Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

Glaubwürdigkeitsproblem Trump macht eigene Nachrichtenshow

Stand: 08.08.2017 17:32 Uhr

US-Präsident Trump hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Nach einer Umfrage vertraut ihm nur noch nur noch jeder vierte Amerikaner. Trump gibt den Medien die Schuld daran - und lässt jetzt seine eigene Nachrichtenshow im Internet verbreiten.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

In seinen Twitter-Botschaften beklagt US-Präsident Donald Trump regelmäßig, dass die liberalen Mainstream-Medien fast nur negativ über ihn berichten. Wie Trump sich die Nachrichten wünscht, kann man ab sofort im Internet anschauen. Einmal pro Woche präsentiert Kyleigh McEnany die "Real News" - die "echten Nachrichten".

Aus dem Trump Tower in die Welt

Die 29-jährige Harvard-Juristin ist seit kurzem Sprecherin der Republikanischen Partei. Bisher trat sie als konservative Expertin und Trump-Unterstützerin in mehreren Fernsehkanälen auf.

Eine ihrer neuen Aufgaben ist nun eine kurze Wochenschau positiver Nachrichten, die sie direkt aus dem Trump Tower in New York für das weltweite Netz präsentiert - akustisch unterlegt mit dynamischen Geigen, im Bild hinter ihr in dicken Buchstaben der Name ihres Chefs "DonaldJTrump.com".

Ein Arbeitssuchender wird in einem Jobcenter in New York beraten (Archiv).
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Mit guten Nachrichten über die Arbeitsvermittlung will Trump in den USA punkten.

Aufmacher sind die - so wörtlich - "großartigen Nachrichten vom Arbeitsmarkt". 209.000 neue Jobs wurden im Juli geschaffen, "besser als erwartet", freut sich die Sprecherin, obwohl auch in Obamas letztem Amtsjahr jeden Monat im Schnitt etwa 200.000 neue Arbeitsplätze entstanden sind.

Damals hatte Trump die Zahlen als geschönt kritisiert. Jetzt lobt die Sprecherin der "Real News": "Seit seinem Amtsantritt hat Präsident Trump mehr als eine Million neuer Jobs geschaffen. Präsident Trump hat die Wirtschaft eindeutig in die richtige Richtung gesteuert."

Orden für Kriegshelden

Trump sorge auch für steigende Löhne, ergänzt die Nachrichtensprecherin. Er begrenze zudem die Einwanderung und gebe damit den Interessen amerikanischer Arbeiter höchste Priorität. Dann zeigt McEnany den Präsidenten, wie er Orden an amerikanische Kriegshelden verteilt und sich für verletzte Veteranen einsetzt. Schon nach eineinhalb Minuten sind die "Real News" zu Ende.

Donald Trump salutiert | Bildquelle: AP
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Trump salutiert einem Soldaten, der vor der Treppe zu seinem Hubschrauber steht.

Vergleich mit Nordkorea

Trumps "echte Nachrichten" sind schon jetzt ein gefundenes Fressen für die Comedy-Sendungen im amerikanischen Fernsehen.

Doch es gibt auch ernste Reaktionen. Der frühere US-Botschafter in Russland Michael McFaul meinte, ihn erinnere das an staatliche Nachrichtensendungen in Ländern, in denen er früher tätig war. Manche zogen sogar Vergleiche mit Nordkoreas Nachrichtensprecherinnen - wenngleich diese deutlich mehr Pathos in der Stimme hätten als Kyleigh McEnany.

"Das sind keine Nachrichten"

Es gibt aber auch Stimmen, die Trumps "Real News" verteidigen. Schließlich habe auch Barack Obama das Internet und die sozialen Medien genutzt, um seine Botschaften ungefiltert zu verbreiten. Doch anders als Trump, der seit seinem Amtsantritt nur eine Pressekonferenz zuließ, stellte sich Obama im gleichen Zeitraum acht Mal den kritischen Fragen der Journalisten.

Jake Tapper, Moderator von CNN, jenem Sender also, den Donald Trump nur noch als "Fake News Network" bezeichnet, zog folgendes Fazit über die "Real News": "Das ist nicht echt. Das sind keine Nachrichten. Und auf gar keinen Fall sind es echte Nachrichten."

"Real News": US-Präsident Trump startet eigene Video-Nachrichten
Martin Ganslmeier, ARD Washington
08.08.2017 17:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. August 2017 um 19:20 Uhr.

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