USA und Israel | Bildquelle: dpa

USA und Israel Die Männer für den Nahen Osten

Stand: 24.01.2017 02:08 Uhr

Trump stößt in Europa auf viel Skepsis. Für Israels Ministerpräsidenten Netanyahu kann es hingegen nach acht schwierigen Jahren mit Obama nur besser werden: Zwei von Trumps wichtigsten Nahost-Beratern liegen voll auf seiner Linie.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Eines kann man US-Präsident Donald Trump nicht vorwerfen: dass er vor schwierigen Aufgaben zurückschreckt. In der "New York Times" kündigte er an, er werde sich um ein Nahost-Friedensabkommen bemühen: "Ich fände es toll, wenn ich derjenige wäre, der Frieden zwischen Israel und den Palästinensern macht", sagte Trump, "das wäre eine großartige Leistung."

Und Trump hat auch schon jemanden für diese gewaltige Aufgabe im Blick: "Mein Leben lang habe ich gehört: Das ist der schwierigste Deal weltweit. Aber ich habe das Gefühl, Jared wird das großartig machen." Jared Kushner ist Trumps Schwiegersohn und seit Freitag sein Chefberater im Weißen Haus.

Trumps Schwiegersohn Jared Kushner | Bildquelle: AP
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Trump zu Schwiegersohn Jared Kushner: "Wenn Du nicht für Frieden im Nahen Osten sorgen kannst, kann es niemand."

Nahost-Berater ohne politische Erfahrung

Der 36-Jährige ist seit sieben Jahren mit Trumps Tochter Ivanka verheiratet. Vor dem Präsidentschaftswahlkampf verfügte Kushner über keine politischen Erfahrungen. Aber im Wahlkampf wurde er zu Trumps wichtigstem Berater und bereitete wichtige Personalentscheidungen wie die für Vizepräsident Mike Pence vor. Die Außenpolitik ist ein völlig neues Feld für Kushner. Dennoch ist Trumps Vertrauen in seinen Schwiegersohn grenzenlos: "Wenn Du nicht für Frieden im Nahen Osten sorgen kannst", lobte Trump, "dann kann es niemand."

Anders als Trump meidet Kushner die Öffentlichkeit und gilt als höflich und zurückhaltend. Er ist gläubiges Mitglied einer orthodoxen jüdischen Gemeinde und hat enge Kontakte nach Israel. Zu konkreten Fragen der Nahost-Politik hat sich Kushner bisher nicht öffentlich geäußert.

Friedman sammelte für die Siedlungsbewegung

Im Gegensatz zu Trumps zweitem Nahost-Berater, dem designierten US-Botschafter in Israel, David Friedman. Der verkündete bereits, dass Trump - anders als die bisherigen US-Präsidenten - die Siedlungspolitik Israels voll unterstützen wird: "Seiner Ansicht nach sollte Israel den Siedlungsbau fortsetzen. Die Palästinenser haben jedenfalls nichts geleistet, um ihn in dieser Ansicht umzustimmen."

David Friedman | Bildquelle: REUTERS
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Nahost-Berater David Friedman: "Trumps Ansicht nach sollte Israel den Siedlungsbau fortsetzen."

David Friedman ist ein auf Konkursrecht spezialisierter Wirtschaftsanwalt. Er kennt Trump seit 15 Jahren. Sein Vater war Rabbi in einer orthodoxen jüdischen Gemeinde. Friedman selbst sammelt seit vielen Jahren Spenden für die Siedlungsbewegung in Israel. Er warf Obama "eklatanten Antisemitismus" vor, nachdem der die Siedlungspolitik kritisiert hatte.

Die bisherige US-Unterstützung für eine Zwei-Staaten-Lösung bezeichnet Friedman als "Tragödie". Anders als Obama werde Trump keinen Druck mehr auf Israel ausüben, so Friedman: "Wenn Israel den Friedensprozess will, dann wird er helfen. Aber er wird Israel nicht zu etwas zwingen, was es nicht tun will."

"Das wird die arabische Welt in Aufruhr versetzen"

David Friedman spricht fließend Hebräisch und veröffentlicht eine regelmäßige Kolumne auf einer rechtsgerichteten israelischen Nachrichtenseite im Internet. Er besitzt ein Haus im wohlhabenden Teil von Jerusalem und ist die treibende Kraft hinter Trumps Ankündigung, Amerika werde seine Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen.

Der frühere US-Botschafter in Israel, Edward Walker, warnt im Sender CNN vor den Folgen eines solchen Umzugs: "Das wird die arabische Welt in Aufruhr versetzen, das Verhältnis Israels zu den Palästinensern und zur arabischen Welt ruinieren und den 'Islamischen Staat' nicht eliminieren, sondern das Gegenteil erreichen."

Wie Trumps Schwiegersohn unter diesen Umständen das Vertrauen der Palästinenser und arabischen Länder gewinnen will, ist nicht nur Ex-Botschafter Edward Walker schleierhaft. Auch wenn Trumps Sprecher am Montag betonte, der Umzug der US-Botschaft nach Jerusalem sei noch nicht entschieden, so befürchten Nahostexperten schon jetzt, dass die Trump-Regierung die traditionelle Rolle der USA als Vermittler im Nahen Osten aufgeben wird. Stattdessen werde die Trump-Regierung künftig fest an der Seite des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu stehen.

Trumps Männer für den Nahen Osten - Kushner und Friedman
Martin Ganslmeier, ARD Washington
24.01.2017 00:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Januar 2017 um 14:50 Uhr

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