Pakistans Ex-Premier Nawaz Sharif sitzt mit seiner Tochter im Flieger nach Lahore. | Bildquelle: AFP

Pakistan Ex-Premier Sharif bei Rückkehr festgenommen

Stand: 14.07.2018 03:36 Uhr

Vergangene Woche war er in Abwesenheit zu Gefängnis verurteilt worden - jetzt ist Pakistans Ex-Premier Sharif bei der Rückkehr in seine Heimat festgenommen worden. Im Land stehen Parlamentswahlen an.

Gut eine Woche vor der Parlamentswahl in Pakistan sind der Ex-Premier Nawaz Sharif und seine Tochter in ihr Heimatland zurückgekehrt und bei der Ankunft in Lahore festgenommen worden. Vertreter der Antikorruptionsbehörde hätten sie in die Hauptstadt Islamabad gebracht, teilten die Behörden mit.

Ein Gericht in Islamabad hatte Sharif vergangene Woche in Abwesenheit wegen Korruption zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil bedeutet einen schweren Rückschlag für Sharifs regierende Muslimliga vor der am 25. Juli beginnenden Parlamentswahl.

Tausende Anhänger auf der Straße

An Bord des Fliegers nach Lahore hatte Sharif zu Reuters-Journalisten gesagt: "Ich bin mir im Klaren, das ich festgenommen werde, aber das ist ein kleiner Preis für das Recht, zu wählen."

Vor den Toren Lahores versammelten sich am Abend Tausende Anhänger des Ex-Premiers. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Wenige Stunden zuvor war der Wahlkampf im Land von einem blutigen Selbstmordanschlag erschüttert worden. Dabei wurden in der Stadt Mastung in der Provinz Balutschistan nach Behördenangaben mindestens 128 Menschen getötet. Es war der dritte Anschlag in dieser Woche.

Sharif stolperte über "PanamaPapers"

Sharif war im vergangenen Oktober wegen mutmaßlicher Korruption angeklagt worden. Ihm wurden Enthüllungen aus den sogenannten PanamaPapers zum Verhängnis. Diese bringen drei seiner Kinder mit Steuerhinterziehung und Geldwäsche in Zusammenhang. Über Briefkastenfirmen soll nach Ansicht der Justiz auch Sharif profitiert haben.

Der Ex-Premier wirft dem Militär des Landes vor, eine "Hexenjagd" gegen ihn und seine Partei zu betreiben. Das Militär weist den Vorwurf der Einmischung in die Politik zurück. Ein Militärsprecher kündigte an, es sollten gut 350.000 Soldaten für die Überwachung der Parlamantswahl abgestellt werden, um eine "freie und faire Abstimmung" zu gewährleisten.

Laut jüngsten Umfragen könnte Sharifs Muslimliga ihre Mehrheit an die Partei des Ex-Cricket-Spielers Imran Khan verlieren. Der punktet bei der Bevölkerung offenbar mit seinen Antikorruptions-Versprechen.

Lebenslanges Politikverbot

Sharif, der sich zuletzt in London aufhielt, wo sich seine Frau einer Krebsbehandlung unterzieht, war im Juli vergangenen Jahres vom Obersten Gerichtshof Pakistans seines Amtes enthoben worden - wegen Korruptionsvorwürfen. Er war damit der 15. Regierungschef in der 70-jährigen Geschichte Pakistans, der vor Ende seiner Amtszeit abgesetzt wurde. 

Im April dieses Jahres hatte das Oberste Gericht bereits ein lebenslanges Politikverbot für Sharif erlassen. Die Muslimliga wird seitdem von seinem Bruder Shahbaz Sharif geführt. Dieser ist derzeit Regierungschef von Punjab, der größten Provinz Pakistans.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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