Flüchtlinge versuchen einen Zug in der ost-kroatischen Stadt Tovarnik zu besteigen. | Bildquelle: AFP

Suche nach Hilfe in der Flüchtlingskrise "Humanitäre Katastrophe"

Stand: 19.09.2015 13:22 Uhr

US-Außenminister Kerry spricht von einer "humanitären Katatstrophe", Kroatiens Präsidentin Grabar-Kitarovic bittet die EU um Hilfe, Österreichs Außenminister Kurz sagt: "Das System kann so nicht funktionieren." Europa und die Weltgemeinschaft suchen nach Lösungen in der Flüchtlingskrise.

6700 Flüchtlinge haben in der vergangenen Nacht wieder Österreich erreicht. Tausende weitere werden folgen. Österreich ringt um den Umgang mit der Situation. Außenminister Sebastian Kurz sagte im Deutschlandfunk: "Die Flüchtlinge werden derzeit vor allem weitergewunken, das kann nicht funktionieren."

Kein Asyl nur für die Fittesten

Kurz kritisiert, Flüchtlinge dürften nicht durch mehrere Länder wie Ungarn oder Mazedonien ziehen und das für sich beste aussuchen. Es sei zwar menschlich verständlich, könne aber nicht funktionieren. "Es kann nicht sein, dass nur die fittesten, die Schlepper bezahlen können, die Chance auf Asyl haben."

Kroatien fordert Hilfe von der EU

Auch Kroatien hat große Probleme, mit der aktuellen Situation klarzukommen. In dem Land von Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic leben 4,2 Millionen Menschen. 17.000 Flüchtlinge sind in den vergangenen drei Tagen nach Kroatien geströmt. "Wir brauchen Zusagen von der Europäischen Union, was mit den Menschen geschieht, die schon in Kroatien sind, und mit jenen, die noch durch Kroatien durchreisen wollen."

US-Außenminister Kerry bei seiner Ankunft in London (18.09.) | Bildquelle: REUTERS
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US-Außenminister Kerry bei seiner Ankunft in London (18.09.)

Die Lage in Europa sei eine "humanitäre Katastrophe", räumt US-Außenminister John Kerry bei seinem Besuch in London im Interview mit Channel 4 ein. Die USA haben bislang nur die Aufnahme von 10.000 syrischen Flüchtlingen zugesagt. Laut Kerry sei das nicht genug. Syriens Präsident Bashar al-Assad müsse gehen, aber das sei nicht der wichtigste Punkt. Der US-Außenminister setzt auf Verhandlungen und hofft dabei auf Unterstützung von Russland und dem Iran. Seine Gespräche mit dem britischen Außenminister John Hammond hätten gezeigt, dass die Weltgemeinschaft zusammen kommen müsse, um den Syrien-Konflikt zu lösen. Man könne die Flüchtlings-Situation nicht verändern, indem man die Menschen ins Land lasse. Man müsse das Problem bei der Wurzel anpacken.

Schwedens Ministerpräsident Löfven, Österreichs Bundeskanzler Faymann, Deutschlands Vize-Kanzler Gabriel | Bildquelle: REUTERS
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Schwedens Ministerpräsident Löfven, Österreichs Bundeskanzler Faymann, Deutschlands Vize-Kanzler Gabriel

Diesen Ansatz verfolgen auch Österreichs Bundeskanzler Werner Faymann und Deutschlands Vizekanzler Sigmar Gabriel. Sie fordern von der internationalen Gemeinschaft Unterstützung, um damit die Situation in der Region zu verbessern, aus der die Menschen fliehen. Die EU, aber auch die USA und Saudi-Arabien sollten mit fünf Milliarden Euro die Flüchtlingshilfe fördern. Mit dem Geld sollen das UN-Welternährungsprogramm WFP und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR di Situation für Flüchtlinge in Syriens Nachbarstaaten verbessern.

Milliardenfrage beim EU-Gipfel

Geldforderungen gibt es auch von anderen Seiten: Nach Einschätzung des Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz, sind sieben Milliarden Euro für die Flüchtlingsbetreuung im Nahen Osten nötig. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssten dieses Geld bei ihrem Gipfel am Mittwoch freigeben.

Der EU-Kommissar für Nachbarschaftspolitik und EU-Erweiterung, Johannes Hahn, hält auch Hilfe für die Türkei für wichtig. Das Land hat zwei Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien aufgenommen. Als Unterstützung dafür solle die Türkei eine Milliarde Euro erhalten, schlug Hahn vor.

Auf eine europäische Lösung hofft Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. "Es kann nicht sein, dass bei den ankommenden Hunderttausenden von Flüchtlingen am Ende sich nur vier Länder in Europa verantwortlich fühlen - Italien, Österreich, Deutschland und Schweden."

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