Karte: Syrien mit Chan Scheichun

Lage in Syrien Chan Scheichun offenbar erneut angegriffen

Stand: 08.04.2017 18:46 Uhr

Die syrische Stadt Chan Scheichun ist offenbar erneut aus der Luft angegriffen worden. Das meldeten Aktivisten. Derweil wird weiter darüber gestritten, wer für den mutmaßlichen Giftgas-Angriff auf die Stadt verantwortlich ist.

Von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

Erneute Luftangriffe auf die Provinz Idlib, auf die vor wenigen Tagen von einem mutmaßlichen Giftgas-Angriff erschütterte Stadt Chan Scheichun. Das melden Aktivisten heute, am Tag nach dem US-Luftangriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, mindestens eine Frau sei heute getötet worden - und es sei nicht das erste Mal seit dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff, dass die Stadt bombardiert wurde. Es seien russische Kampfflugzeuge gewesen, meldet eine weitere Aktivistengruppe.

Die syrische Regierung ist überzeugt: Durch den Luftangriff der USA sei das amerikanisch-russische Verhältnis schwer gestört und die Koalition von Präsident Baschar al-Assad gehe gestärkt daraus hervor. "Ich glaube, dass dieser Angriff die iranisch-syrisch-russische Achse stärken wird", sagt Sherif Shehada, ein syrischer Politologe aus Damaskus. "Das bringt Russland in eine bessere Position und beweist, dass Russland das Land ist, das den Terror ehrlich bekämpft und dem syrischen Volk beisteht."

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR) sitzt in Großbritannien und will Menschenrechtsverletzungen in Syrien dokumentieren. Die Informationen der Beobachtungsstelle lassen sich nicht unabhängig überprüfen.  

Türkei warnt vor "kosmetischer Intervention"

Die Türkei forderte die USA auf, weitere Schritte gegen die Regierung von Präsident Assad zu unternehmen. Sollte der US-Beschuss nur eine einmalige Aktion gewesen sein, hinterlasse das den Eindruck einer "kosmetischen Intervention", sagte der türkische Außenminister Cavusoglu. Er appellierte an Washington, weiter militärisch zu intervenieren. Nur dann - und ohne Assad - sei eine politische Lösung des Syrienkriegs mit einer Übergangsregierung möglich. Die Türkei zählt zu den stärksten Unterstützern der syrischen Opposition.

Saudischer König: "Mutige Entscheidung"

Auch ein anderer Akteur meldete sich zu Wort: Der staatlichen Nachrichtenagentur aus Saudi-Arabien zufolge gratulierte der saudische König Salman persönlich Trump in einem Telefonat zu seiner "mutigen Entscheidung", die syrische Armee anzugreifen. Es sei die richtige Antwort auf die Verbrechen dieses Regimes, hieß es aus Riad. Saudi-Arabien unterstützt im syrischen Bürgerkrieg die Aufständischen und leistet sich einen Stellvertreterkrieg mit der anderen regionalen Großmacht, dem Iran.

Iran fordert unabhängige Untersuchung

Der iranische Präsident Ruhani forderte, der mutmaßliche Giftgas-Angriff in Syrien sollte von einer internationalen und unabhängigen Kommission untersucht werden. Diese Kommission dürfe nicht von den Amerikanern geleitet werden, sagte er im iranischen Staatsfernsehen. Es sollten neutrale Länder klären, woher die Chemiewaffen kamen.

Denn nach wie vor ist unklar, wer für den Tod von mehr als 80 Zivilisten in der Provinz Idlib verantwortlich ist: Westliche Staaten, allen voran die USA, sind überzeugt, dass die syrische Regierung von Präsident Assad einen Giftgas-Angriff gegen die eigene Bevölkerung flog. Washington schloss weitere Schritte gegen Syrien nicht aus, der amerikanische Finanzminister erklärte, er werde zudem bald zusätzliche Sanktionen gegen Syrien verkünden.

Russland kritisiert Militärschlag der USA gegen Syrien
tagesschau 20:00 Uhr, 08.04.2017, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Syrien und Russland bestreiten Verantwortung

Damaskus und seine Verbündeten Moskau und Teheran bestreiten nach wie vor vehement, für den mutmaßlichen Giftgas-Angriff verantwortlich zu sein - sie sehen die Schuld bei den Aufständischen und ihren Unterstützern. Die staatstreue syrische Zeitung Al Watan verwies in ihrem Leitartikel auf die Türkei: Assad habe kein Interesse an einem Giftgas-Angriff, nachdem er zuvor von den USA Anerkennung erfahren hatte. Der Türkei dagegen sei die Annäherung von Washington und Damaskus ein Dorn im Auge gewesen, so die syrische Zeitung.

Vertreter der syrischen Opposition sehen das völlig anders. Yasser al Fahran, Mitglied des Rechtskomitees der Syrischen Nationalen Koalition mit Sitz in Istanbul, sagte: "Assad hatte die Illusion zu glauben, dass er die USA auf seiner Seite hätte. Und wie jeder Tyrann hat er daraufhin seine Brutalität gesteigert und ist in die Falle des Chemiewaffeneinsatzes geraten. Und jetzt stand auf dem Prüfstand, ob man noch Ehrfurcht vor den USA hat."

Beobachter sind sich einig: Wer wirklich hinter dem mutmaßlichen Giftgasangriff steckt, wird nur eine unabhängige Untersuchungskommission zeigen können.  

Reaktionen auf erneute Luftangriffe in Syrien
A. Osius, ARD Kairo
08.04.2017 18:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 08. April 2017 die tagesschau um 17:00 Uhr und Deutschlandfunk um 17:00 Uhr.

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