Jaroslaw Kaczynski | Bildquelle: AP

Rede in Polen Kaczynski verurteilt Antisemitismus

Stand: 11.02.2018 02:35 Uhr

Der Chef der polnischen Regierungspartei, Kaczynski, hat Antisemitismus in seinem Land verurteilt. Gleichzeitig verteidigte er das umstrittene "Holocaust-Gesetz" und drohte den "Feinden Polens".

Jaroslaw Kaczynski, der Vorsitzende von Polens rechtsnationaler Regierungspartei PiS, hat  sich entschieden gegen antisemitische Rhetorik ausgesprochen, zugleich aber die "Feinde" Polens beschuldigt, den Antisemitismus in seinem Land schüren zu wollen.

Vorwürfe gegen "Juden und Polen"

In einer Zwischenbemerkung warnte Kaczynski, die Polen dürften in ihrer "Verteidigung der Wahrheit" nicht den schlechten Rezepten erliegen, die ihnen ebenfalls ihre Feinde und gar der Teufel brächten. "Diese schlechte Rezeptur ist in Wahrheit eine Krankheit der Seele und des Geistes, diese Krankheit ist der Antisemitismus", sagte er. Sich von Antisemitismus zu distanzieren, bedeute aber keinesfalls, sich von der Verteidigung der polnischen Würde abbringen zu lassen. "Wir müssen die Wahrheit verteidigen über das, was in Polen während des Zweiten Weltkriegs geschehen ist", sagte Kaczynski offenbar in Anspielung auf das umstrittene polnische Holocaust-Gesetz.

Diskussion schürt offenbar Antisemitismus

Dieses stellt die historisch falsche Bezeichnung von NS-Todeslagern im besetzten Polen als "polnische Lager" ebenso unter Strafe wie den Versuch, der "polnischen Nation oder dem polnischen Staat" eine Mitschuld an den Nazi-Verbrechen zu geben Kritiker sehen darin eine mögliche Verschleierung polnischer Verbrechen an Juden im Zweiten Weltkrieg.

Die israelische Botschaft in Warschau hatte überdies zuletzt mitgeteilt, eine "Welle antisemitischer Aussagen" in Polen zu beobachten. Diese "überfluteten" die polnischen Internetkanäle, seien aber auch in staatlichen Medien präsent geworden.

Polens Präsident Andrzej Duda spricht bei einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast. | Bildquelle: dpa
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Polens Präsident Duda lässt sich von dem Soziologen Zybertowicz beraten.

Präsidentenberater spricht von "jüdischer Kollaboration"

Ein Berater des polnischen Staatspräsidenten Andrzej Duda Juden beschuldigte indes Juden der Passivität während der Shoa. Die israelische Kritik an dem Gesetz komme von einem "Gefühl der Scham über die Passivität der Juden während des Holocausts", erklärte Berater Andrzej Zybertowicz in einem Interview der Zeitung "Polska-The Times".

Die israelische Kritik an dem Gesetz sei antipolnisch und zeige, dass das Land darum kämpfe, "das Monopol am Holocaust zu behalten", erklärte der Soziologieprofessor in dem Interview. Viele Juden hätten sich im Krieg an Denunziation und Kollaboration beteiligt. Er glaube, dass Israel das noch nicht aufgearbeitet habe.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 7. Februar 2018 um 19:05 Uhr.

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