Papst Franziskus in Chile

Umgang mit Missbrauchsfall Papst Franziskus in der Kritik

Stand: 20.01.2018 21:37 Uhr

Die Lateinamerikareise von Papst Franziskus wird von seinen Äußerungen über einen Missbrauchsfall überschattet. Ein Papst-Berater äußerte Unverständnis und selbst die "Vaticannews" sprachen von einem "verheerenden" Eindruck.

Schon häufiger stand Papst Franziskus in der Kritik wegen seines Umgangs mit Missbrauchsfällen. Nun hat ein Auftritt in Chile für ungewöhnlich deutliche Misstöne gesorgt. Der päpstliche Berater für Missbrauchsfälle in der Kirche, Kardinal Sean O'Malley, kritisierte Franziskus scharf und warf dem Kirchenoberhaupt vor, Missbrauchsopfern großen Schmerz zu bereiten.

Hintergrund ist eine Äußerung des Papstes von Donnerstag. Während seines Besuchs in Chile hatte sich Franziskus zu einem Missbrauchsskandal geäußert. Der Priester Fernando Karadima soll sich über Jahrzehnte an Kindern vergangen haben und wurde vom Vatikan 2011 dazu verurteilt, seinen Lebensabend in Buße und Gebet zu verbringen.

Fall ausreichend aufgearbeitet?

Der beschuldigte Bischof Barros | Bildquelle: AFP
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Um ihn geht es: Bischof Juan Barros wird beschuldigt, vom Missbrauch gewusst zu haben.

Doch für viele Chilenen ist der Fall damit nicht ausreichend aufgearbeitet. Denn sie glauben, dass auch der von Franziskus zum Bischof ernannte Juan Barros schon frühzeitig über Karadimas Handeln Bescheid wusste und mithalf, den Skandal zu vertuschen.

"Das ist alles Verleumdung. Ist das klar?", hatte Franziskus gesagt und den Opfern Karadimas vorgeworfen, Barros zu verleumden, indem sie ihn der Mitwisserschaft beschuldigten. "Es gibt auch nicht den geringsten Beweis gegen ihn."

Opfer beschuldigen Priester erneut

Drei der Opfer Karadimas sagten auf einer Pressekonferenz, Barros sei anwesend gewesen, als sie vom Priester missbraucht worden seien. Die Haltung des Papstes sei für sie daher "beleidigend und schmerzhaft". Die päpstliche Hilfe für Barros habe bei vielen Chilenen einen "verheerenden" Eindruck hervorgerufen, schrieb selbst Stefan von Kempis, Korrespondent des Vatikansprachrohrs "Vaticannews". Dies habe sich auch an geringerer Beteiligung an den Messen in Chile gezeigt.

Er könne sich nicht erklären, warum Franziskus eine solche Wortwahl verwendet habe, sagte der Missbrauchsbeauftragte O'Malley. Franziskus sei sich sehr wohl des Fehlverhaltens der Kirche und ihres Klerus und deren Folgen für die Opfer bewusst.

O'Malley leitete das päpstliche Komitee für den Schutz Minderjähriger, dessen Mandat aber mit Jahresende auslief. Franziskus hat bisher keine neuen Mitglieder benannt, und es ist unklar, wie es mit dem Komitee weitergeht.

Protest gegen Barros | Bildquelle: REUTERS
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Protest gegen Barros in Santiago

Kritikern fehlen konkrete Schritte

Papst Franziskus hat in der Vergangenheit Missbrauch stets als Sünde und Teufelswerk verurteilt. Seinen Kritikern fehlen jedoch die konkreten Schritte, mit denen er gegen verdächtige Kirchenmänner vorgeht.

So warf auch der Skandal um den ranghohen Kardinal George Pell einen Schatten auf Franziskus' Amtszeit. Der Finanzchef des Vatikans steht in seiner Heimat Australien seit langem unter Verdacht, Missbrauch vertuscht oder gar selbst begangen zu haben. Der Papst hielt jedoch weiter an Pell fest, ehe dieser nach Australien ging, um sich den Vorwürfen zu stellen. Auch in der päpstlichen Kinderschutzkommission gab es Ärger, weil Mitglieder Hürden beklagt hatten, die ihnen im Vatikan in den Weg gelegt würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Januar 2018 um 21:00 Uhr.

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