Baustelle im Norden der spanischen Hauptstadt Madrid | Bildquelle: REUTERS

Ein Jahr Nullzins Spanien und der Leitzins-Bumerang

Stand: 09.03.2017 14:25 Uhr

Die Europäische Zentralbank bleibt bei ihrer Nullzinspolitik, die seit nunmehr einem Jahr gilt. Ein Land, das davon sehr profitiert, ist Spanien - zumindest derzeit. Langfristig aber könnte sich der EZB-Kurs als Bumerang erweisen.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Javier schaut im Moment gerne auf seine Kontoauszüge. Der 49-Jährige zahlt seit zehn Jahren einen Kredit für ein Haus in seiner Heimatregion Galizien ab. Von der Summe, die er jeden Monat an die Bank zahlt, geht zurzeit kaum etwas für Zinsen ab. "Im Jahr 2008 haben wir gut fünf Prozent Zinsen gezahlt", sagt er. "Heute sind es nur 0,9 Prozent."

Anders als die meisten Bankkunden in Deutschland hat Javier seinen Immobilienkredit zu einem variablen Zinssatz aufgenommen. Er ist an den sogenannten Euribor gekoppelt, den Kurs, zu dem sich Geschäftsbanken untereinander Geld leihen. Und der Euribor wiederum orientiert sich am Leitzins. Rund 90 Prozent der spanischen Immobilienkredite, die in den vergangenen Jahren abgeschlossen wurden, haben einen variablen Zinssatz.

"Es war die Zeit der Immobilienblase. Jeder konnte sich plötzlich ein Haus kaufen", erinnert sich Javier. "Man ging in eine Bank und der Angestellte bot einem gleich einen Kredit an - auch noch für ein neues Auto. Weil der Angestellte auf einen variablen Zins schwor, hast Du den Vertrag blind unterschrieben."

Metro-Station an der spanischen Zentralbank in Madrid | Bildquelle: AFP
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Bei der spanischen Zentralbank in Madrid freut man sich über das billige Geld von der EZB.

Krise, welche Krise?

Neben den Bankkunden kommen die niedrigen Zinsen auch dem spanischen Staat zugute. Er kann sich günstig frisches Geld auf den Finanzmärkten beschaffen und damit quasi das Tagesgeschäft bestreiten. Deshalb ist von einer Krise in Spanien auf den ersten Blick auch nicht mehr viel zu sehen. Die Regierung hebt bei jeder Gelegenheit hervor, dass die Wirtschaft wieder wächst - und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank aus ihrer Sicht sinnvoll ist.

"Kurzfristig gesehen läuft die Konjunktur in Spanien sehr gut", sagt Wirtschaftsminister Luis de Guindos. "Wir sind eines der Länder in Europa, das am stärksten zulegt. Ich bin mir sicher, dass unser Wirtschaftswachstum in diesem Jahr bei 3,1 Prozent liegen wird - und dass es 2018 so erfolgreich weitergeht."

Was bezweckt die EZB mit ihrem Niedrigzins-Kurs?
tagesschau24 15:30 Uhr, 09.03.2017, Bernd Wode, ARD-aktuell

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Sorgen macht die Null-Zins-Politik der EZB allerdings den spanischen Geschäftsbanken. Sie verdienen am Kreditgeschäft deutlich weniger - anders als in Zeiten hoher Zinsen. Experten sehen das Bankensystem dadurch bedroht, wie Manuel Romera von der IE Business School in Madrid: "Ein niedriger Leitzins, den die EZB nun einmal auf null Prozent gesetzt hat, ist ein großes Problem für die Banken. Das Anlegen und das Verleihen von Geld sind das Kerngeschäft einer Bank. Doch die Gewinnmarge ist im Moment winzig."

Aufschwung auf Pump

Kritiker des EZB-Kurses warnen außerdem: Spaniens aktuell komfortable Lage sei auf Pump finanziert, mit günstigen Krediten. Durch sie habe das Land keinen Druck, tiefgreifende Reformen anzugehen, um zum Beispiel seine hohen Staatsschulden zurückzuzahlen.

Auch Javier mit seinem Immobilienkredit sieht die Niedrigzins-Politik kritisch. Er zahlt zwar im Moment kaum Zinsen an die Bank, bekommt aber auch nichts für sein Erspartes. Und: "Wir müssen noch 17 Jahre lang unseren Hauskredit abbezahlen. In dieser Zeit können die Zinsen wieder auf fünf Prozent steigen oder höher. Wenn sie unten bleiben, war der Kredit mit variablem Zins eine super Entscheidung. Wenn nicht, war es eine schlechte."

Ein Jahr Nullzins: Spanien profitiert vom EZB-Kurs
O. Neuroth, ARD Madrid
09.03.2017 09:43 Uhr

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