Anschlag in Barcelona | Bildquelle: dpa

Terrorismus in Spanien Schockierend, aber nicht überraschend

Stand: 18.08.2017 03:15 Uhr

Dass nun auch Spanien von einem Terroranschlag getroffen wird, schockiert zwar, überrascht aber nicht. Die Warnstufe ist dauerhaft hoch, in diesem Jahr vereitelten die Sicherheitsbehörden bereits mehrere Attacken. Eine Analyse der Hintergründe des Terrorismus in Spanien.

Von Ute Brucker, SWR

Nizza, Berlin, London, Stockholm - und nun Barcelona. Immer wieder überrollen Terroristen mit Fahrzeugen gezielt Passanten. Was heute in der Hauptstadt Kataloniens geschah, ist der schwerste Terroranschlag in Spanien seit dem 11. März 2004. Sprengstoff detonierte damals in vier Madrider Vorortzügen und riss 191 Menschen in den Tod. Seither hatte Spanien scheinbar Ruhe vor islamistischem Terrorismus. Doch das, was sich 2004 manifestierte, lebte an den Rändern der spanischen Gesellschaft weiter.

Zweite Generation von Immigranten

Die zweite Generation der Immigranten aus Nordafrika, junge Männer aus marokkanischen oder tunesischen Familien, manche scheinbar gut integriert, teils aber auch im kleinkriminellen Milieu, stießen in ihrem sozialen Umfeld auf radikale "Influencer". Deren Brüder, Cousins oder Internetfreunde animierten sie, etwas gegen die Ungerechtigkeit des Krieges in Syrien zu unternehmen und sich dem sogenannten "Islamischen Staat" anzuschließen. Seit dieser im Irak und Syrien an Gelände verliert, begehen seine Mitglieder auch vermehrt Anschläge in Europa.

Auch wenn noch nicht viel über die mutmaßlichen Täter bekannt ist: Die Anziehungskraft der Dschihadisten aus dem selbsternannten Kalifat ergriff die iberische Halbinsel wie den Rest Europas. Mehr noch, Geographie und Historie wirkten hier als Katalysatoren: Die meisten islamistischen Gefährder verhaftete die spanische Polizei nach Angaben des Forschungsinstituts Elcano neben den Metropolen in den spanischen Exklaven in Nordafrika, Ceuta und Melilla.

Ideologische Vorlagen

Und die "Rückeroberung" des einstmals arabischen Al Andalus hatte bereits Al Kaida im Programm, der IS musste hier nur auf "copy and paste" drücken.

Ein Anschlag in Spanien war lange angekündigt. Dass er nun kam, schockiert - überrascht aber keineswegs. Die wachsamen Behörden hatten bereits mehrere Pläne vereitelt: alleine in diesem Jahr durch Festnahmen auf Mallorca, auf den Kanaren und dem Festland. Doch maximale Sicherheit ist in diesen Zeiten nicht zu realisieren.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. August 2017 um 22:15 Uhr.

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