Deutsche und türkische Flaggen

Angriffe auf Deutschland Türkei legt nach

Stand: 10.03.2017 16:29 Uhr

Die rigorosen Vorwürfe gegen Deutschland kommen von immer mehr Mitgliedern der türkischen Regierung. Nun legt der Vize-Ministerpräsident mit "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" nach. Erdogans Nazi-Vergleich spiegelt sich derweil in türkischen Medien wider.

In ihrer scharfen Kritik an Deutschland hat die türkische Regierung noch einmal eins draufgesetzt: Der türkische Vize-Ministerpräsident Nurettin Canikli warf der Bundesrepublik "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor. Denselben Vorwurf richtete er an Österreich und die Niederlande.

Canikli begründete seine Worte damit, dass alle drei Länder Terroristen unterstützten, die in der Türkei Unschuldige ermordeten - durch Geld, durch Waffen und durch "moralische Unterstützung". Zudem sollen die beschuldigten Staaten den Terroristen bei einer Flucht aus der Türkei Schutz bieten.

Jeder im Westen ist mal Buhmann

Neu sind die Vorwürfe des Vize-Ministers nicht, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte dem Westen bereits mehrfach zur Last gelegt, Hilfe für Terroristen zu leisten. Der Westen, das waren mal die USA, dann war es die EU, dann ganz speziell Deutschland - etwa als das Bundesverfassungsgericht im vergangenen August untersagte, dass Erdogan auf einer Demonstration in Berlin per Videoschalte eine Rede hält.

Es blieb nicht die einzige Kritik, bei der sich Canikli im Fahrwasser des türkischen Präsidenten hielt: So wiederholte er die Aussage, dass in Deutschland wieder "Praktiken der Nazis und des Nationalsozialismus" auftauchen, das sei "äußerst beunruhigend". Erdogan hatte gegen deutsche Behörden dieselbe Anschuldigung erhoben, nachdem Wahlkampfauftritte türkischer Minister in deutsche Städten abgesagt worden waren - allerdings laut städtischen Behörden aus organisatorischen Gründen oder Sicherheitsrisiken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte diese Anspielung auf die Nazi-Zeit als "deplazierte Äußerungen" abgeblockt, die man "ernsthaft eigentlich gar nicht kommentieren" könne. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel zeigte sich deutlich entrüsteter und sprach von "Grenzen, die man nicht überschreiten darf".

Zeitungen zeigen Nazi-Merkel

Doch auch die türkischen Medien ignorieren diese Grenzen zunehmend. Die regierungsnahe türkische Zeitung "Günes" veröffentlichte eine Fotomontage, die Merkel mit einem schwarzen Hitlerbärtchen und dem Gruß der Nationalsozialisten zeigt. Getitelt wurde die Darstellung sinngemäß mit der Zeile: "Dann verhalte Dich halt nicht wie ein Nazi." Die Zeitung "Aksam" bezeichnete die Bundeskanzlerin als "Kandils große Schwester" - eine weitere Anspielung auf die vermeintliche Unterstützung von Terroristen. Im nordirakischen Kandil hat die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK ihr Hauptquartier.

Die türkische regierungsnahe Zeitung "Günes" zeigt Merkel mit Hitlerbärtchen. | Bildquelle: dpa
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Die türkische regierungsnahe Zeitung "Günes" zeigt Merkel mit Hitlerbärtchen.

Kein Anspruch auf Auftritte

Die Bundesregierung bleibt derweil auf ihrem gemäßigten Kurs gegenüber Ankara. Trotz einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, demzufolge türkische Regierungsmitglieder keinen Anspruch auf Auftritte in Deutschland haben, wenn sie diese in amtlicher Funktion abhalten, sieht die Regierung weiter von Einreiseverboten ab und beruft sich auf die geltende Meinungsfreiheit.

Über dieses Thema berichteten u.a. die tagesthemen am 09. März 2017 um 22:15 Uhr.

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