Ein Stapel mit verschiedenen Tageszeitungen liegt auf einem Tisch

Presseschau zu Charlottesville "Amerikas neuer Albtraum beginnt"

Stand: 14.08.2017 08:54 Uhr

Fast alle finden zu Charlottesville deutliche Worte - nur Trump weigert sich, die rechte Gewalt beim Namen zu nennen. Die Presse befürchtet: In den USA beginnt ein Albtraum, ein Terror der Aufgehetzten gegen Minderheiten. Und der Präsident selbst trägt dazu bei.

"In Charlottesville hat es nicht nur eine Schlägerei zwischen Linken und Rechten gegeben", stellt der "Wiesbadener Kurier" fest. "Dort ging es um mehr. Bewaffnete Anhänger der nostalgisch verklärten Südstaaten-Idee hatten sich zusammengerottet, um gegen die Demontage eines Denkmals des Konföderierten-Generals Robert Lee zu demonstrieren. Sklaverei und Rassismus zeichneten das Regime aus, das in einem Bürgerkrieg gegen den Norden vor mehr als 150 Jahren unterlag. Donald Trump hat sich nicht dagegen gewehrt, wenn sich die Verehrer dieser Menschenverächter im Wahlkampf für ihn einsetzten."

Die Zeitung "Die Welt" urteilt: "Charlottesville war ein Fall von Neonazi-Terrorismus. Das auszusprechen fällt der Regierung Trump schwer. Der Justizminister dient einem Präsidenten, dessen Berater rechtsextremen Gruppen manchmal viel zu nahe stehen. Hoffentlich ändert der Anschlag etwas daran."

"Jetzt kommen sie in Massen"

Die "tageszeitung" erläutert: "Militärisch trainierte Milizen, offen rassistische Gruppen und Neonazis sind kein neues Phänomen in den USA. Sie operieren seit Jahrzehnten, haben Netzwerke quer durch das Land aufgebaut und konnten - dank der geschützten Meinungsfreiheit - Neonazis aus dem Rest der Welt anlocken. Doch bislang traten sie vor allem in den sozialen Netzen, auf Konferenzen und auf nächtlichen Versammlungen auf. Jetzt kommen sie in Massen, nicht vermummt und bei Tag auf die Straße. In Charlottesville hatten sie ihren größten Auftritt seit Jahrzehnten."

Die "Leipziger Volkszeitung" meint: "Ein US-Präsident müsste jetzt eigentlich aufklären, die Dinge bloß legen. Trump aber verkleistert alles und spricht wolkig von Fehlverhalten 'auf vielen Seiten'. In Wahrheit beginnt gerade Amerikas neuer Albtraum: ein Terror der Abgehängten und Aufgehetzten gegen Minderheiten. Dabei hilft eine Stimmung, zu der Trump durch viele Hassreden selbst beitrug. Wer als Europäer immer nur über Trumps üble Rolle in der Weltpolitik klagt, wird diesem Präsidenten nicht gerecht: Der Mann ist auch nach innen ein Sicherheitsrisiko."

"Damit bestärkt er die Ultrarechten"

Der "Reutlinger General-Anzeiger" zieht dieses Fazit: "Wenn der US-Präsident die Verantwortlichen der Unruhen nicht beim Namen nennen will, hat das also Kalkül. Damit bestärkt er die Ultrarechten in ihrem Tun und leistet einer weiteren Spaltung seines Landes Vorschub. Kein Wunder also, dass sich immer mehr prominente Politiker der Republikaner demonstrativ und mit Grausen von 'ihrem' Präsidenten abwenden."

Nach Überzeugung der "Rhein-Zeitung" ist es... "gut, dass dieses Land einen Ex-Präsidenten hat, der immer noch viel Gehör findet. Barack Obama hat zu den Gewaltexzessen in Virginia Nelson Mandela mit Worten zitiert, die gute, weise Politiker auszeichnen: 'Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben.' Starke Worte."

Ausschreitungen in Charlottesville – Kritik an Trump-Reaktion
Marc Hoffmann, ARD Washington
14.08.2017 16:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 14. August 2017 NDR Info um 04:00 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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