Steve Jobs mit seinem späteren Nachfolger Tim Cook im August 2007 | Bildquelle: picture alliance / dpa

Weiterentwicklung von Apple Das Erbe von Steve Jobs

Stand: 11.11.2015 09:59 Uhr

Apple war so eng mit Steve Jobs verbunden, dass sich nach dessen Tod viele fragten, wie es mit der Firma ohne ihn weitergehen würde. Sein Nachfolger Cook managt deutlich anders - und erfüllt Jobs damit seinen letzten Wunsch.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Hörfunkstudion Los Angeles

"Was würde Steve tun? Was hätte Steve dazu gesagt?" Diese Fragen hört man bei Apple-Fans immer wieder. Man kann Steve Jobs für einen Visionär oder einen arroganten Egomanen halten, aber klar ist: Er war enorm wichtig für die Firma Apple. Und offenbar hatte Jobs schon während seiner langen Krebserkrankung die Fragen vorausgesehen. So zumindest erzählte es sein Nachfolger an der Apple-Spitze, Tim Cook, schon bei der Trauerfeuer für Jobs auf dem Firmengelände im Oktober 2011: "Einer von Jobs letzten Ratschlägen war es, nie zu fragen, was er, Steve, wohl getan hätte - sondern es 'einfach richtig' zu machen."

Vier Jahre später steht Apple wirtschaftlich glänzend da, meldet fast jedes Quartal neue Rekordgewinne und hat umgerechnet an die 200 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

Cook macht einiges anderes als Jobs

Dabei macht Cook einiges anders als sein Vorgänger. Er entmachtete zum Beispiel dessen früheren Kronprinzen Scott Forstall und gab dem Chefdesigner Johny Ive noch mehr Einfluss - das ist der muskulöse Brite mit der Glatze, dessen sanfte Stimme man aus den Apple-Werbevideos kennt.

Cook entschuldigte sich sogar in einem offen Brief bei den Kunden für Fehler in Apples Kartensoftware. Das wäre bei Jobs undenkbar gewesen. Unter Cook brachte Apple ein größeres iPhone heraus und auch ein kleineres iPad - dabei hatte Jobs noch gelästert, um so eine Mini-Version zu bedienen, müsste man sich die Finger mit Schmiergelpapier dünner schleifen.

Der neue Vorstandsvorsitzende Tim Cook. | Bildquelle: REUTERS
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Der neue Vorstandsvorsitzende Tim Cook.

Apple-Kenner und Technik-Unternehmer Alex Lindsay kam in der Online-Sendung "MacBreak Weekly" zu dem Schluss, dass Apple unter Cook vieles richtig mache - vielleicht sogar im Gegensatz zu dem, was Jobs gemacht hätte.

Und die großen Innovationen? Voriges Jahr konnte Cook erstmals die Worte sagen, die Steve Jobs so berühmt gemacht hatten: "We have one more thing". Die neue Apple Watch ist eine Verlängerung des iPhones am Handgelenk. Mit Preisen von bis zu 18.000 Euro pro Stück etabliert sich Apple zudem stärker als Mode- und Lifestyle-Marke denn als Computerhersteller. Die Uhr sei das persönlichste Produkt, dass Apple je entwickelt habe, sagte Cook.

Allerdings schweigt sich die Firma bis heute zu den Verkaufszahlen aus. Deshalb mehren sich Zweifel, ob die Uhr wirklich ein Erfolg ist. Aber selbst wenn nicht: Apple kann es sich leisten.

Mit Blick auf die interne Firmenkultur hat der Chefwechsel Apple nicht geschadet, sagt Firmengründer Alex Lindsay:

"Wenn es um Spenden für wohltätige Zwecke, politische Fragen und die Förderung von Mitarbeitern verschiedener Ethnien geht, da tut Cook eine Menge - und so muss es bei einer größeren Firma auch sein. Cook macht einen guten Job, Apple zu einem reiferen, wachsenden Unternehmen zu machen."

Endgültig zum Weltkonzern geworden

Mit Cook an der Spitze wurde Apple endgültig zum Weltkonzern. Unter Jobs spielte China zum Beispiel kaum eine Rolle - heute steht der chinesische Markt für ein Fünftel von Apples Gesamtumsatz, mit Einnahmen von zuletzt mehr als zwölf Milliarden Euro im Quartal - wichtiger als Europa. Dafür geht Cook allerdings auch Kompromisse ein. Zum Beispiel bietet Apple in China seine neue Nachrichten-App gar nicht erst an - vermutlich sehr zur Freude der chinesischen Zensoren.

Jobs ist bekannt für den Mac, für iPod, iPhone und iPad. Im Nachhinein wird aber deutlich: Das wichtigste Produkt, das er entwickelt hat, war die Firma Apple selbst, deren Erfolg in einem hart umkämpften Markt auch Jahre nach seinem Tod ungebrochen ist.

Das Erbe von Steve Jobs: Apple ohne seinen (Über-)Vater
W. Stuflesser, ARD Los Angeles
11.11.2015 09:01 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 11. November 2015 um 16:27 Uhr auf NDR Info.

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