Ein Plakat in Riad zeigt US-Präsident Trump und den saudi-arabischen König Salman | Bildquelle: AFP

Trumps erste Auslandsreise Alles ist besser als Washington

Stand: 19.05.2017 14:35 Uhr

US-Präsident Trump reist nicht gerne - doch seine erste Auslandsreise bringt ihn auch weg von den Querelen in Washington. Die Route ist ungewöhnlich: In Saudi-Arabien, Israel und dem Vatikan sucht er auch neue Geschäftspartner.

Von Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

Auch bei seiner ersten Auslandsreise gilt: US-Präsident Donald Trump macht alles anders als seine Vorgänger. Nicht nur, dass er sich extrem lange Zeit gelassen hat, bevor er die USA verlässt. Auch die Reihenfolge der Länder ist total ungewöhnlich. Erst geht es nach Saudi-Arabien, dann nach Israel, dann reist er in den Vatikan. Sein Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster nannte den Start in Saudi-Arabien "eine  historische Reise".

Der Präsident selbst sieht sich auf Partnersuche und sagt: "Ich werde alte Freundschaften stärken und neue Partner suchen. Partner, die uns helfen und nicht immer nur nehmen, nehmen, nehmen."

Erster Besuch sonst immer Mexiko und Kanada

Das war ein Seitenhieb gegen die Nachbarn Mexiko und Kanada. Diese werden erstmals seit 40 Jahren nicht von einem US-Präsidenten zuerst besucht. Stattdessen also Saudi-Arabien. Trump trifft sich dort mit König Salman und den Herrschern anderer arabischer Staaten. Er möchte sie überzeugen, die friedliche Seite des Islam zu stärken.

"In Saudi-Arabien werde ich mit muslimischen Führern sprechen und sie auffordern gegen Hass und Extremismus zu kämpfen und für eine friedliche Zukunft ihres Glaubens einzutreten. Wir müssen radikalen islamischen Terror stoppen", so Trump.

Freund der Arabischen Welt?

Wer hätte das gedacht? Der Mann, der in jedem Muslim eine potentielle Gefahr für die USA sah, freundet sich nun ausgerechnet mit der Arabischen Welt an. Versöhnung mit dem Islam ist also ein Ziel der Reise. 

Joseph Bathou, vom Carnegie Center for Peace in Washington, beschreibt noch weitere: "Er besucht Saudi-Arabien, Israel und den Vatikan - die drei großen Weltreligionen. Das ist ein großes Symbol."

Für den unerfahrenen Außenpolitiker Trump aber auch ein Sprung vom Zehn-Meter-Brett, nachdem er gerade den Freischwimmer gemacht hat. Das Mammutprogramm - fünf Staaten in neun Tagen - wäre schon für erfahrene Vielflieger eine Herausforderung. Und Donald Trump reist nicht gerne.

Trumps Frau Melania reist mit

Er hat Angst vor Bazillen, verträgt den Zeitunterschied schlecht, und exotisches Essen ist ihm ein Graus. Trump wird begleitet von seiner Frau Melania. Die First Lady ist bislang kaum in der Öffentlichkeit aufgetreten. Aber vielleicht ist derzeit alles besser als Washington.

Die letzten zwei Wochen waren die chaotischten seiner Amtszeit. Den FBI-Chef gefeuert, die unglückliche Plauderei mit dem russischen Außenminister, und jetzt soll noch ein Sonderermittler die Russlandkontakte der Trump-Regierung untersuchen. So wie man amerikanische Journalisten kennt, werden ihn diese Themen auch 10.800 Kilometer entfernt von zu Hause verfolgen.

Die Reise gilt manchen als Risiko

Der unberechenbare Präsident, neun Tage auf internationaler Bühne: Für Richard Haass, Vorsitzender des Beirates für ausländische Beziehungen, ist die Reise schon ein Erfolg, wenn nichts Unvorhergesehenes passiert: "Er soll sich an die Reden halten und an die Pläne für die Treffen und nicht improvisieren. Das ist das Risiko."

Doch Trump wäre nicht der Geschäftsmann, wenn es bei seiner Reise nicht auch ums Geld gehen würde. Es wird erwartet, dass die Saudis für viele Milliarden Dollar amerikanische Waffen kaufen werden.

Trump will IS besiegen

Und Trump wird versuchen, ein weiteres Wahlkampfversprechen zu erfüllen: den "Islamischen Staat" zu besiegen. Dazu braucht er die Unterstützung der arabischen Staaten.

Drei Tage in Saudi-Arabien, damit setzt er ein wichtiges Zeichen. Die Verbündeten der Amerikaner sitzen in Riad, der Iran ist der Feind. Beide Länder kämpfen um die Vormacht im Nahen Osten. Die Saudis wissen dies zu schätzen und lassen sich den ganzen Empfang 68 Millionen Dollar kosten.

Aufträge für die Rüstungsindustrie

Unterstützung gegen den Islamischen Staat, Aussöhnung mit dem Islam und ein dickes Auftragspaket für die amerikanische Rüstungsindustrie: So könnte man die To-do-Liste für Saudi-Arabien zusammenfassen.

Am Montag landet der Präsident dann in Israel. Dem Land, dessen Geheimdienstinformationen er gerade dem russischen Außenminister verraten hat. Auf seiner ersten Auslandsreise wird die Welt jeden seiner Schritte beobachten - und ob er in ein Fettnäpfchen tritt.

Endlich raus aus Washington - Donald Trumps erste Auslandsreise
Sabrina Fritz, ARD Washington
19.05.2017 13:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 19. Mai 2017 um 11:00 Uhr.

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