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100 Jahre Osteraufstand in Irland Anfang vom Ende der britischen Herrschaft

Stand: 27.03.2016 05:31 Uhr

Irland begeht in diesem Jahr zum 100. Mal die Feiern zum Osteraufstand von 1916. Damals stürmten Nationalisten das Hauptpostamt - der Anfang vom Ende der britischen Besatzung, sagen Historiker. Und die Quelle vieler Spannungen, die bis heute nachwirken.

Von Stephanie Pieper, ARD-Studio London

Rory steht auf den Stufen des General Post Office, des GPO in Dublin, um ihn eine Gruppe von Touristen, die etwas über den legendären Osteraufstand erfahren möchten. "Damals, am frühen Ostermontag des Jahres 1916, stürmen rund 500 Männer und Frauen dieses Hauptpostamt", erzählt der Tourguide. Die Rebellen verbarrikadieren sich in dem Gebäude, richten dort ihr Hauptquartier ein - und proklamieren die Loslösung vom Vereinigten Königreich und die Gründung der Irischen Republik.

Anführer der Aufständischen sind Patrick Pearse, ein Lehrer, James Connolly, ein Gewerkschafter und Sozialist, und Thomas Clarke, ein Nationalist mit paramilitärischen Verbindungen. Die Drei verfassen gemeinsam die Unabhängigkeitserklärung.

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Die irische Unabhängigkeitserklärung ist heute im Museum von Dublin zu bewundern.

Iren fordern mehr Eigenständigkeit

Seit Jahrhunderten herrschen die Briten damals über die kleine Nachbarinsel, seit 1800 in einem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Irland. Die Iren haben kein eigenes Parlament, sie entsenden stattdessen Abgeordnete nach London. Ende des 19. Jahrhunderts jedoch fordern irische Politiker immer lauter "Home Rule" - mehr Eigenständigkeit, erklärt der Historiker Eunan O’Halpin vom Trinity College Dublin: "1914 verabschiedet das britische Parlament tatsächlich ein Gesetz, das Irland weitgehende Autonomie zugesteht. Das ist das, was die Mehrheit der Iren damals auch will. Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus - und London legt die 'Home Rule' erst einmal auf Eis."

Außerdem verpflichten die Briten auch irische Männer, auf dem Kontinent für "King and Country", für das British Empire zu kämpfen. Das befeuert den irischen Nationalismus, das Streben nach einem eigenen Staat.

Auf den Spuren der Rebellen
Stephanie Pieper, ARD-Studio London
27.03.2016 04:47 Uhr

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Waffen vom deutschen Kaiserreich

Unterstützung bekommen die irischen Separatisten während des Ersten Weltkrieges vom deutschen Kaiserreich - getreu dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund". "Kurz vor Ostern 1916 kommt vor der irischen Küste ein Schiff mit Waffen aus Deutschland an, das als norwegischer Schlepper getarnt ist", so der Historiker O'Halpin. "Aber die britische Marine weiß da längst Bescheid und fängt das Schiff ab, so dass die Crew schnell alle Waffen in der Irischen See versenkt.“

Da den Rebellen in Dublin nun Gewehre, Pistolen und Munition fehlen, blasen sie die eigentlich für Ostersonntag geplante Mobilisierung hastig ab. Die Briten wiederum denken, der Aufstand fällt aus. Doch die Gruppe um Clarke, Connolly und Pearse entschließt sich, am Ostermontag dennoch anzugreifen.

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Im Museum können Besucher die Unabhängigkeitserklärung bewundern.

Sechs Tage lang halten sie durch, erzählt Fremdenführer Rory vor dem GPO: "Am Samstag nach Ostern kapitulieren die Rebellen, geschlagen von der Übermacht der britischen Armee. 485 Menschen sterben während des einwöchigen Osteraufstandes, mehr als die Hälfte von ihnen sind Zivilisten."

"Grundstein für die spätere Unabhängigkeit"

Wenige Wochen danach erschießen die Briten mehr als ein Dutzend Aufständische, was einen Aufschrei vieler Iren auslöst. Die Getöteten werden zu katholischen Märtyrern. Der Osteraufstand von 1916 scheitert somit militärisch, ist aber politisch der Anfang vom Ende der britischen Herrschaft über die grüne Insel, bilanziert Historiker O'Halpin: "Der Osteraufstand ist ein sehr wichtiges Ereignis in der irischen Geschichte: Er bildet den Grundstein für die spätere Unabhängigkeit, er prägt die anglo-irischen Beziehungen für lange Zeit - und nicht zuletzt ist er bedeutend für den Kampf gegen den Kolonialismus im 20. Jahrhundert."

Zum neuen Sammelbecken für alle irischen Republikaner wird die Partei Sinn Fein, gälisch für "Wir selbst". Sie geht aus der Parlamentswahl 1918 in Irland als Siegerin hervor. Aus Protest gegen die Besetzung ihrer Heimat nehmen die Abgeordneten jedoch ihre Sitze im fernen London nicht ein. Vielmehr gründen sie 1919 in Dublin das irische Parlament "Dáil Eireann".

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Der Text der Unabhängigkeitserklärung ist in Stein gemeißelt in Dublin zu lesen.

IRA kämpft für eigenen irischen Staat

Die politisch siegreiche Sinn Fein unterstützt auch die paramilitärische Irish Republican Army - kurz IRA -, die gegen die Briten für einen eigenen irischen Staat kämpft - mit Erfolg. 1922 besiegelt der Anglo-Irische Vertrag die Unabhängigkeit Irlands. Doch unmittelbar danach beginnt ein blutiger Bürgerkrieg: Denn die sechs Grafschaften Ulsters bleiben beim Vereinigten Königreich - und werden zu Nordirland. Die grüne Insel ist also geteilt: in einen unabhängigen, überwiegend katholischen Süden, und einen weiter zur britischen Krone gehörenden, überwiegend protestantischen Norden. Eine Teilung, die in den folgenden Jahrzehnten für viele Spannungen - und für viel Leid - sorgen wird.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. März 2016 um 20:00 Uhr.

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