Stand: 20.02.2016 11:39 Uhr

US-Vorwahlen, Teil drei: In South Carolina versuchen heute alle verbliebenen Kandidaten der Republikaner, gegen den führenden Milliardär Trump zu punkten. Für einige ist es vielleicht die letzte Chance - besonders für Jeb Bush.

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Der Ton ist rau vor der nächsten Runde der Vorwahlen. Statt dem erwarteten Duell zwischen Jeb Bush und Hillary Clinton liegen politische Außenseiter vorn. Bei den Republikanern wird heute ein Sieg Donald Trumps in South Carolina erwartet. Der Immobilienmilliardär bleibt bei seinen Auftritten politisch unkorrekt. Er hetzt gegen Präsident Barack Obama, Lateinamerikaner, Afroamerikaner, Frauen, den Papst und seine Mitbewerber. "Hätte die republikanische Partei etwas Mumm, hätte sie die Kandidatur von Ted Cruz beendet. Ganz ehrlich. Der betrügt wie ein Hund", so Trump.

Cruz will gegen Trump punkten

Donald Trump | Bildquelle: AP
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Donald Trump gilt in South Carolina erneut als Favorit.

Der Senator aus Texas könnte Trump bei den Vorwahlen gefährlich nahe kommen. Trump führt nach einer Umfrage des Senders NBC und des "Wall Street Journals" mit 28 Prozent der Stimmen. Cruz liegt nur wenige Prozentpunkte dahinter. Und viele Wähler entscheiden sich erst am Tag der Abstimmung. Hinter Marco Rubio aus Florida rangieren Bush und John Kasich, die Kandidaten des Partei- Establishments, abgeschlagen am Ende des Bewerberfeldes.

Bush wurde in den vergangenen Tagen tatkräftig von seiner Mutter und seinem Bruder unterstützt. George W. Bush scherzte in Richtung Trump: Marken sind etwas für Suppendosen. Präsident sein sei etwas komplizierter als Überschriften zu grölen, so der Ex-Präsident. Trump hatte ihn wegen seiner Politik nach den Anschlägen vom September 2001 kritisiert und formuliert: "Was wir als allerletztes brauchen ist noch einen Bush im Weißen Haus." Die Antwort Jeb Bushs: "Ja, Herr Trump, mein Bruder gab uns nach dem 11. September Sicherheit. Sie liegen grottenfalsch."

Bush könnte bei einem Misserfolg das Geld ausgehen

Jeb Bush | Bildquelle: AFP
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Jeb Bush braucht dringend einen Erfolg.

Alle Unterstützung scheint dem ehemaligen Gouverneur von Florida nicht zu helfen. Und obwohl South Carolina nur 50 von insgesamt 2500 Delegierten zum Nominierungsparteitag der Republikaner im Juli entsendet, nennen die Amerikaner die Vorwahl "Carolina Crunch". Für Bush könnte South Carolina ein Endspiel werden. Wenn er nach Iowa und New Hampshire auch in dem Südstaat keinen Erfolg hat, könnten ihm bald Geld und Freunde ausgehen.

Clinton erhält Unterstützung

Parallel zu den Vorwahlen der Republikaner in South Carolina stimmen die Demokraten in Nevada ab. Galt eine Mehrheit für Hillary Clinton noch vor Wochen als sichere Sache, liegt die ehemalige US-Außenministerin in Umfragen mittlerweile fast gleichauf mit Senator Bernie Sanders. Clinton erhält Unterstützung von vielen Afroamerikanern. Schauspieler Morgan Freeman lieh nicht nur einem Clinton-Werbespot seine Stimme. Clinton, so Freeman, "war seit dem Moment seine Wahl, als sie sich für die Kandidatur entschied".

Hillary Clinton | Bildquelle: REUTERS
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Hillary Clinton liegt in Nevada mit ihrem Konkurrenten Bernie Sanders fast gleichauf

Der 74-jährige Sanders, der als demokratischer Sozialist bezeichnet wird, rief die Wähler in Nevada auf, der Welt zu zeigen, dass die Demokratie lebendig und wohlauf sei. Gerechte Verteilung von Reichtum, Krankenversicherung für alle, gebührenfreie Universitäten. Sanders zieht vor allem junge Wähler an, die ihn begeistert unterstützen.

Clinton kritisiert den unabhängigen Politiker aus Vermont: "Vielleicht war er ja gar kein Demokrat, bis er sich dafür entschied, Präsident werden zu wollen", sagte sie. Für solche Sticheleien gibt es Beifall und Buhrufe. Für junge Leute gehört die Frau von Bill Clinton zu einem Establishment, das sich nicht für ihre Belange einsetzt. Auch bei den Demokraten in Nevada geht es nur um 35 von etwa 5000 Delegiertenstimmen, die im Sommer einen Kandidaten oder eine Kandidatin wählen. Aber es geht ums Prestige. Clinton, die die Nominierung 2008 gegen den unerfahrenen Senator Barack Obama verlor, will so etwas nicht noch einmal erleben. Sie braucht einen eindeutigen Erfolg.

Nächste Runde der Vorwahlen in den USA
A. Horchler, HR Washington
20.02.2016 10:57 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 20. Februar 2016 um 12:12 Uhr bei NDR Inforadio.

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