Ein verwundeter ukrainischer Soldat bei Awdiiwka | Bildquelle: dpa

Einwohner ohne Versorgung Schwere Gefechte bei Donezk dauern an

Stand: 01.02.2017 03:43 Uhr

Seit Sonntag liefern sich die ukrainische Armee und von Russland unterstützte Kämpfer Gefechte in der Ostukraine. Mindestens 13 Menschen wurden getötet. Die Einwohner der Industriestadt Awdiiwka sind bei eisigen Temperaturen ohne Strom und Gas.

Unter dem Einsatz von Raketenwerfern und Artillerie liefern sich die ukrainische Armee und von Russland unterstützte Kämpfer heftige Gefechte um Awdiiwka. Die Industriestadt sechs Kilometer nördlich von Donezk wird von der ukrainischen Armee gehalten. Die schweren Kämpfe dauern bereits seit Sonntag an. Mindestens 13 Menschen wurden seitdem getötet und zahlreiche verletzt.

Bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad brach die Strom- und Gasversorgung für die bis zu 20.000 Einwohner Awdiiwkas zusammen. "Derzeit gibt es keinen Strom mehr, wir haben keine Lösung für das Heizen gefunden, die Gasleitungen sind zerstört", sagte die ukrainische Armeesprecherin Olena Mokrintschuk. Auch gibt es kein fließendes Wasser. Die Regierung teilte mit, man arbeite an einem Evakuierungsplan für die Einwohner von Awdiiwka.

Durch Schäden an einer Elektroleitung wurden auch mehr als 200 Kumpel kurzzeitig in einer Kohlemine eingeschlossen. Erst nach mehreren Stunden konnten die Fahrstühle mit Notstromgeneratoren wieder in Gang gebracht und die Arbeiter nach oben geholt werden.

Forderung nach Einstellung der Gefechte

Es sind die heftigsten Kämpfe seit Wochen. Vor Weihnachten hatten die Konfliktparteien den Waffenstillstand nochmals bekräftigt. Seitdem war aber die Zahl der Waffenstillstandsbrüche an mehreren Orten wieder gestiegen, so bei der Hafenstadt Mariupol, im Westen von Luhansk und Horliwka.

Die schweren Gefechte um Awdiiwka brachen am Sonntag aus, kurz nach dem Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sie sprachen auch über die Ukraine. Details dazu wurden nicht bekannt.

Das US-Außenministerium zeigte sich "tief besorgt" über die Lage und forderte einen sofortigen Waffenstillstand, um eine größere humanitäre Krise zu verhindern. Die EU nannte die Kämpfe einen "eklatanten Verstoß" gegen die am 23. Dezember vereinbarte Waffenruhe. Sie forderte ebenfalls, die Gefechte sofort einzustellen und die Infrastruktur zu reparieren.

Das Industriegebiet von Awdiiwka | Bildquelle: dpa
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Die Kämpfe konzentrieren sich auf das Industriegebiet von Awdiiwka.

Erneut gegenseitige Vorwürfe

Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, sagte, es gebe verlässliche Informationen, wonach ukrainische Freiwilligenbataillone im Dienste der Zentralregierung Montagnacht die Frontlinie überquert hätten, um Territorium zu erobern.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko warf den prorussischen Einheiten am Montag bei einem Besuch in Berlin "barbarische Kriegsführungsmethoden" vor. In den Gebieten der Separatisten würden Waffen in Wohngebieten installiert, damit die ukrainischen Truppen "keine Möglichkeit haben zurückzuschießen", sagte Poroschenko bei einem Treffen mit Bundeskanzerlin Angela Merkel im Kanzleramt.

Die Eskalation zeige, dass die Sanktionen gegen Russland in Kraft bleiben müssten. Auf diese Weise könne der "Aggressor" zur Rechenschaft gezogen werden, sagte Poroschenko weiter.

Die Ukraine ist besorgt, dass die neue US-Regierung unter Donald Trump einige der Sanktionen lockern könnte, die gegen Russland wegen Moskaus Rolle in der Ostukraine verhängt worden waren. Auch die EU zeigte sich alarmiert über die jüngsten Kämpfe.

Alle Konfliktparteien könnten Interesse an Eskalation haben

Von einer Eskalation könnten beide Seiten profitieren, meinte Analyst Wadim Karasjow. "Kiew will die Unterstützung der Trump-Regierung" und müsse deshalb zeigen, dass die Separatisten und der Kreml die Vereinbarungen des Friedensabkommens von Minsk kippten. Der Kreml indes wolle demonstrieren, dass er die Fäden für Frieden oder Krieg in seiner Hand halte. Nach dem Motto: "Wenn die neue US-Regierung Frieden in der Ukraine will, muss sie dafür etwas als Gegenleistung anbieten".

(Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieser Meldung hieß es irrtümlicherweise, dass Awdiiwka von pro-russischen Separatisten gehalten würde. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.)

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Januar 2017 um 21:00 Uhr.

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