Demonstranten vor der türkischen Botschaft in Moskau | Bildquelle: dpa

Konflikt mit der Türkei Wut in Moskau über "Hinterhalt"

Stand: 25.11.2015 17:29 Uhr

Die Empörung in Moskau über den Abschuss seines Kampfflugzeugs ist in Gewalt umgeschlagen. Demonstranten attackierten die türkische Botschaft mit Steinen. Außenminister Lawrow warf der Türkei eine "geplante Provokation" vor. Der Pilot der Maschine bestritt, vor dem Abschuss gewarnt worden zu sein.

Am Tag nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe richtet die russische Regierung weiter massive Vorwürfe gegen die Türkei und lässt zudem öffentlicher Wut freien Lauf.

Außenminister Sergej Lawrow betonte mit Blick auf den Abschuss, Russland habe "ernsthafte Zweifel daran, dass dies unbeabsichtigt war". Die Regierung habe genügend Informationen, dass der Abschuss im türkisch-syrischen Grenzgebiet geplant gewesen sei, sagte er nach einem Telefonat mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu. "Dies war ganz offensichtlich ein Hinterhalt: Sie warteten, beobachteten und haben einen Vorwand gesucht", meinte Lawrow.

Moskau wird Lawrow zufolge deshalb die Beziehungen zu Ankara überprüfen. Er betonte aber zugleich, Russland habe nicht die Absicht, Krieg gegen die Türkei zu führen. Die Einstellung zum türkischen Volk habe sich nicht geändert. "Wir haben nur Zweifel an der türkischen Führung."

Russland bleibt gegen der Türkei hart
Dornblüth Gesine, ARD Moskau
25.11.2015 17:38 Uhr

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Kein Bedarf nach einem Treffen

Auch deshalb wird es vorerst kein Treffen zwischen Lawrow und Cavusoglu geben. Wie die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtet, habe Lawrow einen entsprechenden Vorschlag Cavusoglus abgelehnt. Das türkische Außenministerium hatte zuvor gemeldet, beide Minister hätten ein Treffen "in den kommenden Tagen" verabredet.

Welche speziellen Maßnahmen Russland nun gegenüber der Türkei ergreifen will, blieb auch der Pressekonferenz Lawrows offen. Die gestern ausgesprochene Empfehlung an Russen, von Besuchen in die Türkei abzusehen, basiere auf extremistischen Bedrohungen in dem Land, so Lawrow.

Verteidigungsminister Sergej Schoigu hatte zuvor angekündigt, die russischen Einheiten in Syrien mit einem Luftabwehrsystem auszustatten. Ministerpräsident Dmitri Medwedew hatte der Türkei zudem angedroht, gemeinsame Wirtschaftsprojekte zu stoppen. Auch er führte dabei aber nicht aus, welche er damit meinte.

Krawalle vor der Botschaft

In der russischen Hauptstadt eskalierten zugleich Proteste vor der türkischen Botschaft. Vor den Augen der Polizei schleuderten aufgebrachte Bürger Steine, Farbbeutel und Eier auf das Gebäude. Rund ein Dutzend Fensterscheiben gingen dabei zu Bruch.

Die Polizei forderte die Demonstranten zwar auf, den Protest abzubrechen, schritt aber zunächst nicht ein. Das ist ungewöhnlich für Moskau, wo selbst kleine Demonstrationen von Regierungsgegnern in der Regel durch einen harten Polizeieinsatz drangsaliert werden.

Demonstrant in Moskau wirft einen Stein auf die türkische Botschaft | Bildquelle: AFP
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Ungehindert konnten Demonstranten Steine auf die Botschaft werfen.

Zerborstene Scheiben in der türkischen Botschaft in Moskau | Bildquelle: AP
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Das sichtbare Resultat: zerborstene Fensterscheiben

Bundesregierung zeigt sich besorgt

Die Bundesregierung rief Russland und den NATO-Partner Türkei auf, eine Verschärfung ihres Konflikts zu vermeiden. "Wir sind sehr besorgt über diesen Zwischenfall", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Moskau und Ankara müssten alles unternehmen, um eine weitere Eskalation über diesen Vorfall hinaus zu vermeiden. Beide Seiten sollten in einen direkten Dialog darüber eintreten.

Verhältnis zwischen Russland und der Türkei angespannt
tagesthemen 22:15 Uhr, 25.11.2015, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Ein Pilot überlebte

Die Türkei hatte gestern einen russischen Kampfjet abgeschossen und dies damit begründet, Warnungen nach dem Eindringen in den türkischen Luftraum seien missachtet worden. Russland versicherte hingegen, die getroffene Maschine sei nur über syrischem Gebiet geflogen. Präsident Wladimir Putin kritisierte den Abschuss scharf und erklärte, die Türkei sei Russland in den Rücken gefallen.

Ein Pilot der abgeschossenen Maschine wurde nach russischen Angaben von der syrischen Armee gerettet. Spezialeinheiten hätten den Soldaten aus einem von Rebellen kontrollierten Gebiet in Sicherheit und zum Stützpunkt Latakia gebracht. Der andere Pilot war nach dem Abschuss der Suchoj-24 ums Leben gekommen. Rebellen hatten die Soldaten unter Beschuss genommen, als sie versuchten, sich mit dem Fallschirm zu retten.

Zwei Versionen

Beide Seiten stellen den Vorgang nach wie vor unterschiedlich dar. Umstritten ist, ob die russische Maschine überhaupt in den türkischen Luftraum eingedrungen war und ob sie vor dem Beschuss durch die türkische Luftwaffe gewarnt worden war.

Der überlebende Pilot des abgeschossenen Kampfjets bestritt die Darstellung des türkischen Militärs. "Es gab keine Warnungen, nicht per Funk, nicht visuell, wir hatten überhaupt keinen Kontakt", sagte Konstantin Murachtin der Agentur Interfax zufolge. Die Türkei hatte mitgeteilt, die russische Suchoi SU-24 vor dem fatalen Raketentreffer mehrfach und über mehrere Minuten hinweg kontaktiert zu haben.

Die Rakete des türkischen F-16-Kampfflugzeugs sei plötzlich und unangekündigt von hinten eingeschlagen, sagte Murachtin. Ein Abwehrmanöver sei nicht möglich gewesen.

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