Polizisten in Salisbury an der Bank, wo Skripal und seine Tochter gefunden wurden. | Bildquelle: AFP

Fall Skripal Verdächtige identifiziert - oder nicht?

Stand: 19.07.2018 16:16 Uhr

Erst hieß es in Großbritannien, man habe im Fall Skripal Verdächtige des Giftanschlags identifiziert. Nun erklärte der Staatssekretär für Sicherheit, Wallace, dies seien nur "wilde Spekulationen".

Der britische Sicherheitsstaatssekretär Ben Wallace hat Berichte zurückgewiesen, dass im Fall Skripal Verdächtige identifiziert worden seien. Auf Twitter schrieb er: "Ich denke, diese Geschichte gehört in den 'schlecht informiert und wilde Spekulationen'-Ordner."

Zuvor hatte die britische Nachrichtenagentur Press Association (PA) unter Berufung auf Ermittlerkreise gemeldet, die Ermittler seien "sicher", dass es sich um Russen handele. Die Verdächtigen seien in einem Abgleich von Aufnahmen von Überwachungskameras mit Listen der Personen, die um die Tatzeit nach Großbritannien eingereist seien, herausgefiltert worden.

Auch der Sender CNN hatte unter Berufung auf Ermittlerkreise gemeldet, es seien insgesamt zwei russische Verdächtige identifiziert worden. Kurz nach dem Giftanschlag hätten britische Dienste in Zypern eine verschlüsselte Nachricht aus Moskau abgefangen, derzufolge die beiden Russen Großbritannien kurz nach dem Anschlag verlassen hatten.

Scotland Yard wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren.

Russland verlangt Beweise

Russland hatte eine offizielle Erklärung der britischen Behörden zu den Verdächtigungen gefordert. "Ich will das von Scotland Yard oder dem Außenministerium hören", nicht aus der Presse, sagte der russische Botschafter in Großbritannien, Alexander Jakowenko, der Agentur Interfax zufolge in Moskau.

Polizistinnen vor dem Wohnhaus von Sergej Skripal in Salisbury (Archivbild). | Bildquelle: REUTERS
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Polizistinnen vor dem Wohnhaus von Sergej Skripal in Salisbury (Archivbild): Im März wurden der Ex-Spion und seine Tochter Julia vergiftet.

Skripal und seine Tochter waren im März in Salisbury mit dem Nervengas Nowitschok vergiftet worden und mussten wochenlang im Krankenhaus behandelt werden.

Gegenseitige Diplomatenausweisungen

Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus: London bezichtigte Moskau, Drahtzieher des versuchten Mordanschlags auf die Skripals gewesen zu sein. Mehr als zwei Dutzend Länder wiesen russische Diplomaten aus. Russland reagierte ebenfalls mit Ausweisungen. Der Kampfstoff Nowitschok war in den 1970er- und 1980er-Jahren in der Sowjetunion entwickelt worden.

Nowitschok-Opfer in Amesbury

Anfang Juli war ein Paar im südenglichen Amesbury, unweit von Salisbury, ebenfalls mit Nowitschok in Berührung gekommen. Die Frau starb, ihr Mann wird weiter im Krankenhaus behandelt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar versehentlich mit dem Nervengift in Berührung gekommen war.

Experten untersuchen nach Polizeiangaben, ob das in Amesbury entdeckte Nervengift aus derselben Charge stammt wie das, mit dem die Skripals vergiftet wurden. Zudem versucht die Polizei herauszufinden, woher die Flasche kommt, die in Amesbury entdeckt wurde.

Nowitschok-Anschlag: Mutmaßliche Täter identifiziert
Anne Demmer, ARD London
19.07.2018 11:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juli 2018 um 09:45 Uhr.

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