Blick auf kleinere Rauchsäulen und einige Jugendliche in Ramallah

Nach Jerusalem-Entscheidung "Uns bleiben nur die Steine"

Stand: 11.12.2017 11:53 Uhr

Nach der US-Entscheidung zu Jerusalem ist die dritte Intifada bislang ausgeblieben. Die Palästinenser sind gespalten, ob Gewalt ein legitimes Mittel ist. In Ramallah wollen junge Männer so lange kämpfen, "bis Palästina befreit ist".

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Ein Feld im Norden von Ramallah im von Israel besetzten Westjordanland. Israelische Soldaten haben gerade mehrere Kanister mit Tränengas geschossen. Zuvor haben Palästinenser Steine in ihre Richtung geschleudert. Dicker Rauch steht in der Luft. Junge, vermummte Männer rennen zu den rauchenden Kanistern, die auf dem Boden liegen. Sie heben sie auf und werfen sie in Richtung der Soldaten.

Mit Steinschleudern gegen Soldaten

Viele von ihnen haben Steinschleudern dabei. Sie nehmen Anlauf, schwingen die Schleudern im Kreis und schießen die Steine in Richtung einer Gruppe von israelischen Soldaten.  

"Donald Trump hat etwas vergeben, was ihm gar nicht gehört", sagt ein Jugendlicher. "Jerusalem. Er hat es an Leute gegeben, die das gar nicht verdient haben. So fühle ich mich. Der sogenannte Friedensprozess hat uns bisher gar nichts gebracht. Also bleiben uns nur die Steine."

Viel Zustimmung zu Intifada

Alle hier wissen, dass der Anführer der islamistischen Hamas, Ismail Hanija, vor wenigen Tagen zu einer neuen Intifada aufgerufen hat. Zu einem Aufstand gegen Israel. Und alle hier sagen: "Das ist richtig so!"

Die Birseit-Universität liegt ein paar Kilometer nördlich von Ramallah. Vor dem Haupteingang steht Omar Kiswani, der Vorsitzende der Studentenvereinigung. Kiswani steht der Hamas nahe. Er hält Gewalt für ein legitimes Mittel des Widerstandes.

Der palästinensische Studentenführer Omar Kiswani
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Der palästinensische Studentenführer Omar Kiswani

Studentenführer verteidigt Gewalt

Er sagt: "Wir müssen unsere Rechte wiedererlangen. Was uns mit Gewalt genommen wurde, können wir uns nur mit Gewalt zurückholen." Der Studentenführer erkennt den Staat Israel nicht an. Die Bewohner von Tel Aviv nennt er "Kriminelle". Auf die Frage, ob er Terroranschläge auf israelische Zivilisten verurteile, hat er eine klare Antwort: nein.

Mit seiner Haltung bedient der Student ein Klischee. Er bestätigt das Bild von jungen Palästinensern, das Kritiker in den vergangenen Tagen immer wieder gezeichnet haben. Ob er sich und seinen Kommilitonen damit einen Gefallen tut? "Die machen das doch so oder so. Einseitige Entscheidungen treffen, wie Trump. Und behaupten, dass wir gewalttätig sind. Ob das stimmt oder nicht. Warum soll ich friedlich bleiben, wenn ich ohnehin als Verbrecher bezeichnet werde?", fragt er.

Studie: Häfte der Palästinenser gegen Gewalt

Längst nicht alle Palästinenser teilen die Positionen von Kiswani. In einer Umfrage, an der die CDU-nahe Konrad Adenauer-Stiftung beteiligt war, fordern 54 Prozent der Palästinenser: Wir müssen uns wehren, aber ohne Gewalt.

Marc Frings, der Leiter des Büros der Stiftung in Ramallah, rechnet nicht mit einer dritten Intifada. Ein Grund: Die Erinnerungen an die zweite Intifada seien noch sehr präsent: "Das war ein sehr gewaltsamer Aufstand. Da war das Bild der Selbstmordattentäter. Und eines sehr brutalen Vorgehens der israelischen Armee", so Frings.

"Diese zweite Intifada hatte keine Konsequenz. Außer Tod, Elend, Verletzten. Und im Grunde genommen, eine Anerkennung, dass die Besatzung offenbar kein Ende finden wird."

"Bis Palästina befreit ist"

Die Ausschreitungen auf dem Feld in Ramallah enden nach wenigen Minuten. Im Vergleich zu den vergangenen Tagen hat sich die Lage etwas entspannt, nicht nur in Ramallah. Aus Sicht der jungen Männer bleibt das aber nicht so. Man brauche "eine dritte Intifada, eine vierte und eine fünfte", sagt einer der Jugendlichen. Bis Palästina befreit worden sei.

Protestroutine oder Intifada? Ein Besuch in Ramallah
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
11.12.2017 10:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2017 um 13:19 Uhr.

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