Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan in Moskau | Bildquelle: REUTERS

Erdogan in Moskau Zwei, die sich wieder mögen

Stand: 10.03.2017 17:21 Uhr

Vor kurzem herrschte noch offene Feindseligkeit zwischen Russland und der Türkei. Doch davon war nichts mehr zu spüren, als Kremlchef Putin Präsident Erdogan in Moskau empfing - es wurde viel gelobt und auch wieder türkisches Obst und Gemüse gegessen.

Zu Beginn seines Treffens mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat der russische Staatschef Wladimir Putin die Zusammenarbeit mit der Türkei im Syrienkrieg als effektiv gelobt. Man arbeite aktiv an einer Lösung für den Konflikt. Einen so vertrauensvollen Dialog Russlands mit der Türkei zu Syrien habe niemand zuvor erwartet, sagte Putin.

Russland und die Türkei hatten Ende Dezember eine Waffenruhe in dem Bürgerkriegsland vermittelt, in das viele Staaten militärisch eingreifen. Im Januar und Februar hatten sie in Kasachstan Gespräche zwischen Regierungs- und Oppositionsvertretern vermittelt. Eine neue Runde soll in der kommenden Woche in Astana beginnen.

Geschlossen gegen den "Islamischen Staat"

Zwar unterstützen beide Länder unterschiedliche Konfliktparteien in dem seit 2011 andauernden Bürgerkrieg in Syrien: Moskau steht an der Seite von Präsident Baschar al-Assad, während die Türkei seine Feinde unterstützt. Doch die allgemein wieder verbesserten Beziehungen zwischen beiden Ländern führten auch zu einer immer engeren Zusammenarbeit im Syrien-Konflikt. Dort koordinieren sie unter anderem auch ihre Einsätze gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Erdogan betonte nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, es sei wichtig, Geschlossenheit beim Kampf gegen den IS und andere Milizen in Syrien zu zeigen. "In dieser Hinsicht erwarten wir besonders, dass die PYD, die der Arm der PKK in Syrien ist, ihre Aktivitäten in Moskau beendet." Die Kurdenpartei PYD ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Türkei betrachtet die PYD als Terrororganisation. In der Krise mit der Türkei hatte Moskau der PYD die Eröffnung eines eigenen Büros erlaubt.

Gemeinsame Energieprojekte

Putin und Erdogan erklärten russischen Agenturen zufolge, dass sich die noch vor wenigen Monaten zerrütteten Beziehungen ihrer Länder schnell wieder verbessert hätten. Erdogan sagte, auf das Wort "Normalisierung" der Beziehungen könne künftig verzichtet werden. "Wir haben dieses Stadium überwunden." Vor allem die großen gemeinsamen Energieprojekte kämen gut voran. Russland will die Gasfernleitung Turkish Stream durch das Schwarze Meer und das Kernkraftwerk Akkuyu im Süden der Türkei bauen. Über Turkish Stream will Russland Erdgas auch nach Südeuropa verkaufen.

Einfuhrverbote teilweise aufgehoben

Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das türkische Militär 2015 hatte zu einem Zerwürfnis zwischen beiden Ländern geführt. So hatte Russland die Türkei unter anderem mit Sanktionen bestraft. Erst nach einer Entschuldigung Erdogans im Juni 2016 normalisierte sich das Verhältnis wieder. Zum Treffen der beiden Präsidenten hob die Führung in Moskau nun ein Einfuhrverbot für Obst und Gemüse teilweise auf. Unter anderem dürften wieder Zwiebeln, Nelken, Blumenkohl und Brokkoli aus der Türkei nach Russland geliefert werden, hieß es in einer Mitteilung. In Kraft bleibe aber ein Importverbot für Tomaten, eines der wichtigsten türkischen Exportprodukte. Bereits im Oktober hatte Moskau das Embargo für einzelne Agrarerzeugnisse aufgehoben.

Es ist Erdogans zweiter Besuch in Russland seit August 2016. Geplant waren auch Gespräche zahlreicher Regierungsvertreter beider Länder. Russische Experten sagen, dass Erdogan auch wegen der Spannungen mit dem Westen den Schulterschluss mit Moskau suche. "Die Türkei will nicht mehr die Rolle des Staates im Hinterhof Europas spielen", sagte der Politologe Amur Gadschijew von der russischen Akademie der Wissenschaften. Mit einer stärkeren Orientierung an Russland wolle die Türkei dem Druck aus Brüssel ausweichen.

Erdogan zu Besuch in Moskau
tagesschau 14:00 Uhr, 10.03.2017

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. März 2017 um 15:02 Uhr

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