Trump | Bildquelle: AP

Dementi aus Moskau "Das ist Pulp Fiction"

Stand: 11.01.2017 15:09 Uhr

Russland dementiert, dass die Geheimdienste des Landes belastendes Material über den künftigen US-Präsidenten Trump gesammelt haben. Zuvor hatten mehrere US-Medien berichtet, es existiere ein entsprechendes Dossier.

Von Hermann Krause, ARD-Studio Moskau

Wie zu erwarten war, werden in Moskau die aus den USA kommenden Vorwürfe strikt zurückgewiesen: Besonders die Behauptung, Donald Trump sei bei einem Aufenthalt in Moskau in einem Luxushotel überwacht worden, hat in den politischen Kreisen der Hauptstadt für Empörung gesorgt.

Nach einem unbestätigten Bericht wurde Trump bei Sex-Spielen mit Prostituierten gefilmt. Damit habe Moskau den zukünftigen Präsident erpresst, so das angebliche Zitat aus einem US-Geheimdienstbericht. Auch dies ist nicht bestätigt. "Das ist offensichtlich ein Versuch, unseren bilateralen Beziehungen zu schaden", sagt Dimitrij Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten. "Die Qualität des letzten veröffentlichten Berichts entspricht einem 'Pulp Fiction', so nennt man auf Englisch Schundliteratur. Man sollte mit gewissem Humor darauf reagieren."

Donald J. Trump @realDonaldTrump
FAKE NEWS - A TOTAL POLITICAL WITCH HUNT!

Wurde Trump 2013 in Moskau überwacht?

Russische Geheimdienstexperten halten es aber für sicher, dass Trump bei einem Aufenthalt 2013 in Moskau observiert wurde. In der "Crocus-City-Hall" am Rande der Hauptstadt, wurde damals die schönste Frau der Welt gesucht, Donald Trump besitzt die Rechte an dem "Miss World"-Wettbewerb.

Trump reagiert mit Nazi-Vergleich auf Berichte über Erpressbarkeit

Der designierte US-Präsident Trump hat mit einem Vergleich zur Nazi-Zeit auf die Vorwürfe reagiert, er sei von Russland erpressbar. Der Kreml habe nie versucht, "Einfluss auf mich auszuüben", schrieb er beim Kurzmitteilungsdienst Twitter. Die Geheimdienste hätten "niemals zulassen dürfen, dass diese falschen Informationen in die Öffentlichkeit durchsickern". Das sei ein letzter Schuss auf ihn. "Leben wir denn in Nazi-Deutschland?", fragte er. "Betrügerische Gegner" versuchten mit gefälschten Nachrichten seinen Wahlsieg zu "schmälern", so Trump.

Übernachtet haben soll er in der selben Suite wie einst das Ehepaar Obama, nämlich im "Ritz-Carlton-Hotel" in der Nähe des Roten Platzes. Dabei sollen Filmaufnahmen angeblich mit Prostituierten entstanden sein. "Bei alledem gibt es auch eine traurige Seite", sagt Peskow. "Es existieren Personen, die eine solche gewisse Hysterie entfachen, die aus der Haut fahren, um diese Hexenjagd aufrechtzuhalten. Warum braucht man das? Um die Beziehungen zwischen unseren Ländern zu degradieren."

Russland hofft auf Trump

Trump hatte mehrmals erklärt, er wolle die Beziehungen zu Russland verbessern. Nur dumme Leute oder Idioten könnten dagegen sein, hatte er kürzlich getwittert. In Russland ist die Hoffnung groß, dass der neue Präsident die bestehenden Sanktionen aufhebt, nun scheint sich eher das Gegenteil herauszukristallisieren. So liegt dem US-Kongress seit gestern eine weitere Liste mit möglichen Sanktionen vor, diese sollten den Bankensektor, aber auch die russische Erdölindustrie treffen.

Duma beschäftigt sich mit Vorwürfen

Auch in der Duma, die heute nach der Winterpause zum ersten Mal zusammenkam, waren die neusten Vorwürfe ein Thema: "Leider unternimmt die Obama-Regierung alles, um die Tätigkeit von Trump als Präsident zu erschweren", meint der Duma-Abgeordnete Sergej Schelesnjok. "Es geht um die absolut unbegründete Zerstörung von außenpolitischen Beziehungen, und zwar nicht nur mit Russland, sondern auch mit vielen anderen Staaten."

Nach den Vorwürfen, russische Hacker hätten Trump mit an die Macht gebracht, sieht sich der zukünftige Präsident mit Vorwürfen der Erpressbarkeit konfrontiert. Vielleicht um all dem entgegenzuwirken, soll der designierte Außenminister Rex Tillerson in einer Rede erklärt haben, die USA würden die Annexion der Krim niemals anerkennen und Verbündete, wie die Ukraine nicht in Stich lassen.

Kreml dementiert US-Berichte über Trump
H. Krause, ARD Moskau
11.01.2017 13:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Januar 2017 um 12:17 Uhr

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