Trümmer eines zerstörten Krankenhauses von Ärzte ohne Grenzen bei Maarat al-Numan | Bildquelle: AFP

Luftangriffe im Norden Syriens Bomben zerstören syrische Kliniken

Stand: 15.02.2016 18:41 Uhr

Mehrere Bomben haben ein von Ärzte ohne Grenzen unterstütztes Krankenhaus im Norden Syriens zerstört. Mindestens sieben Menschen wurden getötet. Die Organisation geht davon aus, dass es ein Angriff der Regierung oder russischer Kampfjets war. Zudem gibt es Berichte über die Zerstörung einer weiteren Klinik.

Bei einem Luftangriff auf ein Krankenhaus im Norden Syriens sind offenbar mehrere Menschen getötet worden. Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen berichtete, eine von ihr unterstützte Klinik in der Stadt Maaret al-Numan in der Provinz Idlib sei zerstört worden.

Mindestens sieben Menschen seien getötet worden, sagte der Chef der Organisation, Mego Terzian. Die Organisation nimmt an, dass weitere acht vermisste Menschen tot sind. Das Krankenhaus mit 30 Betten und 54 Mitarbeitern sei zweimal im Abstand von wenigen Minuten bombardiert worden, so Terzian. Urheber des Angriffes seien entweder die syrische Regierung oder Russland, sagte Terzian.

Assad-Regime macht Washington verantwortlich

Die syrische Führung hingegen machte die US-geführte Koalition verantwortlich. US-Kampfflugzeuge hätten die Klinik zerstört, sagte der syrische Botschafter in Moskau, Riad Haddad, dem russischen Fernsehsender Rossija 24 am Montag. Die Militäraufklärung habe ergeben, dass die russische Luftwaffe damit nichts zu tun habe, sagte er demnach. Von russischer Seite gab es zu dem Vorfall zunächst keine Angaben.

Rauchwolke über zerstörtem Krankenhaus in Maarat-al-Numan | Bildquelle: REUTERS
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Rauchwolke über zerstörtem Krankenhaus in Maarat-al-Numan

Der Syrien-Chef von Ärzte ohne Grenzen, Massimiliano Rebaudengo, verurteilte die Attacke als "gezielten Angriff" auf eine medizinische Einrichtung. Durch die Zerstörung des Krankenhauses seien etwa 40.000 Bewohner der Region von medizinischer Versorgung abgeschnitten, sagte er. Insgesamt unterstützt die Hilfsorganisation in Syrien mehr als 150 Krankenhäuser. 15 wurden der Organisation zufolge bislang bombardiert.

Die Stadt Maarat al-Numan wird von syrischen Rebellen kontrolliert, die das Regime von Baschar al Assad bekämpfen. Ein Sprecher der örtlichen Rebellen sagte dem arabischen Nachrichtensender Al Dschasira, das sechsstöckige Krankenhaus sei fast komplett zerstört worden. Die Einrichtung liege in einer Gegend, in der keine Rebellenstützpunkte zu finden seien.

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UPDATE #Syria the MSF-supported structure in #Idlib was hit by 4 rockets, at least 8 staff are missing. https://t.co/0vqfqlPm2Y

Bericht über weiteren Angriff auf Krankenhaus

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London teilte mit, auch in der Stadt Azaz an der Grenze zur Türkei sei ein Kinderkrankenhaus von einer Rakete getroffen worden. Dabei seien zehn Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden. Unter den Toten seien drei Kinder und eine Schwangere. Al Dschasira sprach von mindestens 14 Toten.

Auch der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, für den Beschuss sei Russland verantwortlich. Eine weitere, südlich von Azaz gelegene Flüchtlingsunterkunft wurde einem Anwohner zufolge von mutmaßlich russischen Bomben getroffen. Zehntausende Menschen, die vor den Kämpfen zwischen der syrischen Armee und den Rebellen geflohen sind, halten sich in der Stadt auf.

Azaz, das nur sieben Kilometer südlich von der türkischen Grenze entfernt ist, liegt entlang der Nachschubroute zwischen der Türkei und Aleppo. Während Truppen des Assad-Regimes die Gegend südlich der Stadt kontrollieren, befinden sich im Westen von Aziz kurdische Kampfeinheiten. Nahe der Grenzstadt warten bereits mehr als 90.000 Menschen, die dringend Hilfe benötigen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Februar 2016 um 20:00 Uhr.

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