Fragen und Antworten

Kim Jong Un verfolgt den Start einer Langstreckenrakete | Bildquelle: REUTERS

Atomwaffen- und Raketenprogramme Nordkoreas Was ist Propaganda? Was ist bewiesen?

Stand: 07.02.2016 16:10 Uhr

Die nordkoreanische Führung provoziert die internationale Gemeinschaft immer wieder mit Atomwaffentests und Raketenstarts. Doch was ist nur Propaganda aus Pjöngjang, welche militärischen Fähigkeiten sind bestätigt? tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Die nordkoreanische Führung treibt trotz internationaler Sanktionen ihr Raketen- und Atomwaffenprogramm voran. Erklärtes Ziel ist die Entwicklung einer ballistischen Rakete, die einen Atomsprengkopf bis auf das Festland der USA tragen kann. Genaue Informationen über die Waffenprogramme des abgeschotteten Landes liegen jedoch kaum vor.

Ein Überblick über wichtige Entwicklungsschritte und offene Fragen:

Was testete Nordkorea am 7. Februar?

Nach eigenen Angaben startete Pjöngjang eine Trägerrakete, die einen Erdbeobachtungssatelliten ins All beförderte. Dies wäre vordergründig also eine zivile Nutzung. Allerdings können Trägerraketen sowohl für zivile wie militärische Zwecke genutzt werden. Der einzige Unterschied sind die in der Raketenspitze untergebrachten Nutzlasten - entweder Satelliten oder Sprengköpfe.

Die USA und andere Staaten gehen davon aus, dass Nordkorea mit solchen Raketenstarts die Entwicklung ballistischer Interkontinentalraketen vorantreiben will. Die Führung um Kim Jong Un betont hingegen, ihr Weltraumprogramm diene wissenschaftlichen Zwecken.

Start einer Langstreckenrakete in Nordkorea | Bildquelle: REUTERS
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Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo veröffentlichte dieses Bild des Raketenstarts.

Darf Nordkorea ein ziviles Weltraumprogramm betreiben?

Nach Einschätzung des UN-Sicherheitsrats verstößt Nordkorea mit dem Abschuss von Trägerraketen gegen Resolutionen aus dem Jahr 2006, die dem Land jegliche Tests mit ballistischen Raketen untersagen.

China, Pjönjangs wichtigster Verbündeter, argumentiert hingegen, Nordkorea habe das Recht auf Weltraumforschung, müsse sich aber auch an die UN-Resolutionen halten.

Bereits am 12. Dezember 2012 startete eine Rakete mit großer Reichweite in Nordkorea, die nach Ansicht der US-Armee den Weltraum erreichte. Drei Jahre zuvor hatte das US-Luft- und Weltraumverteidigungskommando (NORAD) entsprechende Angaben aus Pjöngjang noch bezweifelt.

Wie weit entwickelt sind Nordkoreas Raketen?

Raketenabschussrampe in Nordkorea | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Blick auf das nordkoreanische Testgelände in Tongchang-ri (Archiv 2012)

Die nordkoreanische Staatsführung behauptet, bereits über Trägerraketen zu verfügen, mit denen sie das US-Festland treffen könnte. Die meisten Militärexperten halten dies für unwahrscheinlich. Ihrer Ansicht braucht der abgeschottete Staat noch mehrere Jahre, um dieses Ziel zu erreichen.

Seit dem ersten Start einer mehrstufigen Rakete mit großer Reichweite im August 1998 hat das Land große Fortschritte gemacht. Während die Reichweite der Rakete 1998 noch etwa 2500 Kilometer betrug, soll die am 7. Februar gestartete Rakete des Typs Unha-3 bereits eine Reichweite von etwa 10.000 Kilometer haben. Es fehlen allerdings Beweise, dass Nordkorea die für einen Angriff auf die USA nötige Technologie zum Wiedereintritt der Raketen beziehungsweise Sprengköpfe in die Erdatmosphäre bereits entwickelt hat.

Die Raketen des Typs Unha-3 sollen nach Einschätzung südkoreanischer Analysten Mini-Satelliten mit einem Gewicht von 100 bis 200 Kilogramm ins All beförderten. Für eine Interkontinentalrakete mit Atomsprengkopf müsste die Tragfähigkeit mindestens 500 Kilogramm betragen.

Und das Atomwaffenprogramm?

Über das Nuklearwaffenprogramm Nordkoreas gibt es wenig genaue Informationen. Als gesichert gilt, dass der kommunistische Staat in kurzer Zeit einsatzbereite Atombomben herstellen kann. Diese potenzielle Fähigkeit haben mehrere Nicht-Atommächte. Sehr wahrscheinlich übertreibt die Führung um Kim die militärischen Fähigkeiten ihres Landes, um seine Verhandlungsposition zu verbessern.

Nordkorea hat bisher vier unterirdische Atomtests durchgeführt. Der bisher letzte fand Anfang Januar statt. Nach eigenen Angaben wurde dabei eine Wasserstoffbombe erprobt, die eine deutlich größere Sprengkraft hätte als eine Atombombe. Westliche Experten bezweifeln, dass Nordkorea eine Wasserstoffbombe zündete. Dazu seien die Erschütterungen nicht stark genug gewesen.

Der erste Atombombentest fand im Oktober 2006 statt. Pjöngjang begründete ihn damals mit einer "extremem Bedrohung" durch die USA. Die beiden weiteren Tests fanden 2009 und 2013 statt.

vermutetes Nukleartestgelände in Nordkorea | Bildquelle: AP
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Das Atomwaffentestgelände auf einer Satellitenaufnahmen von 2012 - westliche Staaten wie die USA überwachen das Areal genau.

Welches Ziel verfolgt Pjöngjang?

Die nordkoreanische Führung erhofft sich durch die erfolgreiche Entwicklung von Atomwaffen vor allem eine bessere Verhandlungsposition mit der internationalen Gemeinschaft und ein Abschreckungspotenzial gegen eine militärische Aggression. Nach Innen dienen die Waffenprogramme der Propaganda - sowohl als Nachweis der eigenen Fähigkeiten als auch gegen den "Erzfeind" USA.

Die US-Regierung schließt bisher Verhandlungen mit dem kommunistischen Staat aus, solange Nordkorea keine Zusagen zur Aufgabe der Nukleartechnologie macht. Bisher bestärkte dies Nordkorea allerdings bei der Entwicklung seiner militärischen Fähigkeiten.

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