US-Präsident Donald Trump | Bildquelle: REUTERS

US-Geheimdienstdirektor Setzte Trump auch Coats unter Druck?

Stand: 07.06.2017 07:17 Uhr

In der Russland-Affäre droht US-Präsident Trump neuer Ärger: Er soll versucht haben, den Nationalen Geheimdienstdirektor Coats zu bewegen, Druck auf Ex-FBI-Chef Comey auszuüben. Das berichten US-Medien. Außerdem soll es heftigen Streit mit Justizminister Sessions gegeben haben.

US-Präsident Donald Trump soll in der Russland-Affäre neben dem damaligen FBI-Chef James Comey auch den Nationalen Geheimdienstdirektor Daniel Coats unter Druck gesetzt haben. Das berichtete die "Washington Post" unter Berufung auf Quellen im Regierungsapparat. Trump habe demnach versucht, Coats und weitere ranghohe Geheimdienstleute dazu zu bringen, Einfluss auf Comey auszuüben.

Ziel: Ermittlungen gegen Flynn stoppen

Ziel sei gewesen, dass dieser die Ermittlungen gegen den inzwischen entlassenen Nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn fallen lässt. Entsprechende Aufzeichnungen habe Coats an Vertraute weitergereicht, berichtet die Zeitung. Den Unterlagen zufolge soll Trump nach einem Treffen im Weißen Haus in größerem Kreis Coats und CIA-Chef Mike Pompeo gebeten haben, im Raum zu bleiben. Anschließend sei es zu der Bitte gekommen.

Ein Sprecher von Coats sagte der Zeitung, der Geheimdienstdirektor habe sich "zu keiner Zeit unter Druck gesetzt gefühlt". Inhalte vertraulicher Gespräche wolle er nicht öffentlich diskutieren.

Trump soll auch den Geheimdienstchef Coats unter Druck gesetzt haben
M. Buttler, ARD Washington
07.06.2017 08:16 Uhr

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Comey vor Aussage

Die Enthüllung der "Washington Post" kommt weniger als 48 Stunden vor der Anhörung Comeys im Geheimdienstausschuss des US-Senats. Die Anhörung, bei der Comey unter Eid aussagt, wird mit großer Spannung erwartet. Sollte er tatsächlich zu Protokoll geben, Trump habe versucht, FBI-Ermittlungen zugunsten seiner Regierung zu beeinflussen, würde das den US-Präsidenten politisch schwer belasten. Direktor Coats wird bereits heute vor dem Geheimdienstausschuss des Senats aussagen.

James Comey | Bildquelle: AFP
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James Comey wurde von Trump im Zuge der Ermittlungen gegen den ehemaligen Sicherheitsberater Flynn entlassen.

Jeff Sessions | Bildquelle: AP
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Auch mit Justizminister Jeff Sessions soll Trump Streit über den Umgang mit der Russland-Affäre gehabt haben.

Differenzen mit Sessions

In der Russland-Affäre soll es einem Bericht des Senders ABC News zufolge auch zum Streit zwischen Trump und seinem Justizminister Jeff Sessions gekommen sein. Dieser bot demnach mindestens einmal seinen Rücktritt an. Der Justizminister galt lange Zeit als treuer Wegbegleiter Trumps, der ihm vor allem im Wahlkampf stets zur Seite stand. Sessions musste sich bereits aus den Russland-Ermittlungen zurückziehen, weil er selbst undokumentierte Treffen mit dem russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak, abgehalten hatte.

Die "New York Times" berichtet außerdem, dass Comey den Justizminister gebeten habe, nicht mit Trump allein sein zu müssen. Diese Bitte soll er geäußert haben, nachdem der US-Präsident ihn aufgefordert hatte, die Ermittlungen gegen Flynn fallenzulassen. Comey wollte offenbar, dass Sessions das FBI vor Einflussnahme des Weißen Hauses schützt.

Mit Informationen von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Juni 2017 um 06:05 Uhr

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