Idlib im Nordwesten Syriens nach einem gemeldeten russischen Luftschlag | Bildquelle: AFP

Amnesty-Bericht zu Einsatz in Syrien Russland soll Hunderte Zivilisten getötet haben

Stand: 23.12.2015 17:08 Uhr

Bei den Einsätzen der russischen Luftwaffe in Syrien sollen nach Angaben von Amnesty International etwa 200 Zivilisten getötet worden sein. Die Organisation sprach von möglichen Kriegsverbrechen. Die russische Regierung warf Amnesty Fälschungen vor.

Die Einsätze der russischen Luftwaffe in Syrien kosten nach Darstellung von Amnesty International zahlreiche Zivilisten das Leben und hinterlassen schwere Schäden in Wohngebieten. Es seien eine Moschee, ein Markt und medizinische Einrichtungen getroffen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation in London mit. Bei einigen der Angriffe könne es sich um Kriegsverbrechen gehandelt haben.

Der Amnesty-Bericht konzentriert sich auf rund 25 Angriffe zwischen Ende September und Ende November dieses Jahres, als Städte werden unter anderem Homs, Idlib und Aleppo angeführt. Es seien rund 200 Zivilisten ums Leben gekommen, berichtet die Organisation. Sie wirft der Regierung in Moskau vor, falsche Angaben zu zivilen Opfern gemacht zu haben. Zudem gebe es Hinweise darauf, dass russische Soldaten Streumunition und Bomben ohne Lenksysteme in dicht besiedelten Gebieten einsetzten. In einigen Fällen habe es kein erkennbares militärisches Ziel gegeben.

Russland spricht von Fälschungen

Das russische Verteidigungsministerium wies die Vorwürfe zurück. Der Bericht bestehe aus Fälschungen, behauptete Igor Konaschenkow vom Verteidigungsministerium in Moskau. Der Text bleibe mit Worten wie "vermutlich" und "möglicherweise" sehr vage und enthalte keine konkreten Beweise. Die Menschenrechtsorganisation könne keine verlässlichen Informationen über die Ziele der russischen Kampfjets in dem Bürgerkriegsland haben, meinte Konaschenkow. Außerdem setze die russische Luftwaffe keine Streubomben ein.

Unabhängige Untersuchung gefordert

"Es ist unbedingt notwendig, dass die mutmaßlichen Verstöße unabhängig und unparteiisch untersucht werden", sagte der Mitteilung zufolge Philip Luther, der bei Amnesty für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig ist. Für den Bericht hat die Organisation nach eigenen Angaben unter anderem Augenzeugen befragt und Bildmaterial ausgewertet.

In Syrien herrscht seit fast fünf Jahren Bürgerkrieg. Im Sommer vergangenen Jahres eroberte zudem die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) große Teile des Landes und des benachbarten Nordiraks. Einheimische Truppen und eine internationale Allianz unter Führung der USA bekämpfen den IS in beiden Ländern aus der Luft. Russland fliegt seit Ende September Luftangriffe in Syrien: Sie richten sich gegen den IS, aber auch gegen andere Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2015 um 09:00 Uhr.

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