Saudi-arabische Soldaten während einer Militärparade 2011. | Bildquelle: dpa

Kampf gegen IS in Syrien Saudi-Arabien zu Bodeneinsatz bereit

Stand: 05.02.2016 09:02 Uhr

Saudi-Arabien hat seine Bereitschaft zur Entsendung von Bodentruppen für den Kampf gegen den IS in Syrien bekundet. Sollte sich die US-geführte Koalition zu einem Bodeneinsatz entscheiden, "werden wir positiv dazu beitragen", sagte ein Regierungsvertreter.

Das Königreich Saudi-Arabien hat seine Bereitschaft zur Beteiligung an Bodentruppen im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien erklärt. Ein Berater des Verteidigungsministers sagte, wenn die von den USA angeführte Anti-IS-Koalition sich entscheide, eine solche Militäraktion zu starten, wäre das Königreich dabei.

General Ahmed Asseri sagte dem Fernsehsender Al-Arabija, dass die saudi-arabische Luftwaffe seit 2014 mehr als 190 Einsätze in Syrien geflogen habe. Für einen Sieg über den IS sei es aber notwendig, Luftangriffe und Einsätze von Bodentruppen zu kombinieren. Wenn es darüber einen Konsens in der Koalition gebe, sei Saudi-Arabien bereit mitzumachen. Die Regierung in Riad unterstützt in dem Bürgerkrieg die Gegner von Machthaber Bashar al-Assad.

Mehrere Länder des von den USA geführten internationalen Bündnisses fliegen Luftangriffe gegen IS-Stellungen in Syrien und im Irak. Russland unterstützt seinerseits das syrische Regime mit Luftangriffen.

Bodentruppen derzeit unwahrscheinlich

Der US-Verteidigungsminister Ashton Carter zeigte sich erfreut, dass Saudi-Arabien sich mehr im Kampf gegen die Terrormiliz engagieren will. Durch eine größere Beteiligung der Verbündeten könnte der Kampf gegen den IS intensiviert werden, sagte er bei einem Besuch der Luftwaffenbasis Nellis in Nevada. Er kündigte an, in der kommenden Woche mit seinem saudi-arabischen Amtskollegen über das Angebot zu sprechen.

Die Besatzung eines russischen Su-24 Kampfflugzeugs bereitet ihren Abflug von einer Basis nahe Latakia vor (Oktober 2015) | Bildquelle: REUTERS
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Ein russisches Su-24 Kampfflugzeug auf einer Basis nahe Latakia (Oktober 2015)

Der Einsatz internationaler Bodentruppen gilt derzeit aber als unwahrscheinlich. Staaten wie die USA haben dies bislang ausgeschlossen. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin hat einer Entsendung von Bodentruppen eine Absage erteilt. Russland betreibt eine Armeebasis in der Küstenstadt Tartus und einen Luftwaffenstützpunkt nahe Latakia. Beide Stützpunkte werden von russischen Soldaten bewacht, diese kämpfen aber nicht an der Front.

Die syrische Armee wird zurzeit von Kämpfern aus dem Libanon und Iran unterstützt. Nach dem jahrelangen Bürgerkrieg gilt das Heer Assads als geschwächt.

Affront für Russland

ARD-Korrespondent Volker Schwenck erklärte in den tagesthemen, die Entsendung saudi-arabischer Soldaten sei zwar sehr unwahrscheinlich, könnte aber weitreichende Folgen haben. Denn ein solcher Schritt würde einen Affront in Richtung Russland und Iran bedeuten - die sich für Machthaber Assad einsetzen. Möglicherweise sei die Maßnahme auf Initiative des jungen Verteidigungsministers Saudi-Arabiens zurückzuführen, der als besonders aggressiv gelte.

Volker Schwenck, ARD Kairo, über die Friedensverhandlungen
tagesthemen 22:15 Uhr, 04.02.2016

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IS verliert angeblich viele Kämpfer

Die internationalen Luftangriffe auf Stellungen des IS zeigen nach Erkenntnissen der US-Nachrichtendienste Wirkung: Seit 2014 habe die Terrorgruppe in Syrien und dem Irak etwa ein Fünftel ihrer Kämpfer verloren. Die Islamisten verfügten noch über 19.000 bis 25.000 Kämpfer, hieß es in dem Bericht, den das Präsidialamt veröffentlichte. Vor zwei Jahren seien es schätzungsweise 20.000 bis 31.000 gewesen.

Neben den Verlusten auf dem Schlachtfeld, Fahnenflucht und den Folgen von "internen Disziplinierungsmaßnahmen" sei ein weiterer Grund für den Rückgang die größeren Hindernisse für Ausländer, sich dem IS in Syrien anzuschließen. Hier zeigten die Maßnahmen der Staatengemeinschaft Wirkung, lobte ein Sprecher des Präsidialamtes.

Möglicherweise verlagert der IS seine Aktivitäten auch in andere Staaten. Islamisten aus dem Irak und Syrien könnten dem Aufruf der IS-Führung gefolgt sein, in Libyen zu kämpfen. Zahlen dazu legte das US-Präsidialamt allerdings nicht vor.

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