Toshiba-Präsident Satoshi Tsunakawa  | Bildquelle: AFP

Milliardenverlust und Rücktritt Toshiba blickt in den Abgrund

Stand: 14.02.2017 13:50 Uhr

Toshiba im Sinkflug: Der japanische Konzern wird das laufende Geschäftsjahr mit einem Milliardenverlust abschließen. Auch das Management ist katastrophal. Bis zuletzt wurde versucht, die desaströsen Zahlen zu verbergen.

Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio

Toshiba bangt um sein Überleben. Der japanische Industriekonzern werde das bis März laufende Geschäftsjahr mit einem Nettoverlust von 3,2 Milliarden Euro abschließen, gab das Unternehmen bekannt. Im Vorjahr hatte das Minus bei 3,8 Milliarden gelegen. Toshiba hat eine Abschreibung von 5,9 Milliarden Euro auf sein Atomgeschäft in den USA angekündigt.

In den Stunden zuvor hatte das Unternehmen die Zahlen noch verbergen wollen und eine angekündigte Pressekonferenz verschoben. Doch ein Whistleblower zwang den Konzern zum öffentlichen Kotau. Der Verwaltungsratsvorsitzende Shigenori Shiga trat zurück, Präsident Satoshi Tsunakawa verzichtet auf 90 Prozent seines Gehalts. Er entschuldige sich zutiefst bei den Aktionären und Investoren, sagte Tsunakawa. Man übernehme die volle Verantwortung.

Überschreiten die Schulden das Vermögen?

Toshibas Aktien an der Tokioter Börse stürzten um neun Prozent ab. Verglichen mit ihrem Wert bei Bekanntwerden der massiven Probleme Ende Dezember verloren sie sogar 50 Prozent. Ob die Schulden inzwischen das Vermögen des Konzerns überschreiten, ist noch nicht bekannt.  

Aber klar ist: Toshiba steckt tief im Schlamassel. Nach einem Bilanzskandal 2015 ist es nun die US-Tochter Westinghouse, die das Unternehmen in den Keller zieht. Der Kernkraftwerksbauer hatte eine Baufirma aus Chicago übernommen, die weit weniger wert war als erhofft. 

Um sich aus dem Sumpf zu ziehen, will Toshiba mehr als die Hälfte seines Geschäfts mit Speicherchips verkaufen. Das soll Geld in die Kasse spülen. Aus dem Bau von Kernkraftwerken will der Konzern komplett aussteigen. Toshiba beschäftigt nahezu 190.000 Menschen und produziert außer Computerchips auch Laptops, Industrieanlagen, Aufzüge, Waschmaschinen und - bis jetzt noch - Atomkraftwerke.

Toshiba im Sturzflug
J. Hanefeld, ARD Tokio
14.02.2017 13:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Februar 2017 um 13:42 Uhr

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