Eine Pussy-Riot-Aktivistin wird von Sicherheitskräften vom Spielfeld gebracht. | Bildquelle: PETER POWELL/EPA-EFE/REX/Shutter

Politische Aktion "Pussy Riot" schickt Flitzer aufs Feld

Stand: 15.07.2018 21:34 Uhr

Die Unterbrechung war kurz, aber die Welt schaute zu: Vier Flitzer stürmten beim WM-Endspiel in Moskau aufs Spielfeld. Die Aktivistengruppe "Pussy Riot" steckte dahinter - mit klaren politischen Forderungen.

Vier Flitzer haben beim Finale der Fußball-WM zwischen Frankreich und Kroatien für eine kurze Unterbrechung gesorgt. Die russische Polit-Punk-Gruppe "Pussy Riot" teilte kurz danach über die Sozialen Medien mit, die Frauen auf dem Spielfeld seien ihre Mitglieder gewesen.

"Vier Mitglieder von 'Pussy Riot' im Finale der Fußball-WM", schrieb die Gruppe bei Facebook. Dazu stellte sie eine Liste von Forderungen auf: Politische Gefangene sollten freigelassen werden, Festnahmen bei Kundgebungen sollten aufhören, das Land brauche mehr politischen Wettbewerb.

Die vier Flitzer trugen Uniformen, die an Polizisten erinnerten, und rannten fröhlich winkend mitten im Finale auf den Platz - wurden aber schnell von Sicherheitsleuten aufgehalten. Einer Aktivistin gelang es zuvor noch, mit Frankreichs Superstar Kylian Mbappe abzuklatschen. In ihrem Schreiben nannte "Pussy Riot" die Aktion "Der Polizist kommt ins Spiel".

Eine Pussy-Riot-Aktivistin wird von Sicherheitskräften vom Spielfeld gebracht. | Bildquelle: REUTERS
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Abtransport nach kurzer Störung: Eine "Pussy-Riot"-Aktivistin wird vom Spielfeld in Moskau gebracht.

Drei Frauen und ein Mann festgenommen

Die Moskauer Polizei bestätigte die Festnahme von drei Frauen und einem Mann. Sie seien auf eine Wache gebracht worden. Die Agentur Interfax meldete, ein Anwalt sei unterwegs zu den Festgenommenen.

Wenig später kursierte auf Twitter ein Video, in dem zwei der Aktivisten zu sehen sind, wie sie offenbar von einem Polizisten verhört werden - von diesem ist nur die Stimme zu hören, wie sie sagt: "Ich bedauere manchmal, dass wir nicht 1937 haben. Manchmal bedauere ich das einfach."

Das Jahr 1937 ist in der früheren Sowjetunion als Zeit des "Großen Terrors" unter Josef Stalin in Erinnerung. In diesem Zeitraum kam es zu einer massenweisen Verhaftung von 1,5 Millionen Menschen, die erschossen, in Geheimdienstgefängnissen inhaftiert und in Arbeitslager, sogenannte Gulags, gebracht wurden.

Nur kurze Spielunterbrechung

Der argentinische Schiedsrichter Nestor Pitana schien die Flitzer im ersten Moment nicht bemerkt zu haben, stoppte die Partie dann aber doch für kurze Zeit. Nachdem die Sicherheitskräfte die Störerinnen und den Störer vom Platz geführt hatten, wurde die Begegnung fortgesetzt.

Die Punkgruppe "Pussy Riot" hat in der Vergangenheit immer wieder kremlkritische Aktionen an öffentlichen Orten inszeniert. 2012 wurden drei Aktivistinnen nach einem "Punk-Gebet" in einer Kirche verhaftet, wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" verurteilt und später begnadigt.

Protest-Aktion "Pussy Riot"
Markus Sambale, ARD Moskau
16.07.2018 09:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2018 um 02:00 Uhr.

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