Unterzeichnung der Römischen Verträge | Bildquelle: dpa

60 Jahre Römische Verträge Europas Geburtsstunde

Stand: 25.03.2017 10:41 Uhr

Am 25. März 1957 fiel der Startschuss zur heutigen EU: An diesem Tag wurden die Römischen Verträge unterzeichnet. Es begann eine einmalige Erfolgsgeschichte - an diese erinnern sich momentan allerdings nur noch wenige.

Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Die Unterzeichnung der Römischen Verträge am 25. März 1957 auf dem Kapitol in Rom war eine Geburtsstunde. Und das war denen, die die Verträge damals unterzeichneten, auch durchaus bewusst. So sprach der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer in seiner Rede von einem "großen Schritt" zur Einigung Europas.

Sechs Länder taten sich zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und zur Europäischen Atomgemeinschaft zusammen: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande und Luxemburg. Fünf dieser Länder waren im zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzt gewesen. Die Politiker, die die Verträge ausgehandelt hatten, hatten den Nazi-Terror erlebt - und gerade das sorgte für eine Annäherung.

Die Erinnerung an der Krieg war noch frisch

"1957 war der Zweite Weltkrieg erst seit zwölf Jahren vorbei. Das Kriegsende hatten noch alle im Kopf und die Kriegstraumata auch", sagt Lutz Klinkhammer, stellvertretender Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom. "Man wollte einen künftigen Krieg verhindern und Frieden schaffen, vor allem zwischen Deutschland und Frankreich. Dies war der Ausgangspunkt für die Römischen Verträge, die dann auf dem Kapitol unterzeichnet wurden."

Die politische Lage hatte sich zwölf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als Europa in Trümmern lag, bereits geändert. Der Kalte Krieg war zwar nicht gerade plötzlich ausgebrochen, aber doch Realität. Der Gegensatz zwischen Ost und West hatte sich schon in heftigen Konflikten, wie der Berlin-Blockade, entladen.

Unterzeichnung der Römischen Verträge | Bildquelle: dpa
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Blick in den Konferenzsaal kurz vor der Unterzeichnung der Europa-Verträge am 25.03.1957 in Rom. Von links Bundeskanzler Konrad Adenauer, der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Walter Hallstein, Ministerpräsident Antonio Segni, Außenminister Gaetano Martino (beide Italien) und Luxemburgs Ministerpräsident Joseph Bech.

Sorge um die Zukunft schweißte zusammen

So entstand die Einheit Europas nicht zuletzt auch aus Sorge um die Zukunft, sagt der italienische Politikwissenschaftlicher Angelo Bolaffi: "Die Bedrohung durch Russland erzeugte Druck. So wie das heute mit Trump sein könnte. Die Angst drängte auch die Staaten zum Zusammenschluss, die sonst Probleme gehabt hätten. Rom war also das politisch-spirituelle Zentrum einer Idee von Europa."

Daneben war diese Idee von Europa vor allem auch eine wirtschaftliche. Der Wirtschaftsaufschwung sollte durch Abbau von Handelshemmnissen, durch den freien Verkehr von Waren, Menschen und Ideen weiter steigen und das führte letztendlich dazu, dass sich nach und nach immer mehr Staaten der Union anschlossen.

Letztendlich führte diese Sogwirkung zu den Maastricht- und Lissabon-Verträgen, meint der Historiker Klinkhammer: "Die Grundidee war, über einen wirtschaftlichen Zusammenschluss Frieden und Wohlstand zu schaffen. Und diese Kombination, einerseits Handelserleichterungen zu schaffen und damit Wohlstand zu bringen, und gleichzeitig Sicherungen gegen einen eventuellen künftigen Krieg einzubauen, war sehr attraktiv."

Die Bedingungen haben sich geändert

Doch das, was 1957 die Keimzelle für die Einheit Europas war, gilt mittlerweile nicht mehr. Der Zerfall der Sowjetunion, der Fall der Mauer haben den Kalten Krieg beendet. Die Erinnerung an den Krieg sind längst verblasst, und die Achsen Europas haben sich mit vielen neuen Mitgliedstaaten im Osten verschoben. Und lange Jahre der Wirtschaftskrise waren schädlich für das gemeinsame Projekt Europa.

Deshalb tauge der Geist der Römischen Verträge nur bedingt zu einer Wiederbelebung Europas, sagt Bolaffi. Es gebe schlicht nicht mehr die Bedingungen, die nach der Unterschrift der Römischen Verträge funktioniert hätten. Deshalb müsse man heute unter den veränderten Bedingungen eigentlich neue Verträge unterschreiben. "Die Frage ist, ob das gelingt. Das ist das neue Projekt", so Bolaffi. "Ob es nun unterschiedliche Geschwindigkeiten gibt, ein Europa auf verschiedenen Ebenen mit variabler Geometrie, das hängt von der Fantasie der Politiker ab. Heute muss man das europäische Projekt im Umfeld einer anderen Geschichte neu schreiben."       

60 Jahre danach will Europa an die Römischen Verträge erinnern. Doch damit die EU aus der Krise kommt, muss weitaus mehr passieren, als der Blick zurück, die Erinnerung an den Geist von 1957. Die Wochenschau damals sprach von einem neuen, fruchtbaren Kapitel für Europa. So eines bräuchte die EU dringend auch jetzt.

Über dieses Thema berichtet tagesschau24 am 25. März 2017 um 12:05 Uhr.

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