Periskop des gefundenen U-Boots | Bildquelle: dpa

Deutsches U-Boot-Wrack entdeckt "Ein sehr außergewöhnlicher Fund"

Stand: 19.09.2017 19:38 Uhr

Torpedorohr, Kommandobrücke, Ballasttanks - alles mit Algen und Muscheln überwachsen, aber noch intakt: Taucher haben vor der belgischen Küste das Wrack eines deutschen U-Boots aus dem Ersten Weltkrieg entdeckt. Im Inneren werden 23 Leichen vermutet.

Von Pascal Lechler, ARD-Studio Brüssel

Die belgischen Fernsehzuschauer trauten ihren Augen und Ohren nicht, als der Nachrichtensprecher des Senders VRT die Meldung verkündete: In belgischen Gewässern wurde ein deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg gefunden.

Auf den Fernsehbildern kann man allerdings nur erahnen, dass es sich bei dem Fund um ein U-Boot handelt. Im trüben, grün-grauen Nordseewasser sieht man ein Torpedorohr. Alles ist von Algen und Muscheln überwachsen, Krebse krabbeln auf dem Stahl. Kein Taucher hatte das Gebilde auf dem Meeresgrund zuvor entdeckt.

Marine-Experte Tomas Termote hat das Boot nun gefunden. "Es ist noch intakt bis auf einen Minentreffer am Bug", sagt er. "Kommandobrücke, Sehrohr und die Ballasttanks - sie sind alle noch da. Ein sehr außergewöhnlicher Fund für Belgien."

Leichen von 23 Besatzungsmitgliedern an Bord?

Das U-Boot liegt in 30 Metern Tiefe vor Ostende auf dem Nordseegrund. Wo genau, wollen die Belgier nicht verraten. Zu groß ist die Gefahr, dass Abenteurer es auf eigene Faust erkunden wollen. "Um welches Boot es sich handelt, wissen wir noch nicht", sagt Termote. Drei Möglichkeiten gebe es. Und: "Die geschlossenen Luken lassen den Schluss zu, dass die Leichen der 23 Besatzungsmitglieder noch an Bord sind."

Das historische Foto zeigt deutsche U-Boote vom Typ UB II aus dem Ersten Weltkrieg. | Bildquelle: dpa
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Das Foto zeigt deutsche U-Boote vom Typ UB II aus dem Ersten Weltkrieg. Das gefundene U-Boot ist vermutlich vom selben Typ.

Bislang ist es den Belgiern nicht gelungen, die Seriennummer an der Schiffsschraube zu entziffern und es damit genau zuzuordnen. Klar ist nur, dass es zur U-Boot-Klasse UB II der Kaiserlichen Marine gehört. Die 27 Meter langen Boote wurden vor allem in den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges eingesetzt. "Wenn wir genau wissen, welches U-Boot es ist, dann wissen wir exakt, wer noch an Bord ist", sagt der Gouverneur der Provinz Westflandern, Carl Decaluwé. "Dann können wir über die deutschen Behörden etwaige Angehörige informieren."

Die Häfen von Ostende und Zeebrugge wurden im Ersten Weltkrieg von der Kaiserlichen Marine als U-Boot-Häfen genutzt. Die Belgier überlegen nun, ob sie das U-Boot überhaupt bergen werden. Wahrscheinlicher ist es, dass es als Seemannsgrab da bleibt, wo es die letzten hundert Jahre schon war - auf dem Grund der Nordsee.

Belgier finden deutsches U-Boot aus dem Ersten Weltkrieg
P. Lechler, SWR
19.09.2017 17:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. September 2017 um 12:24 Uhr.

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