Türkische Panzer | Bildquelle: AP

Militärische Gedankenspiele über Syrien Türkei denkt über Bodentruppen nach

Stand: 13.02.2016 12:59 Uhr

Mit Bodentruppen gegen den IS: Über diese Möglichkeit denkt die Türkei nach - und lässt es die Öffentlichkeit wissen. Außenminister Cavusoglu machte die Überlegungen publik. Dabei haben weder die USA noch Russland Interesse an einem solchen Einsatz.

Die Türkei ist unter bestimmten Voraussetzungen zur Entsendung von Bodentruppen nach Syrien bereit. "Wenn es eine Strategie (gegen den "Islamischen Staat") gibt, könnten die Türkei und Saudi-Arabien einen Einsatz am Boden starten", sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz den türkischen Zeitungen "Yeni Safak" und "Haber".

Zuvor hatte Saudi-Arabien die Bereitschaft bekundet, im Rahmen der US-geführten Koalition Bodentruppen für den Kampf gegen den IS nach Syrien zu entsenden. Saudi-Arabien ist seit Ende 2014 Teil der Koalition gegen den IS, hat sich allerdings nicht maßgeblich an den Luftangriffen gegen die Extremisten beteiligt. Riad steht in dem Bürgerkrieg hinter moderateren Gegnern von Machthaber Bashar al-Assad.

USA und Russland gegen Bodentruppen

Derzeit deutet wenig auf eine bevorstehenden Einsatz internationaler Bodentruppen hin. Die USA haben einen solchen Schritt bislang ausgeschlossen. Auch Russland lehnt eine internationale Intervention ab. Ministerpräsident Dmitri Medwedew bekräftigte dies in München. Zudem sind die Interessen der Akteure zu unterschiedlich. Die Türkei und Saudi-Arabien streben eine Ablösung Assads an, den Russland stützt. Saudische Truppen könnten zudem den Iran auf den Plan rufen, der mit Saudi-Arabien um die Vorherrschaft in der Region ringt und Assad ebenfalls militärisch unterstützt.

Möglicherweise spielen für die Türkei auch zunehmende Bestrebungen der irakischen Kurden eine Rolle: Sie wollen sich von der Zentralregierung in Bagdad lossagen und ein Referendum über die Unabhängigkeit eines möglichen kurdischen Staates abhalten. Ein solches Referendum könnte auch auf die Kurden in Syrien und der Türkei ausstrahlen. Die türkische Regierung geht seit dem vergangenen Sommer wieder militärisch gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK im Südosten des Landes vor.

Saudische Kampfflugzeuge in die Türkei

Cavusoglu kündigte in dem Interview an, dass Saudi-Arabien Kampfflugzeuge für den Einsatz gegen den IS zum türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik entsenden werde. Saudi-arabische Regierungsvertreter hätten den Stützpunkt bereits inspiziert. Wie viele Flugzeuge Riad dort stationieren werde, sei aber noch unklar. Wie ARD-Korrespondent Thomas Bormann berichtet, könnten saudi-arabische Bodentruppen im Falle eines gemeinsamen Anti-IS-Einsatzes ebenfalls in der Türkei stationiert werden und von dort aus nach Syrien einmarschieren.

Im südtürkischen Incirlik sind auch Bundeswehrsoldaten im Rahmen des Anti-IS-Einsatzes stationiert. Sie absolvieren dort mit bis zu sechs Tornado-Jets Aufklärungsflüge über Syrien und dem Irak. Ein Airbus hilft zudem bei der Betankung von Kampfjets der Koalition in der Luft, eine Fregatte gibt einem französischen Flugzeugträger Geleitschutz. An Luftangriffen beteiligt sich die Bundeswehr nicht.

Türkei erwägt Einsatz von Bodentruppen in Syrien
T. Bormann, ARD Istanbul
13.02.2016 13:53 Uhr

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