US-Präsident Donald Trump auf einer Kundgebung bei dem Luftfahrtunternehmen Atlantic Aviation in Moon Township, Pennsylvania | Bildquelle: DAVID MAXWELL/EPA-EFE/REX/Shutte

Trump wechselt Personal aus "You're fired" - Chaos in Washington

Stand: 14.03.2018 00:29 Uhr

Mit US-Außenminister Tillerson geht einer, der als Stimme der Vernunft galt in Washington. Aber nicht nur Tillerson musste abtreten - fast die Hälfte von Trumps Kernteam ist ausgetauscht.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Dieser Abgang war absehbar: Präsident Donald Trump und sein Außenminister hatten sich schon länger nichts mehr zu sagen. Ein Außenminister soll die Politik des Präsidenten und der Regierung nach außen vertreten - Rex Tillerson und Trump aber waren in wichtigen Fragen unterschiedlicher Meinung: Klimaschutz-Abkommen, Atomdeal mit dem Iran, der Umgang mit Russland.

Donald Trump sagt zwar von sich selbst, dass er Widerspruch und Streit schätzt - aber wenn er entschieden hat, dann muss seine Entscheidung auch umgesetzt werden. Sein früherer Mitarbeiter Andrew Surabian sagte, Trump dulde nicht mehr, dass seine Themen verschleppt und verzögert werden.

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Trumps Personalkarussell

David Shulkin spricht bei einer Kongressanhörung zum Budget seiner Behörde.

Veteranenminister David Shulkin wurde entlassen, nachdem eine interne Untersuchung eine teure Europareise beanstandet hatte. | Bildquelle: AP

Fast das halbe Kernteam ausgetauscht

Außenminister Tillerson ist der letzte in einer ganzen Reihe von Mitarbeitern, die Trump entließ oder die von selbst gegangen sind. Nach Berechnungen von Kathryn Dunn Tenpas von der Brookings Institution sind schon über 40 Prozent von Trumps Kernteams ausgetauscht. Damit stellt er seine Vorgänger in den Schatten, die weit weniger Umwälzungen in ihren Teams hatten.

Gary Cohn | Bildquelle: AFP
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Nur ein paar Tage vor Tillerson war der Chef-Wirtschaftsberater Gary Cohn Anfang März zurückgetreten. Insidern der US-Regierung zufolge gab Cohn unter anderem wegen seines verlorenen Kampfs gegen die angekündigten Strafzölle auf Stahl und Aluminium sein Amt auf.

Erst kürzlich verlor Trump seinen Wirtschaftsberater Gary Cohn im Streit um die Stahlzölle - wie Tillerson eine Stimme der Mäßigung, die am Ende aber überstimmt wurde und deswegen ging.

Trumps Kommunikation-Direktorin Hope Hicks verließ das Weiße Haus, nachdem sie zugeben hatte, für Trump gelogen zu haben. Hicks hatte in dem Amt übrigens schon drei Vorgänger. Stabssekretär Rob Porter musste gehen, weil herauskam, dass er seine Ex-Frauen geschlagen hatte. Und Trump persönlicher Assistent John McEntee musste das Weiße Haus am Montag sogar ohne Jacke und seine persönlichen Sachen verlassen - offenbar wegen krimineller Finanzgeschäfte.

Hope Hicks | Bildquelle: dpa
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Die jüngste Ex-Mitarbeiterin des Weißen Hauses ist gerade einmal 29 Jahre alt. Hope Hicks hatte bereits vor Trumps Präsidentschaft für sein Unternehmen gearbeitet und schmiss nach nur einem halben Jahr die Brocken hin. Einen Grund nannte sie nicht

Ein zögerlicher Präsident

Donald Trump hat sich ja einen Namen damit gemacht, dass er in seiner Fernseh-Show angehende Manager knallhart feuerte. "You’re fired" wurde sein Markenzeichen. In Wirklichkeit sieht das anders aus: Trump-Experten sagen, er hatte schon immer Probleme, Leute einfach so zu feuern. Das zeigt sich auch im Weißen Haus. Wenn die Leute nicht selbst gehen, zögert Trump lange. So wie bei Tillerson.

Und wenn es soweit ist, schickt Trump gerne seine Mitarbeiter vor: Tillerson bekam einen Warnanruf von Stabschef John Kelly und las den Vollzug dann bei Twitter. FBI-Chef James Comey feuerte Trump per Brief - Comey erfuhr davon aus den Nachrichten. Stabschef Kelly war ja angetreten, das Chaos im Weißen Haus zu ordnen. Da gehörte es gleich von Anfang an zu seiner Aufgabe, Mitarbeiter zu entlassen - zum Beispiel den umtriebigen Chef-Strategen Steve Bannon.

Steve Bannon | Bildquelle: dpa
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Steve Bannon galt lange als Chefstratege im Weißen Haus, rechter Hardliner und wichtigster Einflüsterer Trumps. Damit war es im August letzten Jahres jedoch vorbei. Nachdem Bannon sich kritisch über den Trump-Clan geäußert hatte, erklärte der Präsident, der Ex-Breitbart-Chef habe den Verstand verloren. Auch Bannon wird vom FBI im Zuge der Russlandaffäre befragt.

Die Gerüchteküche kocht weiter

Ein Grund für die vielen Wechsel ist Trump Management-Stil: Er hält sich nicht an Abläufe und Hierarchien. Zu Beginn seiner Amtszeit stand die Tür des Oval Offices offen, Besucher und Mitarbeiter kamen und gingen, brachten Ideen. Trump reagierte gerne impulsiv. Stabschef Kelly hat den Zugang zum Präsidenten geordnet - was dazu führt, dass es immer wieder Berichte gibt, wie unzufrieden Trump mit ihm ist.

James Comey | Bildquelle: AP
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James Comey war etwa vier Jahre lang FBI-Direktor, bevor Trump ihn erst bedrohte, unter Druck setzte und schließlich im Juni 2017 überraschend feuerte. Kritiker vermuten einen Zusammenhang zu den Russland-Ermittlungen, die Comey gegen Trumps Team vorantrieb.

Der Präsident selbst will nicht von Chaos reden, er sagt, das Weiße Haus habe eine gewaltige Energie. Leute drängten sich darum, für ihn zu arbeiten. Er habe für jede offene Stelle zehn Kandidaten. Das erklärt aber nicht, warum so viele Posten in der Trump-Regierung unbesetzt sind. Nach der Entlassung von Rex Tillerson und der Ankündigung, Mike Pompeo solle neuer Außenminister werden, sagte Trump, er sei nahe dran an dem Kabinett, das er will.

Ob er diesen Zustand je erreichen wird, ist offen: Schon jetzt kocht die Gerüchteküche mit weiteren Namen, die Trump gerne loswerden möchte. Der frühere Wahlkampf-Mitarbeiter Barry Bennett sagte, Leute, die dachten, sie könnten Trump ändern, müssten erkennen - das kann man nicht. Schlechte Zeiten für alle, die ihn politisch mäßigen wollen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 14. März 2018 um 05:38 Uhr.

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