US-Präsident Donald Trump (Bild vom 12.02.2018). | Bildquelle: AP

Reaktion auf Schulmassaker Schüler fordern Taten - Trump twittert

Stand: 19.02.2018 10:49 Uhr

Nach dem Amoklauf an einer US-Schule finden Schüler und Bürgerrechtler die Reaktion der Regierung zu lasch. Präsident Trump reagiert auf seine Weise: Er will das Gespräch mit Schülern suchen - und weist dem FBI die Schuld zu.

Bloße Anteilnahme und Trauerreden reichen den Schülern der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland nicht: Sie sehen die US-Regierung in der Verantwortung, Amokläufe wie das Schulmassaker mit 17 Toten durch strengere Waffengesetze zu verhindern. Die Rede der Schülerin Emma Gonzalez, die US-Präsident Trump zurief: "Schämen Sie sich!", ging um die Welt - nur der US-Präsident sieht die Lage ganz anders.

Es sei "sehr schade", dass die US-Bundespolizei FBI alle Warnzeichen übersehen habe, die auf die Gefährdung durch den Schützen von Parkland ausging, schrieb Trump auf Twitter. "Sie verbringen zu viel Zeit mit dem Versuch, ein russisches Zusammenwirken mit der Trump-Kampagne (im Wahlkampf, Anmerkung der Redaktion) zu beweisen - es gibt kein Zusammenwirken. Konzentriert euch aufs Wesentliche und macht uns alle stolz!" Konkrete Hinweise darauf, dass der Behörde durch die Russlandaffäre Kapazitäten zur Ermittlung gegen den verdächtigen Nikolas C. fehlten, präsentierte Trump nicht.

Kritik an Trumps Schuldzuweisungen

Tatsächlich hatte das FBI einräumen müssen, dass es Hinweisen auf den Täter Nikolas C. nicht nachging. Der 19-Jährige war nach einem verstörenden Video sogar von der Kinderfürsorge untersucht und für stabil erklärt worden, wie aus Unterlagen des Familienministeriums von Florida hervorgeht. Auch die örtliche Polizei wusste von dem Aggressionspotenzial des jungen Mannes: Seine Mutter hatte wegen seiner Gewaltausbrüche mehrmals die Polizei gerufen.

Dass Trump jedoch der Behörde Versagen vorwirft und die Ermittlungen gegen sein Wahlkampfteam ins Spiel bringt, halten seine Kritiker für verfehlt. "Unser Präsident nutzt die Tragödie, um die Ermittlungen über die Einmischung eines ausländischen Gegners anzugreifen. Schändlich", twitterte die frühere Justizministerin Sally Yates, die Trump in den Anfangstagen seiner Präsidentschaft entlassen hatte.

Auch aus den eigenen Reihen stößt Trumps Versuch auf Kritik, dem FBI die Schuld an dem Schulmassaker zuzuweisen. "Tatsache ist, dass das zwei verschiedene Angelegenheiten sind", sagte der republikanische Senator Tim Scott dem Sender CBS und betonte, viele Mitarbeiter des FBI täten alles in ihrer Macht stehende, um die US-Bürger zu beschützen. Der republikanische Gouverneur von Ohio, John Kasich, sagte, das FBI habe zwar einen fürchterlichen Fehler gemacht und die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden - Trumps Tweet, der das Schulmasser mit Russland-Ermittlungen in Beziehung setze, sei aber "absurd".

Protestaktionen geplant

Trump kündigte an, am Mittwoch Schüler und Lehrer zu einem Gespräch treffen zu wollen. Am Donnerstag wolle er mit Beamten des US-Bundesstaats Florida und Gemeindevertretern von Parkland das Thema Schulsicherheit besprechen. Bislang wurde der US-Präsident am Freitag zuletzt öffentlich gesehen.

Unterdessen formieren sich in mehreren Teilen des Landes weitere Proteste. In der Nähe des Weißen Hauses in Washington wollten 17 Schüler für schärfere Waffengesetze demonstrieren. Die Schüler der High School in Parkland kündigten an, in dieser Woche das State Capitol Floridas in Tallahassee aufzusuchen, um dort schnelles Handeln einzufordern. Für Donnerstag haben sie zu Demonstrationen gegen das vergleichsweise liberale US-Waffenrecht aufgerufen. Dem Protest anschließen wollen sich auch die Organisatorinnen des Women's March, der auf die durch die US-Regierung Trump bedrohten Rechte von Frauen aufmerksam machen will: In Erinnerung an die 17 Todesopfer riefen sie zu einem 17-minütigen Marsch von Schülern und Lehrern auf. Er soll einen Monat nach dem Massaker stattfinden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Februar 2018 um 08:00 Uhr und 14:00 Uhr.

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