Ausschreitungen in Jerusalem | Bildquelle: dpa

Jerusalem und Westjordanland Streit um Tempelberg eskaliert

Stand: 22.07.2017 07:31 Uhr

Bei Protesten gegen den eingeschränkten Zugang für Muslime zum Tempelberg in Jerusalem wurden drei Palästinenser getötet. Später erstach ein Palästinenser drei jüdische Familienmitglieder im Westjordanland. Abbas brach die Beziehungen zu Israel ab.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Die Familie saß gerade zusammen beim Schabbatt-Abendessen, so berichtet es die israelische Zeitung Ha'aretz. Der palästinensische Angreifer schlich sich ins Haus und stach auf die Familienmitglieder ein. Der Angriff ereignete sich in der jüdischen Siedlung Halamisch im Zentrum des von Israel besetzten Westjordanlandes.

"Wir kamen an und sahen, dass sich drei Personen in kritischem Zustand befinden", so ein Rettungsmediziner am Ort des Geschehens. "Es gab eine weitere Verwundete, die wir in stabilem Zustand ins Krankenhaus gebracht haben."

Den drei schwer Verletzten konnten die Ärzte nicht mehr helfen. Damit sind am Freitag drei Israelis und drei Palästinenser getötet worden.

Streit um Zugang zum Tempelberg eskaliert
tagesschau 12:00 Uhr, 22.07.2017, Susanne Glass, ARD Tel Aviv

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Heftige Auseinandersetzungen

Am Nachmittag war es in Ostjerusalem und weiteren Orten des Westjordanlandes zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Palästinenser warfen mit Steinen und Brandbomben, israelische Sicherheitskräfte reagierten mit Blendgranaten und Tränengas. Nach Angaben des Roten Halbmondes wurden 390 Palästinenser verletzt. Auf israelischer Seite wurden mindestens vier Sicherheitskräfte verletzt.

Ausschreitungen am Militärkontrollpunkt Kalandia zwischen Jerusalem und Ramallah | Bildquelle: AFP
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Ausschreitungen am Militärkontrollpunkt Kalandia zwischen Jerusalem und Ramallah.

Im Streit um neue israelische Sicherheitsmaßnahmen in der Altstadt von Jerusalem ist weiterhin keine Seite bereit einzulenken. Vor einer Woche kam es vor dem Tempelberg, den die Muslime Al-Haram-Asch-Scharif nennen, zu einem tödlichen Angriff auf israelische Polizisten. Israel reagierte auf diesen Angriff und stellte an den Zugängen für Muslime Metalldetektoren auf.

Aus Sicht der Palästinenser wurde mit dieser Maßnahme eine rote Linie überschritten. Sie befürchten, dass Israel das Areal mit den heiligen Stätten noch stärker unter seine Kontrolle bringen will. Bisher verwaltet eine islamische Stiftung den Hügel, und die Palästinenser haben dort relativ viel Freiheit. Der Tempelberg, auf dem heute die Al-Aksa-Moschee und der Felsendom stehen, ist sowohl den Juden als auch den Muslimen heilig.

Der Tempelberg in Jerusalem

Der Tempelberg liegt am Rand der Altstadt von Jerusalem und gilt Juden und Muslimen, aber auch Christen als bedeutendes Heiligtum. An der Stelle, an der heute der Felsendom steht, soll Abraham, beziehungsweise Ibrahim - Stammvater der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionen - von Gott den Auftrag bekommen haben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Dadurch wollte Abraham seine Gottesfurcht beweisen. Gott verhinderte dies der Überlieferung zufolge jedoch in letzter Minute und gab sich mit einem Lammopfer zufrieden.

Darüber hinaus ritt nach islamischer Überlieferung der Prophet Mohammed von dieser Stelle aus mit seinem Pferd in den Himmel. Im Jahr 687 (christlicher Zeitrechnung) wurde dort mit dem Bau des Felsendoms begonnen. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee und der Kaaba in Mekka zählt er zu den drei wichtigsten Heiligtümern des Islam.

Auch für Juden ist der Ort das wichtigste Heiligtum, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der erste Tempel von König Salomon soll im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden sein. Der zweite wurde in der Zeit von König Herodes erbaut und von den Römern im Jahr 70 zerstört. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels.

"Alle Kontakte werden abgebrochen"

Das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern hat sich nun auch auf diplomatischer Ebene deutlich verschlechtert. Am Freitagabend traf sich der palästinensische Präsident Machmud Abbas mit seiner Regierung. Im Anschluss brach er die Beziehungen zu Israel ab. Abbas sagte: "Ich erkläre für die palästinensische Führung: Alle Kontakte mit dem Besatzungsstaat Israel werden abgebrochen. Wir machen das so lange, bis Israel seine Maßnahmen gegen die palästinensische Nation, Jerusalem und die Al-Aksa Moschee beendet. Wir lehnen die Metalldetektoren ab." Es gehe dabei nicht um Sicherheitsmaßnahmen, so Abbas. "Das ist eine politische Maßnahme."

Die letzten offiziellen Verhandlungen zwischen Abbas und dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu liegen bereits Jahre zurück. Dennoch haben Behörden und Sicherheitskräfte auf beiden Seiten bisher zusammengearbeitet. Wie genau und wann diese Zusammenarbeit eingestellt wird, das sagte Abbas nicht.

Die Vereinten Nationen haben sich mittlerweile in den Konflikt eingeschaltet. Ein UN-Sprecher rief beide Seiten zur Deeskalation auf. Alle politischen und religiösen Anführer müssten nun dabei helfen, die Spannungen zu reduzieren.

Sechs Tote nach Streit um Tempelberg
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
22.07.2017 06:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Juli 2017 um 09:00 Uhr.

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