Innenansicht eines teilweise zerstörten antiken Museum in Palmyra | Bildquelle: AFP

Nach der Vertreibung des IS Palmyra doch nicht so stark zerstört?

Stand: 28.03.2016 13:24 Uhr

Was hat der IS in Palmyra angerichtet? Experten hatten das Schlimmste für die antiken Kulturgüter der syrischen Wüstenstadt befürchtet. Doch nach Ansicht erster Fernsehbilder ist der Altertümerchef optimistisch. Ein Historiker warnt jedoch.

Nach dem Sieg der syrischen Regierungstruppen über die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Palmyra sind nun Minenräumer in der historischen Stadt unterwegs. Offenbar hatten die Islamisten große Teile der Wüstenstadt mit Sprengfallen präpariert. Ein Militärsprecher sagte, dies betreffe sowohl Wohnviertel als auch die antiken Anlagen.

"Wir hatten solche Angst, dass wir in die Ruinen kommen und sie komplett zerstört vorfinden würden", sagte ein syrischer Soldat in Palmyra. "Doch dann waren wir erleichtert." Laut Reportern ist der Großteil der Altstadt intakt.

Der IS hatte Palmyra im Mai 2015 erobert und danach mehrere antike Tempel, den prachtvollen Triumphbogen und Grabmäler zerstört, die von der UN-Kulturorganisation UNESCO als Weltkulturerbe geführt werden.

Innenansicht eines teilweise zerstörten antiken Museum in Palmyra | Bildquelle: AFP
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Blick in ein zerstörtes antikes Museum in Palmyra.

Optimismus beim Altertümerchef

Der Direktor der syrischen Altertümerverwaltung, Maamun Abdulkarim, zeigte sich zuversichtlich, dass Palmyra wieder vollständig aufgebaut werden könne. Er habe "mit dem Schlimmsten gerechnet, aber die Landschaft ist im Großen und Ganzem in einem guten Zustand", sagte Abdulkarim der AFP. Viele der wichtigsten Ruinen seien nur leicht beschädigt, bei anderen Altertümern könnten die herumliegenden Trümmer wieder eingesammelt werden, sagte Abdulkarim. Mit Hilfe der UNESCO könne Palmyra innerhalb von fünf Jahren wieder aufgebaut werden.

Allerdings hielt er sich zum Zeitpunkt dieser Aussage noch in Damaskus auf. Welche Schäden die Dschihadisten genau in an der antiken Stadt hinterlassen haben, wolle er in Kürze vor Ort begutachten.

Syrische Truppen erobern antike Stadt Palmyra vom IS zurück
tagesthemen 23:40 Uhr, 27.03.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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"15 bis 20 Prozent der Stadt bislang ausgegraben"

Der Historiker Maurice Sartre gab zu bedenken, dass womöglich nicht alle Zerstörungen sichtbar seien. Nur 15 bis 20 Prozent der Stadt seien bislang ausgegraben und was unterirdisch zerstört worden sei, sei für die "Wissenschaft für immer verloren".

Das syrische Staatsfernsehen unterbrach das reguläre Programm, um eine Dokumentation über Palmyra und die archäologischen Stätten der Stadt auszustrahlen. Ein Reporter sprach live aus Palmyra und zeigte Truppen im Stadtzentrum. Von einigen nahegelegenen Gebäuden waren nur noch Trümmer zu sehen.

Assad sieht "Beweis der Effizienz" seiner Armee

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "ermutigt und glücklich", dass Palmyra befreit sei. Das Weltkulturerbe müsse nun beschützt werden, sagte er bei einem Besuch im Nachbarland Jordanien.

Syriens Präsident Baschar al-Assad lobte die Rückeroberung der Stadt als "wichtigen Erfolg" und als "Beweis der Effizienz" seiner Armee. Russlands Staatschef Wladimir Putin rief Assad an, um ihm zu gratulieren. Putin habe dabei betont, wie wichtig der Erhalt der historischen Stadt sei, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow.

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