Zeitschriften - darunter eine mit dem Konterfei des Papstes | Bildquelle: AP

Franziskus startet hochpolitischen Mexiko-Besuch Probleme wegsingen? Nicht mit dem Papst!

Stand: 13.02.2016 04:20 Uhr

Von Kuba aus ist der Papst nach Mexiko gereist. Dort hat die First Lady eigens ein Begrüßungslied produziert - was wohl helfen soll, von den Problemen des Landes abzulenken. Gelingen dürfte das kaum. Denn der Mexiko-Besuch des Papstes wird hoch politisch.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko

Angelica Rivera | Bildquelle: dpa
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"Mexiko bemalt sich mit Licht", so der Begrüßungssong der First Lady.

Ein großartiger Empfang soll es werden. Die Regierung von Mexiko-Stadt ruft die Gläubigen dazu auf, am Abend der Ankunft mit ihren Mobiltelefonen den Weg des Papstes zu beleuchten. Angelica Rivera, die Gattin des Staatspräsidenten, hat mit Pop- und Schlagersängern das aus ihrer Sicht passende Lied dazu produziert. "Mexiko bemalt sich mit Licht", so der Titel.

Die dunklen Seiten - Drogenkrieg, Gewalt und Armut - überstrahlen, das wird aber nicht funktionieren. Auch wenn regierungsnahe Medien vorab nur über unverdächtige Programmpunkte berichten, wie den Besuch einer Kinderklinik. Der Präsident und konservative Bischöfe betonen die pastorale Seite des Papstbesuchs. Aber an dieses Drehbuch wird sich Franziskus nicht halten: sein Programm ist politisch. Das freut die Geistlichen, die an den Stationen des Besuchs arbeiten.

"Er weiß von der Gewalt, den Morden und Entführungen"

Beispiel eins: Der Erzbischof des gewaltgeplagten Bundesstaats Michoacán, Kardinal Suárez Inda. "Alles Menschliche ist von Natur aus politisch", sagt er. Das gelte auch für den Papst-Besuch in Michoacán. "Er weiß von der Gewalt, den Morden und Entführungen durch das organisierte Verbrechen. Er kommt, um uns zu trösten, aber vor allem, um uns zu sagen, dass ein Wandel möglich ist. Er will uns Kraft geben, für eine bessere Gesellschaft zu kämpfen. Deswegen geht er dahin, wo die Not am größten ist, wo er den Menschen dienen kann. Uns Priester hat er aufgerufen, die Kirchen zu verlassen, auf die Straße zu gehen. Die Kirche darf nicht mehr fern sein vom Leiden der Menschen."

Der Papst nach der Ankunft in Mexiko | Bildquelle: AFP
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Wie von der Regierung gewünscht, empfingen viele Mexikaner den Papst mit dem Licht ihrer Handys.

"Ein armer Papst für die Armen"

Beispiel zwei: Nah am Leiden der Menschen wird der Papst auch in Chiapas sein, dem Bundesstaat, in dem Dreiviertel der überwiegend indigenen Bevölkerung in Armut lebt. In deren Sprache wird der Priester Marcelo Perez predigen, wenn er gemeinsam mit dem Papst eine Messe hält.

"Das ist der Papst der Revolution und der Papst der Armen", so Priester Perez. "Ein armer Papst für die Armen, indem er sagt, dieses System funktioniert nicht. Wir wollen Veränderung und zwar: dieses Systems. Das schafft man nur mit einer Revolution, ohne Waffen. Das System in Mexiko hat viel Armut hervorgebracht. Deshalb müssen wir Alternativen suchen." Armut, die mitverantwortlich ist für die Migration in die USA.

Papst wird Messe direkt am Grenzzaun halten

Beispiel drei: In der Grenzstadt Ciudad Juárez, wo der Papst eine Messe direkt am Grenzzaun halten wird, leitet der Priester Javier Calvillo eine Herberge für Migranten. Er hofft auf die Worte des Papstes, denn aus dieser Saat könnten eines Tages Gesetze wachsen, die Brücken schlagen, statt Mauern zu bauen: "Bei seinem USA-Besuch sagte er: Ich komme als Migrant, bin Sohn von Migranten und als Argentinier lebe ich jetzt als Migrant in Rom."

Eine Frau hält eine Flagge mit dem Bild des Papstes | Bildquelle: AFP
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Mehr als 80 Prozent der Mexikaner sind Katholiken.

Franziskus habe mit symbolischen Gesten immer wieder seine Nähe zu Migranten gezeigt", so der Priester weiter. Jetzt mache er Ciudad Juárez zu seiner Kanzel, um über die Tragödie zu reden. " In einer Stadt an der Grenze zu den USA, in einem Land, das die Migranten aus Mittelamerika durchqueren müssen, die versuchen der Gewalt zu entfliehen. Wir sind glücklich, dass er darüber sprechen wird, weil seine Stimme überall auf der Welt gehört wird. "

Migration, Armut, Gewalt, Drogenkrieg – Franziskus warnte vor einiger Zeit wegen zunehmender Drogenprobleme sein Heimatland Argentinien vor „mexikanischen Verhältnissen“. Wie die wirklich sind, wird er nun sehen – an Orten, an denen noch nie ein Papst war.

Große Erwartungen an den Besuch von Papst Franziskus
A.-K. Mellmann, ARD Mexiko-Stadt
13.02.2016 02:32 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 12. Februar 2016 um 05:44 Uhr im Deutschlandfunk.

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