Kardinal George Pell | Bildquelle: AFP

Verdacht des Kindesmissbrauchs Ermittlungen gegen Vatikan-Finanzchef

Stand: 29.06.2017 03:05 Uhr

Die Vorwürfe gegen den australische Kurienkardinal Pell gibt es schon länger - jetzt gibt es auch ein Ermittlungsverfahren wegen Kindesmissbrauchs. Es soll sich um Fälle aus den 70er- und 80er-Jahren handeln. Der Vatikan-Finanzchef bestreitet die Vorwürfe.

Gegen den australischen Kurienkardinal George Pell ist ein Ermittlungsverfahren wegen Kindesmissbrauchs eingeleitet worden. Dem katholischen Geistlichen würden mehrere sexuelle Vergehen gegen Kinder zur Last gelegt, teilte die Polizei im australischen Bundesstaat Victoria mit. Pell muss am 18. Juli zu einer Gerichtsanhörung in Melbourne erscheinen. Die australische Polizei führte nicht näher aus, worum genau es bei den nun zu untersuchenden Vorwürfen gegen Pell geht. Die Geschehnisse lägen schon weit zurück, hieß es.

Pell ist seit 2014 im Vatikan für den Haushalt zuständig und damit einer der höchsten katholischen Würdenträger. Zuvor war er Erzbischof von Melbourne und Sydney gewesen.

"Völlig falsch"

Pell hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Mai als "völlig falsch" zurückgewiesen. Vor einer australischen Missbrauchskommission räumte der 76-Jährige aber Fehler im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester in den 70er-Jahren ein. Mittlerweile hat die Kirche an Tausende Opfer als Ausgleich umgerechnet mehr als 276 Millionen Euro gezahlt.

Australischen Medienberichten zufolge wird Pell von zwei Männern bezichtigt, sie Ende der 70er-Jahre missbraucht zu haben. Zudem soll er sich in den 80er-Jahren nackt vor drei Jungen gezeigt haben. Pell wies die Vorwürfe zurück und sprach von einer "skandalösen Schmutzkampagne" gegen ihn. Kürzlich erschien ein Buch, das neue Einzelheiten zu den Vorwürfen gegen den australischen Kardinal enthielt.

Der Papst auf dem Balkon des Petersdoms in Rom | Bildquelle: dpa
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Der Papst rief 2014 ein Gremium ein, das sich um Missbrauchsfälle kümmern soll.

Schlechter Zeitpunkt für den Papst

Für den Heiligen Stuhl kommt das Ermittlungsverfahren äußerst ungelegen. Papst Franziskus rief Ende 2014 innerhalb der Glaubenskongregation im Vatikan ein neues Gremium aus Kardinälen und Bischöfen ins Leben, um die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und anderen schwerwiegenden Delikten in der katholischen Kirche zu erleichtern.

Ein Mitglied dieser Kinderschutzkommission bezeichnete Pell 2015 als "unhaltbar" in der Funktion des Finanzchefs und nannte ihn mit Blick auf die Behandlung von Missbrauchsopfern "fast soziopathisch". "Ich denke, es ist entscheidend, dass George Pell abtritt, dass er zurück nach Australien geschickt wird und dass der Papst die härtesten Maßnahmen gegen ihn ergreift", sagte Peter Saunders - selbst Missbrauchsopfer - damals im australischen Fernsehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2017 um 06:00 Uhr.

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