Ruinen der historischen Stadt Palmyra | Bildquelle: dpa

Antike Oasenstadt Palmyra Wiederaufbau der Ruinen der Ruinen?

Stand: 27.03.2016 15:19 Uhr

Für den IS war die antike Oasenstadt Palmyra wie eine Trophäe. Vor den Augen der Welt sprengten die Terroristen systematisch einzigartige Kulturschätze. Woher kommt der zerstörerische Hass des IS auf die antiken Ruinen - und sollten sie wieder aufgebaut werden?

Seit 1980 sind die Ruinen der ehemaligen Handelsmetropole UNESCO-Weltkulturerbe. Dazu zählen besonders der rund 2000 Jahre alte Baal-Tempel, der Baal-Schamin-Tempel sowie mehrere einzigartige Turmgräber, der Triumphbogen und ein Teil der berühmten Säulenstraße - sie sind einzigartige Kulturdenkmäler. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 besuchten jährlich mehr als 150.000 Touristen die Ruinen rund 200 Kilometer nordöstlich von Damaskus.

Ruinen der antiken Stadt Palmyra in der syrischen Wüste | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Ruinen der antiken Stadt Palmyra, aufgenommen im September 2009.

Mutwillig zerstört worden ist die Stadt in ihrer langen Geschichte mehrmals. Zuerst kamen die Römer. Sie zerstörten Palmyra im Jahr 272. Damals hatte die Oasenstadt in der syrischen Wüste ihren Blütezeit schon hinter sich. Durch ihre Lage an einer der wichtigsten Handelsrouten zwischen dem Römischen Reich, Persien, Indien und China hatte das quirlige, multikulturelle Palmyra in den ersten Jahrhunderten nach Christus stetig an Bedeutung gewonnen. Herrscherin Palmyras war damals die legendäre Königin Zenobia.

Der IS kam im Mai 2015 nach Palmyra

Die Terroristen des "Islamischen Staats" kamen im Mai 2015. Sie ermordeten nicht nur viele Menschen, darunter den Archäologen Khaled Asaad, sondern sie zerstörten auch systematisch das kulturelle Erbe Syriens. Antike Kulturgüter betrachtet der radikal-sunnitische IS als Symbole für Götzendienst und Heidentum, die es zu zerstören gelte. Und das "kulturelle Patchwork" Palmyra verkörperte alles, was der IS verabscheut, vor allem den Dialog zwischen den Kulturen.

Die Zerstörungen der Kulturgüter seien Teil einer Strategie, die Existenz von anderen Kulturen zu verneinen, so die UNESCO. Damit wolle der IS die Geschichte und damit das kulturelle Gedächtnis auslöschen. UNESCO-Generaldirektorin Irina Bokova spricht von "kultureller Säuberung".

Für den IS war Palmyra wie eine Trophäe, und die Dschihadisten inszenierten die Zerstörungen perfekt. Sie produzierten Videos, es gab Fotos. Erst der Baal-Tempel, dann der Tempel des Baalschmin, der Löwe der Athena, der Triumphbogen, ein filigranes, vollkommenes Werk römischer Baukunst - alles wurde nach und nach zertrümmert, gesprengt, zerstört. Es war, als wollten die Dschihadisten Stück für Stück das Menschheitserbe zerlegen - vor den Augen der Welt. Satellitenbilder belegten die großflächigen Verwüstungen, das genaue Ausmaß konnte jedoch bisher nicht geprüft werden.

Einer, der damals fast verzweifelte, war Maamoun Abdelkarim, der Leiter der syrischen Museums- und Altertumsbehörde:

"Palmyra ist so etwas wie eine Geisel des IS. Seit die Dschihadisten dort sind, denke ich ständig daran, wie man Palmyra zurückerobern kann. Aber ich weiß es nicht. Das einzige was ich weiß: Wenn der IS dort bleibt, werden wir Palmyra vollständig verlieren."

Nach der Rückeroberung der Wiederaufbau?

Jetzt konnte die syrische Armee die antike Stadt, beziehungsweise die Ruinen der Ruinen, zurückerobern. Die Islamisten seien vertrieben. Nun wolle man Palmyra wieder aufbauen. "Wir werden die zerstörten Tempel in einer Weise wieder aufbauen, die ihre historische Identität bewahrt", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana Behördenleiter Abdelkarim. Für die Rekonstruktion sollen demnach originale Felsblöcke sowie neue aus den Steinbrüchen der Umgebung benutzt werden.

Palmyra | Bildquelle: AP
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Das genaue Ausmaß der Zerstörungen durch den IS sowie die Schäden durch Rückeroberung ist unklar. Dieses aktuelle Foto stammt von der syrischen Nachrichtenagentur Sana.

Eine Reproduktion der Ruinen der antiken Prachtbauten hatte bereits Kunsthistoriker Horst Bredekamp gefordert. Er ist Mitglied der Gründungsintendanz des Humboldt-Forums in Berlin. Ein Wiederaufbau Palmyras wäre für Bredekamp keine "rückschauende Heilung", sondern eine "vorausblickende Markierung von Geschichte". "Gegenüber den Zerstörungen der Terroristen sollte die Kunst der Reproduktion triumphieren", so Bredekamp.

Syrische Truppen erobern antike Stadt Palmyra vom IS zurück
tagesthemen 23:40 Uhr, 27.03.2016, Volker Schwenck, ARD Kairo

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Mit "Fingerspitzengefühl"

Für einen Wiederaufbau mit "Fingerspitzengefühl" plädiert der Direktor des Vorderasiatischen Museums Berlin, Markus Hilgert. Es gehe um die Frage: "Wie machen wir das, so dass die Integrität der Welterbestätte Palmyra nicht beschädigt wird." Man dürfe es bei der Rekonstruktion nicht übertreiben, um die Voraussetzungen für eine Welterbestätte nicht zu gefährden.

Hoffnung auf Wiederaufbau
A. Allmering, ARD Kairo
27.03.2016 17:54 Uhr

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In den nächsten Tagen wird ein syrisches Team von Experten die Stätte begutachten. Sie sollen sich ein genaues Bild von den Schäden machen. Auch die UNESCO will so rasch wie möglich die Kriegsschäden untersuchen. Denn ob die einzigartige Ausgrabungsstätte auch bei den heftigen Rückeroberungsgefechten noch weiter in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist unklar.

Soldaten überschauen Palmyra | Bildquelle: REUTERS
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Blick auf die Ruinen der Ruinen von Palmyra: syrische Soldaten auf einer Anhöhe. Das Foto der Nachrichtenagentur Sana stammt von heute.

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