Auf einem Friedhof ist ein hölzernes Kreuz mit dem Namen "Jan Kuciak" zu sehen | Bildquelle: AFP

Ermordeter slowakischer Journalist EU-Parlament will Todesfall untersuchen

Stand: 03.03.2018 22:51 Uhr

Nach dem Mord an dem slowakischen Journalisten Kuciak steht Regierungschef Fico zunehmend unter Druck. Das EU-Parlament will voraussichtlich kommende Woche eine Delegation in die Slowakei schicken.

Der Mord an dem slowakischen Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak bekommt eine immer größere politische Dimension: Das Europaparlament werde voraussichtlich kommende Woche eine Delegation in die Slowakei schicken, um den Fall zu untersuchen, sagte die deutsche EU-Abgeordnete Ingeborg Gräßle (CDU). Damit gerät Regierungschef Robert Fico im In- und Ausland zunehmend unter Druck.

Die Partei Most Hid, die zu Ficos Drei-Parteien-Koalition gehört, kündigte bereits an, am 12. März über ein Ende der Zusammenarbeit zu beraten. Most Hid hatte wegen des Mordes an Kuciak den Rücktritt von Innenminister Robert Kalinak gefordert. Weil dieser sich weigerte, stellt die Partei nun die Koalition mit Ficos sozialdemokratischer Partei Smer-SD in Frage.

Europaweit Empörung und Sorgen

Fico lobte eine Belohnung von einer Million Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen. Zudem betonte er, seine Regierung werde das Recht auf freie Meinungsäußerung und die Sicherheit von Journalisten schützen. In der Vergangenheit hatte Fico Journalisten beschimpft.

Eine Menschenmenge demonstriert mit einem langen schwarzen Spruchband mit weißer Schrift. | Bildquelle: AFP
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Mehrere tausend Menschen demonstrierten in der Slowakei gegen Korruption.

Die Ermordung des Investigativjournalisten und seiner Verlobten hatte europaweit Empörung und Sorgen über die Wahrung der Pressefreiheit in EU-Staaten ausgelöst. Am Freitag gingen mehrere Tausend zumeist junge Slowaken auf die Straßen, um Kuciaks zu gedenken und gegen Korruption zu demonstrieren.

Alle Verdächtigen wieder freigelassen

Nach dem Mord an Kuciak ließen die slowakischen Behörden alle Verdächtigen wieder frei, die im Zuge der Ermittlungen festgenommen worden waren. Die sieben Personen seien nach 48 Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden, sagte eine Polizeisprecherin. In der Zeit sei untersucht worden, ob eine Anzeige gerechtfertigt sei. Bei den Verdächtigen soll es sich auch um Personen handeln, über die Kuciak für seinen letzten Artikel recherchiert hatte.

Kuciak war am vergangenen Wochenende gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in deren Haus erschossen aufgefunden worden. Der 27-Jährige hatte über Straftaten von Geschäftsleuten berichtet, von denen manche Verbindungen zu Politikern hatten.

Jan Kuciak
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Der slowakische Enthüllungsjournalist Jan Kuciak wurde laut Polizei mit Schüssen in Brust und Kopf getötet.

Gelder der EU veruntreut?

Der Slowake war seit 2015 Redakteur des Newsportals Aktuality.sk, das zu Ringier Axel Springer Slovakia gehört. In seinem letzten, posthum veröffentlichten Artikel hatte Kuciak Verbindungen der slowakischen Regierung zu italienischen Geschäftsmännern mit Kontakten zur Mafia offengelegt. Mithilfe dieses Netzwerks sollen dem Journalisten zufolge in der Slowakei Steuern hinterzogen und Gelder der EU veruntreut worden sein.

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