TV-Bild mit Trump und Kim | Bildquelle: AP

Trump macht Druck auf Kim ... sonst droht Umsturz wie in Libyen

Stand: 18.05.2018 02:54 Uhr

Vor dem geplanten Treffen von Trump und Kim gibt es Misstöne. Der US-Präsident stellte Nordkorea wirtschaftliches Wachstum in Aussicht, drohte Kim aber auch unverhohlen.

Alles schien geklärt zwischen Washington und Pjöngjang, ein Treffen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump am 12. Juni in Singapur beschlossene Sache. Doch nun gibt es Misstöne. Kim wurde von der staatlichen Agentur KCNA mit den Worten zitiert, er fühle sich "in die Enge getrieben", weil die USA einseitig forderten, dass Nordkorea seine Atomwaffen abgebe. Unter diesen Bedingungen habe Nordkorea kein Interesse an Gesprächen.

Nordkoreas Vize-Außenminister Kim Kye Gwan kritisierte insbesondere die Äußerungen von Trumps Nationalem Sicherheitsberater John Bolton. Der hatte gesagt, Nordkorea solle eine "vollständige, nachweisbare und unumkehrbare" Demontage des Atomwaffenprogramms erbringen.

Trump hofft auf "prosperierendes Nordkorea"

An dieser Forderung hält prinzipiell auch Trump fest, ergänzte nun aber: Wenn Kim einer nuklearen Abrüstung zustimme, werde er "sehr starke Sicherheiten" von den USA bekommen. Er hoffe auf ein prosperierendes Nordkorea, sagte der US-Präsident. Und das offenbar mit Kim an der Spitze.

Mit Blick auf die Entmachtung des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi sagte Trump: "Wenn wir keinen Deal erreichen, dann wäre das das Modell." Deswegen sei es sinnvoll, wenn sich Kim auf ein Abkommen mit den USA einlasse. Gaddafi war 2011 entmachtet und von Rebellen getötet worden.

US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: AFP
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Eigentlich sollen sich Trump und Kim Jong Un am 12. Juni in Singapur treffen. Nordkorea stellt den Gipfel nun infrage.

Während eines Gesprächs mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Weißen Haus in Washington erklärte der US-Präsident zudem, er werde während seines Treffens mit Kim nicht über die Zahl der in Südkorea stationierten US-Soldaten diskutieren. Nordkoreanische Vertreter arbeiteten derzeit an den logistischen Details des Gipfeltreffens, "als wäre nichts geschehen".

Militärmanöver verärgert Nordkorea

Die Kim-Führung hatte zuvor eine für Mittwoch geplante Zusammenkunft ranghoher nord- und südkoreanischer Regierungsvertreter platzen lassen. Grund waren laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap die jährlichen Militärmanöver der USA und Südkoreas, die am Montag begannen und bis zum 25. Mai andauern sollen. Die zweiwöchige Militärübung "Max Thunder" simuliere einen Angriff auf den Norden und sei eine "bewusste militärische Provokation", kritisierte die von Kim als Sprachrohr genutzte Nachrichtenagentur KCNA.

Vorwurf an China

Der US-Präsident verdächtigte China, hinter den plötzlich geäußerten Zweifeln Nordkoreas an dem Gipfel zu stecken. Es könne "sehr gut" sein, dass Chinas Präsident Xi Jinping den nordkoreanischen Machthaber "beeinflusst", sagte Trump. Xi und Kim hatten sich kürzlich zwei Mal getroffen. Peking hatte Kim allerdings öffentlich aufgerufen, an dem Gipfel festzuhalten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 17. Mai 2018 um 23:00 Uhr.

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