Jodie Foster | Bildquelle: AP

Oscars 2017 Nicht nur Party, auch Protest

Stand: 25.02.2017 12:59 Uhr

Hollywood setzt ein Zeichen gegen Ausgrenzung: Kurz vor der Oscar-Verleihung protestierten Stars wie Jodie Foster für die Rechte von Einwanderern und für Pressefreiheit. Die Nominierten für die Auslands-Oscars- unter ihnen Maren Ade - beklagen ein "Klima des Fanatismus" in den USA.

Maren Ade | Bildquelle: AFP
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Maren Ade ist für "Toni Erdmann" nominiert.

Der Regierungswechsel in den USA schlägt auch auf die Stimmung bei der bevorstehenden Oscar-Verleihung: Sie ist gekennzeichnet von Protestaktionen für Meinungs- und Pressefreiheit und gegen Ausgrenzung. So beklagen die Regisseure aller fünf nominierten Auslands-Filme ein "Klima des Fanatismus und Nationalismus" in den USA. Auch die deutsche Regisseurin Maren Ade unterzeichnete die Erklärung. Darin heißt es: "Führende Politiker" säten Furcht, indem "sie uns nach Geschlechtern, Hautfarben, Religionen und Sexualitäten trennen".

Die sechs Filmemacher erklärten, der Auslands-Oscar würde Menschen gewidmet, die sich für die Förderung von Eintracht und Verständigung einsetzten - ganz egal, wer den Preis gewinnen werde.

Neben Ade unterzeichneten der iranische Regisseur Asghar Farhadi, der Däne Martin Zandvliet, Hannes Holm aus Schweden und das australische Regisseur-Duo Martin Butler und Bentley Dean. Farhadi, mit "The Salesman" im Rennen um den besten fremdsprachigen Film, hat vorab angekündigt, die Oscar-Gala am Sonntag boykottieren zu wollen. Damit reagierte er auf den von US-Präsident Donald Trump verfügten Einreisestopp für sieben überwiegend muslimische Länder, darunter Iran. Das umstrittene Dekret wurde inzwischen gerichtlich blockiert.

"Es ist Zeit, sich zu zeigen"

In Beverly Hills gingen rund 1500 Menschen für Pressefreiheit und die Rechte von Einwanderern und Minderheiten auf die Straße. Dem Aufruf der Künstleragentur United Talent Agency schlossen sich auch zahlreiche Stars an, darunter Jodie Foster, Michael J. Fox und Keegan-Michael Key. Die Agentur verzichtet in diesem Jahr auf ihre traditionelle Oscar-Party und will stattdessen das Budget für Flüchtlings- und Bürgerrechtsorganisationen spenden.

Der Komiker und Schauspieler Key sagte, die Veranstaltung solle die wachsenden Sorgen der kreativen Gemeinschaft über eine einwanderungsfeindliche Stimmung in den USA widerspiegeln. Diese habe Auswirkung auf den globalen Ideenaustausch und die Meinungsfreiheit. Fox, der vor rund 20 Jahren einen amerikanischen Pass erhalten hat, erinnerte an den acht Jahre dauernden Prozess, durch den er bis zur US-Staatsbürgerschaft gehen musste. Er frage sich nun, warum er sich über die lange Zeit beschwert habe. Dass Einwanderer heute abgewiesen würden, sei "ein Angriff auf die menschliche Würde".

Besonders großen Applaus erntete Foster. Sie sagte, sie habe sich nie dabei wohlgefühlt, ihr prominentes Gesicht für Aktivismus herzugeben. Dieses Jahr sei jedoch alles anders. "Es ist Zeit, sich zu zeigen", rief sie der Menge zu.

Die Schauspielerin Jodie Foster spricht bei einer Protestkundgebung der Aktion ''United Voices'' in Los Angeles. | Bildquelle: dpa
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Die Schauspielerin Jodie Foster spricht bei der Protestkundgebung der Aktion "United Voices" in Los Angeles.

Der iranische Regisseur Farhadi wurde per Video aus Teheran zugeschaltet. Er freue sich über die Solidarität und Unterstützung der Filmgemeinschaft, sagte er. Mit ihren Kameras hätten Filmemacher die Möglichkeit, Klischees zu durchbrechen und menschliche Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.

Syrischer Kameramann erhält keine Einreiseerlaubnis

Derweil wurde bekannt, dass die US-Behörden einem Kameramann aus Syrien die Einreise verweigert haben. Das geht aus einem Schreiben der US-Regierung hervor, das der Agentur AP vorliegt. Demnach entschied das Heimatschutzministerium erst in letzter Minute, Chaled Chateeb nicht ins Land zu lassen. US-Beamte hätten "nachteilige Informationen" gegen ihn gefunden. Das Heimatschutzministerium wollte sich nicht zu dem Fall äußern. "Nachteilige Informationen" können viel bedeuten - von Ungereimtheiten im Reisepass bis hin zu Terrorverbindungen.

Chateeb hatte am Kurzfilm "The White Helmets" mitgearbeitet, einer der Nominierungen für den besten Dokumentarfilm. Er wollte von Istanbul aus zur Oscar-Gala nach Los Angeles reisen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Februar 2017 um 09:00 Uhr.

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